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Brandbrief an Ackermann
Bischof lässt sich nicht in die Karten sehen

Freisen. Gläubige in Freisen sind enttäuscht von der vagen Antwort Dr. Stephan Ackermanns auf ihren Brandbrief. Melanie Mai

Der Bischof hat geantwortet. Oder besser gesagt: Domvikar Marco Weber. "Lapidar", wertet diese Antwort Liane Bonenberger, die stellvertretende Vorsitzende des Pfarreienrates der Pfarrgemeinschaft Freisen-Oberkirchen. Sie hatte im Mai im Namen des Pfarreienrates nicht nur einen offenen Brief vor der Freisener Kirche ausgehängt, sondern auch an Stephan Ackermann persönlich geschrieben. Darin fordert sie mehr Rückendeckung für Pfarrer Hanno Schmitt, der seit den Missbrauchsvorwürfen gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer öffentlich angefeindet wird und gar Drohbriefe erhält (wir berichteten).



Bonenberger erinnerte an ein Gespräch, das Mitglieder des Pfarreienrates Freisen-Oberkirchen im Juni 2016 mit Vertretern der bischöflichen Behörde über die Situation vor Ort führten. Schon damals habe der Pfarreienrat die Behörde um Mithilfe gebeten. "Wir baten auch darum, dass der Regens (….) ein deutliches Zeichen für Pastor Dr. Hanno Schmitt in Freisen setzen möge", schreibt Bonenberger. Sie bedauere daher umso mehr, dass sich Regens Michael Becker gegen Schmitt wende. Bonenberger: "Wie anders ist sonst sein Verhalten zu verstehen, dass er den Boykott des Festgottesdienstes für die Kommunionjubilare mitträgt?" Der Regens - Leiter des Priesterseminars - hatte seinen Bruder zu diesem Fest begleitet. "Mit diesem Verhalten unterstützt daher ein offizieller Vertreter des Bistums den Affront gegen Pastor Schmitt", so Bonenberger weiter. Aus der Stellungnahme der Pressestelle des Bistums Trier war nach der Goldkommunion - einige Jubilare feierten lieber in St. Wendel als in ihrer Heimatkirche in Freisen - übrigens auch keine Begeisterung zu hören: "Wir bedauern die Situation, die nicht dem Gedanken eines Neuanfangs und Zusammenführens entspricht." Der Regens habe allerdings nicht als Leiter des Priesterseminars, sondern als Privatperson und Familienangehöriger diesen Gottesdienst mitgefeiert.

Bonenberger spricht in ihrem Brief aber auch die allgemeine Situation in Freisen an. "Dieses Verhalten und das permanente Schweigen des Bistums zu all den Anfeindungen gegen Pastor Schmitt" löse bei vielen Gläubigen Entsetzen und Unverständnis aus. Dazu Bonenberger: "Es klingt in unseren Ohren schon fast wie Hohn, wenn von der bischöflichen Leitung Pastor Hanno Schmitt lapidar ein Wechsel der Pfarrstelle angeboten wird, anstatt ihm zur Seite zu stehen und ein klärendes Wort" an die Christen der Pfarreiengemeinschaft zu richten. Sie bat den Bischof um ein deutliches Zeichen, um offene Worte, um ein klärendes Gespräch und um bischöflichen Beistand.

Nun also die Antwort aus Trier: Der Bischof habe das Schreiben zur Kenntnis genommen, heißt es darin. Und weiter: "Sie dürfen versichert sein, dass Herr Bischof und die Personalverantwortlichen des Bistums um ihre Verantwortung wissen. und sie auch wahrnehmen."

Als Liane Bonenberger dieses Antwortschreiben in Händen hielt, kam ihr eine Frage in den Sinn: "Wie passt das zusammen, dass Bischof Dr. Ackermann auf der einen Seite durch die Synode an die Ränder der Gesellschaft gehen will, um ganz viele Menschen wieder für die Kirche zu gewinnen, auf der anderen Seite aber engagierte, ehrenamtliche Mitarbeiter auf so eine arrogante Art und Weise mit diesem Antwortschreiben abspeist?"

Zum Thema:

Die internen Ermittlungen gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer wegen sexuellen Missbrauchs sind nach wie vor nicht abgeschlossen. Auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung heißt es aus der Pressestelle des Bistums Trier: "Die kirchenrechtliche Untersuchung läuft intensiv; wir gehen momentan davon aus, dass sie im Laufe des Sommers zum Abschluss gebracht werden kann."

Jeder konnte die Nöte der Gläubigen zur Kenntnis nehmen. Fotos: Melanie Mai
Jeder konnte die Nöte der Gläubigen zur Kenntnis nehmen. Fotos: Melanie Mai