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Bischofsbesuch
Bischof Ackermann räumt Fehler ein

Nach der Heiligen Messe stellte sich Bischof Stephan Ackermann im Kolpinghaus den Fragen der Angehörigen der Pfarreiengemeischaft Freisen-Oberkirchen.
Nach der Heiligen Messe stellte sich Bischof Stephan Ackermann im Kolpinghaus den Fragen der Angehörigen der Pfarreiengemeischaft Freisen-Oberkirchen. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
Freisen. Kirchenmann bedauert Zurückhaltung bei vermutetem Missbrauch: „Wir hätten klarer und entschiedener dagegen vorgehen müssen.“ Von Melanie Mai

„Trinken sie gerne Cola?“ Nicht nur diese Frage der sechsjährigen Emilia nahm Bischof Stephan Ackermann bei seinem Besuch in Freisen ernst. „Ja, aber nur die echte Cola, keine light oder zero“, sagte der Kirchenmann. Als er am Montagmorgen nach der Pfingstmesse in der fast vollbesetzten Pfarrkirche den rund 150 Bürgern im Kolpinghaus Rede und Antwort stand, war er um Ehrlichkeit bemüht. Er nahm sich Zeit – und kein Blatt vor den Mund.


Als es schon zu Beginn zahlreiche Fragen aus dem Publikum zu klären gab, was so im Protokoll nicht vorgesehen war, verschob er kurzerhand das Mittagessen: „Wir machen das hier jetzt einfach open-end, ich bleibe hier.“ Es klappte dann zwar doch noch mit dem Mittagessen, aber Ackermann ging vorher in aller Ruhe von Tisch zu Tisch, stellte sich den Fragen. Hier noch ein Foto mit dem Kirchenmann, da eine Anekdote aus dem Kirchenleben. Mit einer solch offenen, manchmal sogar herzlichen Atmosphäre habe er nicht gerechnet, gesteht der Bischof später im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung ein: „Ich bin mit gemischten Gefühlen her gefahren und die Stimmung hier ist doch gelöster als erwartet.“

Schließlich hatte Ackermann einen schweren Gang anzutreten. Immer wieder hatten die Gläubigen in den vergangenen zwei Jahren ein Machtwort seinerseits gefordert. Die Christen in der nach wie vor angespannten Situation in der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen verlangten nach Klarheit. Und sie forderten immer wieder, dass der Bischof dem aktuellen Pfarrer Hanno Schmitt den Rücken stärkt. Das machte er denn auch – klar und deutlich: „Er bekam zu wenig Unterstützung von Seiten des Bistums und des Bischofs.“ Dass Schmitt unter „schwersten Bedingungen“ arbeiten müsse, das tue ihm leid: „Ich kann die Enttäuschung verstehen.“ Es sei keineswegs so, dass Schmitt seinen Vorgänger „aus Eifersucht weggemobbt“ habe. Das habe sich der ehemalige Pfarrer selbst zuzuschreiben. „Als Bischof bin ich von ihm enttäuscht“, räumte der Kirchenmann ein.



Er, Ackermann, habe schmerzlich feststellen müssen, dass der ehemalige Pfarrer „Menschen für persönliche Zwecke eingespannt, ja gar instrumentalisiert hat“. Und das bis in die jüngste Vergangenheit. Daher habe er erst vor kurzem wieder dem ehemaligen Pfarrer unter Androhung weiterer Sanktionen untersagt, sich ins pastorale Leben in Freisen einzumischen. Denn nach wie vor kämen dort Karten und Briefe von dem an der Mosel lebenden ehemaligen Pfarrer an – unterschrieben mit „Euer Pastor“.

Was die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs angehe, auch da gesteht Ackermann Fehler ein. „Schon bei den Hinweisen 2006 hätte damit von Seiten des Bistums proaktiver umgegangen werden müssen.“ Aber wenigstens eines haben die schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit geändert, meint der Bischof: Heute würde das Bistum solchen Hinweisen in einem klar strukturierten Verfahren nachgehen. Er sprach in Bezug auf Transparenz aber auch die Zwänge an, die dem Bistum gesetzt seien: „Das Wahren der Persönlichkeitsrechte ist nicht gleichzusetzen mit Vertuschung.“ Aber trotzdem: „Es wurden Fehler gemacht.“

Der Bischof weiter: „Wir hätten klarer und entschiedener dagegen vorgehen müssen.“ Und damit meine er nicht nur die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs, sondern generell das Verhalten des ehemaligen Pfarrers. „Menschen zu instrumentalisieren, das gehört nicht zum Ethos eines Pfarrers. Das macht man einfach nicht.“

Im Umgang mit der Situation in der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen gesteht Ackermann ebenfalls Fehler ein: „Ich habe die Bedeutung und die Komplexität dieses Konflinktes eine geraume Zeit unterschätzt.“ Zwar sei er auf dem Laufenden gewesen, es seien Briefe geschrieben und Gespräche geführt worden. Aber: „Das war der Schwere der Situation nicht angemessen.“  Auch heute noch sei es für die Pfarreiengemeinschaft ein langer Weg, um wieder zusammenzuwachsen. Denn: „Gemeinschaft kann man nicht verordnen, sie braucht vertrauensvolle, offene Gespräche.“ Ebenso guten Willen. Das betonte auch Burkhard Becker, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Er sagte aber auch: „Wir haben jeden Tag die Chance, neu anzufangen.“

Der Besuch des Bischofs Stephan Ackermann in der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen begann mit einem Pontifikalamt in der Kirche St. Remigius in Freisen.
Der Besuch des Bischofs Stephan Ackermann in der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen begann mit einem Pontifikalamt in der Kirche St. Remigius in Freisen. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos