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Museen im Saarland
Mit der Autobahn kam die Idee zum Museum

 In allen Farben sind Drusen ausgestellt. Manche glitzern sogar, so wie dieses besondere Exemplar.
In allen Farben sind Drusen ausgestellt. Manche glitzern sogar, so wie dieses besondere Exemplar. FOTO: Melanie Mai
Freisen. Das Mineralienmuseum in Freisen zeigt Funde aus der Region. Eine Anbindung an die Deutsche Edelsteinstraße ist das Ziel. Von Melanie Mai

Der Grundstein wurde mit dem Ausbau der Autobahn 62 gelegt. Besser gesagt: Damit wurden viele Grundsteine gefunden. Denn als Ende der 1970er-Jahre der Autobahnabschnitt bei Freisen gebaut wurde, war das „die größte Achat-Fundstelle Europas“, wie Reiner Maria Schäfer, der Vorsitzende des Mineralienvereins Freisen, erzählt. Die riesigen Erdbewegungen legten regelrechte Schätze frei. Eine Initialzündung, sagt Schäfer. Für die Steinsammler, die es schon vor dem Krieg im Nordsaarland gegeben habe, stellte sich die Frage: „Kauft sich nun jeder seinen eigenen Schleifstein, oder tun wir uns zusammen?“ Es war die Geburtsstunde des Mineralienvereins. Christoph Keller, neben Schäfer Gründungsmitglied, spricht von zwölf Mitstreitern ganz am Anfang. Heute zählt der Verein 17 Mitglieder, „so viele wie noch nie“, sagt Keller. Es dürften ruhig ein paar mehr sein. Aber Schäfer erklärt das Problem: „Bei uns darf nur Mitglied werden, wer sich auch aktiv beteiligt.“ Ansonsten könnten es locker 300 Mitglieder sein. Aus dem ganzen Bundesgebiet gebe es Anfragen.


Von überall her kämen auch die Besucher des Mineralienmuseums, die über soziale Medien oder auf Messen wie den Mineralientagen in München, wo der Verein Jahr für Jahr vertreten ist, von dem Museum erfahren. Nur in Freisen selbst sei die Resonanz gering. Ab und zu mal eine Schulklasse oder eine Kindergartengruppe; ansonsten halte sich der Besucherandrang in Grenzen. Hingegen wisse man in der ganzen Welt die Freisener Schätze zu honorieren. „Der Zulauf kommt aus der Szene“, so Schäfer. Aus ganz Europa seien Mineralienfreunde zu Gast. Ja, sogar aus der ganzen Welt: „Der am weitesten Angereiste kam aus Neuseeland“, erinnert sich Keller, der von Anfang an die Führungen in dem Museum anbietet. Aber auch Gäste aus Amerika seien schon im Museum gewesen. Insgesamt kämen, so schätzt Schäfer, etwa 1000 Besucher pro Jahr.

Sie sehen knapp 2000 Ausstellungsstücke. „Wir wollen von Anfang an die schönen Steine, die man hier in der Region findet, der Bevölkerung zeigen“, so Schäfer. Eine wahre Fundgrube sei dabei längst nicht nur die Autobahn-Baustelle gewesen. „Der Museumsbestand wächst mit der Anzahl der Baustellen“, verrät Schäfer. Sobald irgendwo rund um Freisen gebaggert werde, kämen Achate oder Kristalline zum Vorschein. „Dann gehen wir raus; wir funktionieren wie ein Röntgengerät; alles, was rund oder oval ist, wird in Augenschein genommen“, scherzt Schäfer.



Je nach Fundort sind die Ausstellungsstücke in verschiedenen Vitrinen oder Schaukästen untergebracht. Oder ganz ohne Schutz in einem der gut ausgeleuchteten Räume. Die meisten Steine kommen aus Freisen, beispielsweise vom Hellerberg, aber auch aus anderen Teilen des Saarlandes oder aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz. Der Ort Dienstweiler bei Birkenfeld sei genauso zu nennen wie der Truppenübungsplatz Baumholder. Gerade erst habe das Museum eine Sammlung von einem verstorbenen Mineralienfreund aus Namborn übernommen. Schäfer spricht von „Gigantomie“. So ist neuerdings ein 250 Kilogramm schwerer Achat im Museum zu bewundern. Ein Sammler aus Hannover habe dem Verein, auch das ist noch nicht lange her, eine Sammlung Rhyolithe geschenkt. Diese stammen aus Oberthal. Und der Sammler begründete seine Schenkung so: „Die Steine sollen wieder nach Hause kommen.“

Derzeit beschränkt sich das Museum, das 1993 eröffnet wurde, auf die Räume im Erdgeschoss. Schäfer und Keller hoffen allerdings, dass möglichst bald erweitert werden kann. Denn noch seien in dem ehemaligen Amtshaus, das heute dem Landkreis St. Wendel gehört, Klassen der Gemeinschaftsschule untergebracht. Wenn der Anbau an die Schule komplett fertig ist, hofft der Mineralienverein, dass er diese Räume nutzen kann. „Ausstellungsstücke haben wir genug“, sagt Schäfer.

Und noch in einer anderen Hinsicht denkt Schäfer an Erweiterung. Nach wie vor habe er den Traum, dass Freisen an die Deutsche Edelsteinstraße angeschlossen wird. Auch deren Präsident stehe der Idee positiv gegenüber. „Es gibt Überlegungen, Freisen zum Tor zur Deutschen Edelsteinstraße zu machen“, so Schäfer. Schließlich verdanke die Schmuckstadt Idar-Oberstein, so Schäfer weiter, ihren weltweiten Ruf auch Freisen: „Idar-Oberstein ist mit unseren Achaten groß geworden.“ In der Anfangszeit hätte die Idar-Obersteiner die Steine aus Freisen „mit Säcken und Handkarre heimgefahren“. Der Vorteil Idar-Obersteins: „Dort gab es die Wasserkraft, um die Steine zu schleifen.“

Alle Serienteile, die bisher erschienen sind, finden sich im Internet.