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Kirchliches
Anonymer Brief wirbelt erneut Staub auf

Das Pfarrhaus in Freisen steht zum Verkauf. Das Gebäude ist nach Angaben des Bistums Trier in einem schlechten Zustand und somit stark sanierungsbedürftig.
Das Pfarrhaus in Freisen steht zum Verkauf. Das Gebäude ist nach Angaben des Bistums Trier in einem schlechten Zustand und somit stark sanierungsbedürftig. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
Freisen. Pfarrer Hanno Schmitt in Freisen wird harsch kritisiert. Auch der avisierte Verkauf des Pfarrhauses wird diskutiert. Von Melanie Mai

Es schien, als sei Ruhe eingekehrt in Freisen.  Seit Rom ein kirchliches Strafverfahren gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer, der des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt wird, angeordnet hat, war von den einstigen Anfeindungen wenig zu spüren. Jetzt flatterte wieder ein anonymer Brief ins Pfarrhaus. Der Schreiber  wirft Pfarrer Hanno Schmitt vor, der Pfarrei „den Todesstoß“ zu versetzen: „Der Exodus der Gottesdienstbesucher hält an.“ Noch nie seien so wenige Gläubige über Ostern in der Kirche gewesen. „Der stumme Protest der Gläubigen gegen den ungeliebten Pfarrer ist ungebrochen“, heißt es in dem Brief. Und weiter: „In Freisen sind die Gottesdienste blutleer geworden, weil die Freude der Mitfeiernden abhanden gekommen ist. Außerdem fehlt jegliche Feierlichkeit, wie wir sie so  beeindruckend gewohnt waren.“  Wieder einmal, so behauptet der Briefschreiber, sei der Ruf laut geworden nach dem ehemaligen Pfarrer: „Ihn kann einfach niemand ersetzen.“


Diese Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen, „haltlose Lügen“, beteuert Kooperator Peter Schwan, der, wie er sagt, in allen Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen tätig ist und „das Ohr am Volk“ habe: „Ich habe über die Ostergottesdienste nur hervorragende Rück-
meldungen bekommen.“ Zumal der Schreiber, der mit den Vorwürfen wohl Pfarrer Schmitt beschuldigen wollte, den Falschen treffe: Mal abgesehen vom Hochamt an Ostersonntag, habe  Kaplan Michael Keller die Gottesdienste gehalten.  Und das äußerst feierlich. Organist Anatol Raisov empfindet es ähnlich: „Ich habe keine großen Unterschiede gemerkt — nicht von der Feierlichkeit her, nicht vom Besuch und von allem drum und dran.“

Auch Reinhard Loch, der stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeindeverbandes Freisen-Oberkirchen, spürt keine schlechte Stimmung in der Kirche. Im Gegenteil: „Seit Ende 2016 ist die Stimmung wesentlich besser geworden.“ Der Kirchenbesuch habe stetig zugenommen. Auch die Zusammenarbeit mit den handelnden Personen in den kirchlichen Gremien sei heute besser als vor einigen Jahren.



Der anonyme Briefschreiber sieht das anders. Er wirft Schmitt vor, für die „kaputte Pfarrei, die horrende Zahl der Kirchenaustritte und die miese Gesamtstimmung“ verantwortlich zu sein. Die Zahlen der Kirchenaustritte liegen der Saarbrücker Zeitung vor. Demnach waren es im Jahr 2015 15, 2016 25, 2017 sechs und 2018 bisher drei.  Dem stehen insgesamt sieben Eintritte gegenüber. Zum Vergleich. In der zugegeben größeren Pfarreiengemeinschaft St. Wendel waren es 2015 91 Kirchenaustritte (fünf Eintritte), 2016 88 (zwei), 2017 93 (sechs) und bisher im Jahr 2018 35 (eins).

Ein weiterer Vorwurf betrifft das Pfarrhaus in Freisen.  „Warum bieten Sie nicht gleich Kirche und Kolpinghaus mit an?“, heißt es in dem anonymen Brief.  Fakt ist, dass das Pfarrhaus tatsächlich verkauft werden soll. Hintergrund ist ein Gutachten des Bistums Trier. Demnach sei das Gebäude stark sanierungsbedürftig, etwa 250 000 Euro müssten investiert werden, sagt Loch. Fenster, sanitäre Einrichtungen, Heizung, Treppen — alles sei in einem schlechten Zustand.  Mit dem Wissen, dass in das Pfarrhaus kein Pfarrer mehr einziehen wird, habe  das Bistum empfohlen, das Gebäude zu veräußern. Mittlerweile gibt es mehrere Interessenten.

Das Pfarrhaus wurde in den vergangenen Jahren lediglich für  die Sprechstunden zwei Mal pro Woche im Pfarrbüro genutzt. Diese Sprechstunden soll es auch weiterhin geben. Aber seit dem Weggang des ehemaligen Pfarrers an die Mosel stehe das Haus leer.

 Ursprünglich sollte übrigens das Zentralbüro der Pfarreiengemeinschaft in Freisen untergebracht werden, erzählt Loch. Der damalige Pfarrer  habe aber gewünscht, dass  das Zentralbüro nach Oberkirchen kommt, damit er nicht in seiner Wohnqualität beeinträchtigt werde.