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Unsere Woche
Emanzipation ja, aber bitte nicht so

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Eine Runde Mitleid für Kristin Rose-Möhring. Die SPD-Politikerin fühlt sich ungerecht behandelt. Da ist ihr doch tatsächlich pünktlich zum Weltfrauentag aufgefallen, dass die Deutschen seit Jahrzehnten in ihrer Nationalhymne vom „Vaterland“ singen. Wo bleibt da die Gleichberechtigung? Ach Gottchen, was für ein Skandal. Nur gut, dass sich endlich mal jemand des Problems annimmt. Rose-Möhring hat– wie es sich für eine emanzipierte Frau gehört – selbst eine Lösung parat. Sie fordert, den Text von seiner Männlichkeit zu säubern. Statt „Vaterland“ sollen wir „Heimatland“ singen und „brüderlich“ durch „couragiert“ ersetzten. Klasse Idee. Die mehr Probleme schaffen als lösen wird. Von Sarah Konrad

Mal abgesehen davon, dass die meisten Profifußballer wohl Schwierigkeiten hätten, sich den neuen Text zu merken. Eine geschlechtsneutrale Hymne würde immer noch längst nicht alle Menschen zufriedenstellen. Was wir daher wirklich brauchen, ist eine diskriminierungsfreie Nationalhymne. Das Satire-Portal Der Postillon verbreitet derzeit einen entsprechenden Vorschlag. In dem heißt es: „Vielfalt, Gleichheit und Korrektheit für das deutsche Heimatland, aber auch für andere Länder natürlich! Danach lasst uns alle streben – also nicht als Vorschrift gemeint, aber es wäre schön – brüderlich, schwesterlich sowie quer oder geschlechtsunspezifisch ersten Grades verwandt, mit Herz und Hand und anderen Körperteilen, die genauso nützlich sind!“


Zugegeben, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Zeigt aber letztendlich, was die SPD-Politikerin angerichtet hat. Statt die Emanzipation voranzutreiben, zieht solch eine Forderung all das, was unsere Mütter, Großmütter und Urgroßmütter erreicht haben, ins Lächerliche. Sie haben dafür gekämpft, dass Frauen wählen dürfen, sie nicht mehr zur Haushaltsführung verpflichtet sind und Ehemänner bestraft werden, wenn sie ihre Gattin vergewaltigen. Hinter diesen Erfolgen steckt viel Arbeit, Mut und Durchhaltevermögen. Auch wenn man hier und da sicherlich noch mehr tun könnte, haben unsere Vorfahrinnen viel erreicht. Dafür sollten ihnen die Frauen dankbar sein, die Errungenschaften nutzen und ihre Bemühungen fortführen. Statt Forderungen nach einer Veränderung der Hymne zu stellen, sollten die Damen zeigen, was in ihnen steckt. Ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Heutzutage stehen den Frauen doch alle Türen offen. Zumindest in Deutschland.