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Einst wichtig, heute fast vergessen

Der Grenzstein 27B steht am Rande von Werschweiler. Foto: Müller
Der Grenzstein 27B steht am Rande von Werschweiler. Foto: Müller
Niederkirchen. "Steht schief", "Ohne Nummer" oder "Fehlt ganz" - das sind typische Feststellungen in einem Protokoll des Marther Bürgermeisters Jakob Harth aus dem Jahre 1889, in dem Mängel an den Grenzsteinen der bayerisch-preußischen Landesgrenze im Bereich der Ostertal-Bürgermeisterei aufgelistet waren

Niederkirchen. "Steht schief", "Ohne Nummer" oder "Fehlt ganz" - das sind typische Feststellungen in einem Protokoll des Marther Bürgermeisters Jakob Harth aus dem Jahre 1889, in dem Mängel an den Grenzsteinen der bayerisch-preußischen Landesgrenze im Bereich der Ostertal-Bürgermeisterei aufgelistet waren. Jährlich musste im Auftrag der Münchener Regierung der Zustand der Grenzsteine überprüft und gemeldet werden. Heute kümmert sich kaum noch jemand um diese ehemals so wichtigen Grenzmarkierungen. Sie haben ihre Funktion eingebüßt. Aber die Steine können über die Veränderungen im Laufe der Geschichte in unserem Raum informieren. Auch Denkmalschützer treten dafür ein, solche geschichtsträchtigen Markierungen zu erhalten und zu pflegen. So hat der Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Landesumweltministerium ein Projekt gestartet, durch das so genannte Kleindenkmäler kartiert und später vielleicht auch restauriert werden sollen. An diesem Projekt beteiligt sich auch der Heimat- und Kulturverein Ostertal, der sich dabei vor allem dem Thema "Ehemalige Landesgrenzsteine" widmet. Mehrere Interessierte bildeten einen Arbeitskreis. Er hat zunächst die Steine der ehemaligen 1816 gezogenen bayerisch/sachsen-coburgischen, später preußischen Grenze überprüft. Diese Grenze erstreckt sich im Bereich des Ostertals von der Grenze der Gemarkung Dörrenbach bis zur Gemarkung Haupersweiler. Diese Grenze wurde 1842 vermessen und drei Jahre später mit Hoheitssteinen abgemarkt. Begonnen wurde mit dem Abschnitt von der Labach bis zum Wendelinushof. Diese Strecke war nämlich 1919, als nach dem Ersten Weltkrieg das Saargebiet vom Deutschen Reich abgetrennt wurde, zur deutsch-saarländischen Staatsgrenze geworden. Praktischerweise entfernte man aber damals die vorhandenen Grenzsteine nicht. Man änderte nur ihre Inschriften "K.B." (Königreich Bayern) und "K.P."(Königreich Preußen) um. Die Steine bekamen jetzt die Inschrift "S" für Saarland und "D" für Deutschland. Von den ursprünglich 52 Steinen dieses ehemaligen deutsch-saarländischen Streckenabschnitts fand der Arbeitskreis bei den beiden Begehungen noch 29 Steine vor, 23 waren nicht mehr aufzufinden. "Die noch vorhandenen Steine befinden sich teilweise in einem guten Zustand, einige waren aber auch stärker beschädigt, drei sogar waagerecht abgebrochen", teilte der Vorsitzende Hans Kirsch mit. Den Zustand der Steine habe man sorgfältig dokumentiert, sowohl schriftlich wie auch fotografisch. Weitere Begehungen sind vorgesehen. kam