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Meine WM
Eine wahre Liebesgeschichte

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Meine Liebe galt nie dem Fußball. Sie galt Michael Ballack. Diesem großen, gut gebauten Mittelfeldspieler mit den dunklen Haaren und den blaugrauen Augen. Von Sarah Konrad

Zu Teenager-Zeiten war er für mich der schönste Mann der Welt. Logisch, dass ich keines seiner Spiele verpassen durfte. 90 Minuten lauerte ich vorm Fernseher – immer in der Hoffnung, dass mein Ballack ins Bild stürmen würde. Während der Weltmeisterschaft 2002 schwebte ich besonders auf Wolke sieben. Mein Zimmer war mit Postern des Nationalspielers tapeziert. Sein Trikot mit der Nummer 13 entwickelte sich zu meinem Lieblingskleidungsstück. Und beinahe täglich ergatterte ich neue Fanartikel: Ballack-Zeichenmappe, Ballack-Bettwäsche, Ballack-Ordner, Ballack-Notizbuch. Meine Liebe kannte keine Grenzen. Im Halbfinale gegen Gastgeber Südkorea bewies mein Traummann, dass er auch ein Traumspieler war. Nahm er doch mit einem taktischen Foul, das eine Torchance des Gegners verhinderte, die daraus resultierende Gelbe Karte und damit verbundene Sperre für das Finale in Kauf. Wenige Minuten nach dieser Szene schoss er das entscheidende Tor. Mein Ballack, mein Held. Und der ist er für mich immer geblieben. Obwohl er den WM-Pokal nie gewonnen hat. Im März 2013 erlebten wir unser letztes gemeinsames Spiel. Ballack verabschiedete sich als Spieler und ich mich als Fan. Seitdem habe ich keine Fußball-Partie mehr ganz gesehen.