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Zukunftswerkstatt
„Die Digitalisierung betrifft alle“

Thomas Göbel, Geschäftsführer von Nestlé Wagner, begutachtet die Digi Pizza, einen Baustein der papierlosen Fabrik. Hier gibt es Informationen mit Hilfe von Tablets direkt an den eingesetzten Maschinen.
Thomas Göbel, Geschäftsführer von Nestlé Wagner, begutachtet die Digi Pizza, einen Baustein der papierlosen Fabrik. Hier gibt es Informationen mit Hilfe von Tablets direkt an den eingesetzten Maschinen. FOTO: Olga Adams/Nestlé Wagner
Nonnweiler. In die digitale Welt reinschnuppern, neue Entwicklungen kennenlernen und Ideen mitnehmen: Das waren Ziele des ersten Digital Inspiration Day bei Nestlé Wagner. Von Volker Fuchs

Am Bühnenrand steht Pepper, ein kleiner Roboter, und spricht mit einem Besucher. Wenige Meter entfernt erfasst eine Kamera Gesichter von Menschen, erkennt das Geschlecht, schätzt das Alter und die Laune der Person ein. Direkt daneben  formt ein 3D-Drucker filigrane essbare Dekorationen für die Feinschmeckerküche. Zwischen den Besuchern fährt eine kleine Kiste auf Rädern hin und her, ganz alleine, ohne Steuerung, ohne jemanden zu berühren. Die Zukunft ist an diesem Tag Gegenwart in der Europäischen Akademie in Otzenhausen.


Dorthin hat das Unternehmen Nestlé Wagner zu einem Digital Inspiration Day eingeladen. Etwa 15 Neuheiten auf dem digitalen Markt, einige davon sind schon im Einsatz, präsentiert der Pizzahersteller an diesem Tag rund 300 seiner Mitarbeiter. Sie sollen, wie es die englische Überschrift der Veranstaltung sagt, über Entwicklungen in der digitalen Welt informiert  werden und sich inspirieren lassen.

Denn: „Digital ist überall.“ Das betont Thomas Huber in seinem Einführungsreferat. Huber ist Experte für Trend- und Zukunftsforschung sowie digitale Transformation. Er führt die Wagner-Mitarbeiter ein in die digitale Welt, erläutert Potenziale und Chancen. „Computer beginnen, unser Leben zu verstehen“, unterstreicht Huber.



Die Digitalisierung habe  Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche. Da werde Produktion zum Nutzer verlagert, wenn ein Handwerker irgendwann Ersatzteile vor Ort passend drucken könne. Den 3D-Drucker dazu gibt es schon. Da können Roboter schwere Arbeiten leichter machen, der allein fahrende Mini-Transporter zeigt es vor Ort. Da scannen allein  fahrende Roboter den Warenbestand eines Kaufhauses und kümmern sich ums Nachfüllen. Da übernimmt der Kühlschrank den Einkauf und bestellt die Ware nach Hause. Da mache die digitale Technik den Verbraucher zu einem Beeinflusser, wenn er direkt seine Meinung zu einem Produkt sagen könne und damit Einfluss auf dieses nimmt. Die technische Möglichkeit dazu gibt es.

Die Digitalisierung habe auch Nachteile, so Huber, und nennt Fake News als ein Beispiel. Sie biete aber auch viele Chancen. Huber: „Es liegt an uns, was wir daraus machen.“ Eines ist für ihn aber ganz klar: „Die Digitalisierung betrifft alle, auch Nestlé-Wagner.“

In Gruppen aufgeteilt können sich anschließend die Mitarbeiter des Unternehmens über verschiedene digitale Projekte informieren. Start-Ups, wie die Food-Plattform Kitchen Stories und die Cashback-App Scondoo, berichteten, wie sie aufgrund der Digitalisierung neue Lösungen gefunden haben. Weiterhin galt es, die neuesten Technologien selbst auszuprobieren – vom sprechenden Roboter Pepper bis zum 3D-Nahrungsdrucker Foodini.

Auch im Werk des Tiefkühlspezialisten verzahnt sich die Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik. Ein wichtiger Schritt in Richtung Papierlose Fabrik ist DigiPizza: Mittels eines Tablets werden QR-Codes an Maschinen gescannt und Arbeitsanweisungen direkt in digitaler Form geöffnet. In einem weiteren Projekt in Otzenhausen geht es um die optische Qualitätskontrolle der Pizzen durch Kameras und eine passenden Software. Ein Thema auch bei Wagner ist der digitale Arbeitsplatz: Video-Konferenzen sparen lange Anreisen. Die Möglichkeiten, von Zuhause aus zu arbeiten, werden besser. Selbst die Steuerung von Heizung und Lüftung in einzelnen Räumen können Computer übernehmen.

Die Digitalisierung verändere Produkte, Prozesse und Services, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Die Bereitschaft für Innovation und Veränderung sei  unabdingbar geworden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Kapazitäten auszubauen, treibe Nestlé Wagner die digitale Transformation voran und arbeite unter Hochdruck an der Digitalisierung über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg.

Auch in der Deutschland-Zentrale in Frankfurt am Main richte sich der Lebensmittelkonzern Nestlé digital für die Zukunft aus. Mitarbeiter des eigens gegründeten Digital Acceleration Teams (DAT) arbeiten hier  an der Frage, wie Menschen  in einer digitalen Zukunft Lebensmittel einkaufen, kochen und sich ernähren werden.

Um die  Chance, die das rasante Fortschreiten der Digitalisierung biete, zu nutzen, setze Nestlé Wagner auf verstärkten Austausch, etwa durch Partnerschaften mit den großen Digital-Unternehmen und Start-Ups. Immer häufiger werden nach Angaben des Pizzaherstellers interdisziplinäre Teams gebildet, die mit unternehmerischem Denken Probleme lösen, wie etwa bei der Digital Challenge, einem Nestlé-Innovationswettbewerb für Digitalprojekte.

Zusätzlich setze der Tiefkühlspezialist  auf interne Weiterbildungsprogramme zur Stärkung des technologischen und digitalen Knowhows. Regelmäßig finden Veranstaltungen wie das „Digital Breakfast“ statt, bei dem kleine Wissenshappen – immer fokussiert auf ein Thema – transportiert werden.

Für die Organisation ist ein dreiköpfiges Digitalteam verantwortlich, das Nestlé Wagner bereits seit mehreren Jahren etabliert hat, und welches die digitale Kommunikation des Unternehmens strategisch bündelt und vorantreibt. Durch eine erfolgreiche Facebook-Kampagne  habe man  im Jahr 2017 zum Beispiel 1,2 Millionen Pizzen zusätzlich verkaufen können.

„Die digitale Transformation ist für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wir  werden vom klassischen Tiefkühlproduzenten zu einer digital agilen Unternehmung, um letztendlich am Markt weiter zu wachsen“, erklärt Thomas Göbel, Vorsitzender der Geschäftsführung von Nestlé Wagner. „Nur wenn wir alle gemeinsam anpacken, können wir die Chancen, die die Digitalisierung bietet, nutzen und Wettbewerbsvorteile generieren.“

Tina Beuchler, bei Nestlé in Deutschland verantwortlich für die digitale Transformation, sagte zum Abschluss der Veranstaltung: „Mit der Digitalisierung wollen wir die Menschen bei ihrer individuellen Ernährung begleiten. Für ein gutes Leben.“

Einblicke in die digitale Welt  ermöglichten Nestlé-Mitarbeiter beim  Digital Inspiration Day in der Europäischen Akademie in Otzenhausen.
Einblicke in die digitale Welt  ermöglichten Nestlé-Mitarbeiter beim  Digital Inspiration Day in der Europäischen Akademie in Otzenhausen. FOTO: Olga Adams/Nestlé Wagner
Austausch?: Mensch und Roboter im Gespräch.
Austausch?: Mensch und Roboter im Gespräch. FOTO: Olga Adams/Nestlé Wagner
Feine Sache: Essbare filigrane Kunstwerke aus  Lebensmittelteig druckt diese 3D-Maschine.
Feine Sache: Essbare filigrane Kunstwerke aus Lebensmittelteig druckt diese 3D-Maschine. FOTO: Olga Adams/Nestlé Wagner