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Wochenkolumne
Der Höhepunkt ist überschritten

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Hausbälle, Kappensitzungen und Umzüge waren gestern. Heute ist Verzicht angesagt. Doch Achtung: Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht. Dennoch kann aus dem bösen Erwachen am Morgen danach durchaus etwas Gutes erwachsen.

Gott sei Dank. Der Peak Freck ist überschritten. Das ist schön, sagen Sie nun möglicherweise und danken ebenfalls dem Schöpfergott. Doch dann sinnen Sie nach und fragen sich, was das denn eigentlich sein soll, dieser Peak Freck. Gemeint ist – angelehnt an den Begriff „peak oil“ der maximal möglichen Ölförderung – der Punkt der größtmöglichen Freck-Ausbreitung. Denn auch das St. Wendeler Land blieb von der jüngsten Grippewelle nicht verschont. Warum die epidemiemäßig durchs Land raste, ist doch ganz klar: Zu einfach ist das Spiel, das Viren, Bazillen und Bakterien im ansonsten so beschaulichen Nordsaarland um diese Jahreszeit haben – gemeint ist natürlich die fünfte. Die erlebte zwischen Fettem Donnerstag und Fastnachtsdienstag ihren Höhepunkt und fand am Aschermittwoch ein abruptes Ende. Die Wochen davor bestanden gefühlt nur noch aus Bällen, Kappensitzungen, Umzügen und Schwarz-Weißen-Rot-Blauen-Nächten. Auf diesen Veranstaltungen gehört es ja praktisch zum guten Ton, das eine oder andere Gläschen zu leeren. Der Nachteil ist, dass mit dem Alkoholspiegel gemeinhin auch die Attraktivität eines möglichen Fastnachts-Flirts steigt. Was in zweierlei Hinsicht zu einem bitterbösen Erwachen führen kann: Erstens der Schock, wenn am Morgen danach die kräftig aufgespachtelte Schminke im Kopfkissen hängt und der Anblick des gestern noch attraktiven Gegenübers einen spontanen Fluchtreflex auslöst (dumm nur, wenn man den Faasendbooz mit zu sich nach Hause genommen hat). Und zweitens eben die berühmt-berüchtigte Schniefnase. Die hat man sich eingefangen, weil die neue Eroberung gar nicht als Vampir verkleidet war, sondern schlicht und einfach die Freck hatte – mit fiebrig-glänzenden und blutunterlaufenen Augen. Wem das egal war, weil froh, überhaupt eine(n) abbekommen zu haben, der hatte in diesem Jahr richtig Glück. Denn dann war am Aschermittwoch nicht alles vorbei, sondern ging es erst richtig los. Dem Valentinus sei Dank, dessen Ehrentag 2018 mit dem Auftakt der Fastenzeit zusammenfiel. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte das vielleicht ein Fingerzeig des Schicksals sein. Denn Liebe beschenkt einen zwar bekanntermaßen. Liebe bedeutet aber auch Verzicht. Beispielsweise auf den nächsten Fastnachts-Flirt. Das schützt dann wiederum vor der Freck und dem bösen Erwachen am Morgen danach.


(tog)