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Baumaßnahme
Brühlstraße schon wieder eine Baustelle

Vor einem Jahr ist die St. Wendeler Brühlstraße neu eingeweiht worden – jetzt wird wieder gebaut. Zum Ärger der Anwohner und Geschäftsleute.
Vor einem Jahr ist die St. Wendeler Brühlstraße neu eingeweiht worden – jetzt wird wieder gebaut. Zum Ärger der Anwohner und Geschäftsleute. FOTO: Thorsten Grim
St. Wendel. Die Telekom durchkreuzt Pläne der Stadt, die den Anliegern der Wohn- und Einkaufsstraße weitere Beeinträchtigungen ersparen wollte. Von Thorsten Grim

Es rumort in der St. Wendeler Brühlstraße. Das rührt einerseits von den Baumaschinen, die in der Wohn- und Geschäftsstraße seit einigen Wochen wieder im Einsatz sind. Zum anderen ist es genau diese Tatsache, die Anwohner und ansässige Geschäftsleute grummeln lässt. Denn wieder haben Bagger Gräben in den Bürgersteig gegraben, engen Barken sowie Absperrungen den Verkehrsfluss ein und lassen Parkplätze knapp werden. Damit sei genau das eingetreten, was hätte vermieden werden sollen, wie Stadtsprecher Volker Schmidt auf SZ-Nachfrage erklärt.


Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seit St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU) die komplett sanierte Brühlstraße offiziell einweihte. In sechs Monaten Bauzeit war die gesamte Fahrbahn samt Rinne, Gehweg und Parkfläche erneuert worden, waren 160 Meter Abwasserkanal, 260 Meter Wasser- und Telekommunikationsleitungen sowie große Teile der Gasleitung – jeweils inklusive  Hausanschlüsse – neu eingegraben worden. Das Besondere: Die Stadt hatte vor Baubeginn alle Unternehmen, die Versorgungsleitungen in der Brühlstraße liegen haben beziehungsweise möglicherweise gerne welche dort hätten, versucht mit ins Boot zu holen. „Wir hatten im Vorfeld sämtliche Versorger angeschrieben, um zu klären, ob irgendwelche Maßnahmen anstehen oder geplant sind. Wir wollten die Arbeiten koordinieren und gemeinsam umsetzen, damit die Straße nicht ein paar Wochen, nachdem sie fertig ist, wieder aufgerissen wird.“ Das hat auch fast funktioniert. Fast, weil ein Unternehmen aus der Reihe tanzt. Denn auch die Telekom wurde angeschrieben. „Im Januar 2017“, wie Schmidt erklärt. Im Februar sei das Antwortschreiben im Rathaus-Briefkasten gelandet – mit der Erklärung, dass die Telekom dort in absehbarer Zeit nichts plane.

Im April 2017 gingen die Arbeiten los. „Und im September kam ein Bauunternehmen im Auftrag der Telekom auf uns zu und erklärte uns, dass man nun doch eine Baumaßnahme in der Brühlstraße plane. Aber da war es zu spät“, berichtet St. Wendels Stadtsprecher. Der erste Bauabschnitt sei da längst fertig und nur im hinteren Teil noch Arbeiten gewesen. „Wir haben angeboten, dass die Telekom dort anfangen könnte. Aber das wollten sie nicht.“



Die Stadt wiederum wollte nicht, dass die gerade erst zugemachte Baustelle wieder aufgerissen wird und verweigerte zunächst den Aufbruch. „Allerdings ist die Telekom laut Telekommunikationsgesetz auf unsere Genehmigung nicht angewiesen.“ Deshalb sei der Stadtverwaltung letztlich nichts anderes übrig geblieben, als der Baumaßnahme zuzustimmen. „Aber wir haben darauf gedrängt, dass nur Steine im Gehweg herausgerissen werden und nicht die ganze Asphaltdecke wieder aufgerissen wird.“ Wenigstens diesem Anliegen sei die Telekom nachgekommen.

Nun wird also wieder gebaut in der Brühlstraße. Doch anders als bei der Baumaßnahme der Stadt im vergangenen Jahr geht es dieses Mal offensichtlich gemächlicher voran. Oft ist tagelang kein Mensch auf der Baustelle zu sehen. Diesen Eindruck hat auch Daniel Fuchs. Der Fachbereichsleiter Tiefbau der nordsaarländischen Kreisstadt sagt: „Wir haben jetzt ein Schreiben an die Telekom rausgeschickt, weil nichts passiert. Demnächst ist Weihnachtsmarkt, und wir wären sehr froh, wenn die Baumaßnahme bis dahin abgeschlossen wäre.“ Aus Sicht der Stadt „ist das jedenfalls eine unsägliche Situation. Ich kann sehr gut verstehen, dass bei den betroffenen Anwohnern und Geschäftsleuten der Ärger hochkocht“, sagt Schmidt.

Bei der Telekom ist das Verständnis für den Ärger nicht ganz so ausgeprägt. „Die Telekom ist ein bundesweiter Anbieter und wir bekommen zig Tausend Koordinierungsanfragen von Kommunen, die planen, in der Straße A, B, C irgendetwas zu machen.“ Jedoch habe man gar nicht die Planungskapazitäten, um zu sagen, ja, da machen wir mit. Zudem das ja auch eine Frage des für das jeweilige Jahr genehmigten Budgets sei, erklärt Telekom-Sprecher George-Stephen Mc Kinney gegenüber der SZ. Das gelte grundsätzlich.

Konkret in St. Wendel sei es so gewesen, „dass, als die Anfrage von der Stadt kam, wir tatsächlich keine Ausbaupläne für die Brühlstraße hatten“. Gegen Ende 2017 sei man dann aber doch darauf gekommen, dass etwa 800 Haushalte im Stadtbereich an das digitale Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen werden sollen. Nun weist Mc Kinney darauf hin, dass die Stadt nach dem Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze – kurz DigiNetz-Gesetz – verpflichtet gewesen sei, bei ihrer Baumaßnahme Leerrohre in den Untergrund einzubauen. Die hätte die Telekom für ihre Zwecke nutzen können – ohne erneut in die Tiefe graben zu müssen. „Das war in dieser Straße allerdings nicht der Fall“, sagt der Telekom-Sprecher. Es seien keine Leerrohre verlegt worden.

Dem widerspricht Stadt-Sprecher Volker Schmidt: „Wir sind sehr wohl unserem gesetzlichen Auftrag nachgekommen: Die Stadtwerke haben in unserem Auftrag die im Sinne des Gesetzes geforderten Leerrohre verlegt.“

„Wer nun letztlich Schuld daran ist, dass wir jetzt wieder eine Baustelle direkt vor der Tür haben, ist mir eigentlich schnurz“, sagt Astrid Ost vom Reisebüro Estrellitas. „Für uns als Geschäftsleute ist es nicht nachvollziehbar, dass jetzt zum zweiten Mal nacheinander die Brühlstraße kurz vor der Weihnachtszeit eine Baustelle ist.“ Man habe das vergangene Jahr mit vereinten Kräften durchlitten, „und nun hat sich Gott sei Dank alles wieder stabilisiert, da geht es schon wieder los. Und schon wieder in der Vorweihnachtszeit, wo wir Leute in die Straße locken könnten. Das alles ist mehr als ärgerlich.“

Ähnlich verärgert ist Ottmar Keller von der gleichnamigen Metzgerei: „Ich kann nicht verstehen, dass man jetzt nach einem Jahr wieder alles aufreißt, um ein Leerrohr zu verlegen.“ Vor vier Wochen sei die Baustelle eingerichtet und die Absperrung aufgestellt worden. Seit zwei Wochen klaffe wieder ein tiefer Graben vor seinem Geschäft. Seither könne auch niemand mehr vor der Metzgerei parken. „Die Arbeiter, die in den Gräben stehen, könne ja nichts dafür“, sagt Keller, aber irgendwer habe hier ziemlichen Mist gebaut.

Telekom-Sprecher Mc Kinney denkt, dass sein Arbeitgeber das nicht war. Auch die Stadt sieht sich unschuldig. Aber wie auch immer, Ende kommender Woche sollen die Tiefbauarbeiten abgeschlossen werden und Ende des Jahres der Ausbau insgesamt. So ist laut Mc Kinney der aktuelle Planungsstand. „Vielleicht wird es aber auch Mitte Februar.“