Studie der RAG: Viele Bergleute im Saarland sind mit PCB belastet

RAG-Studie : Viele Saar-Bergleute mit PCB belastet

Nach einer RAG-Studie hat fast jeder Zweite, der bis 1986 unter Tage mit Hydraulikölen zu tun hatte, noch heute erhöhte Werte.

Bergleute im Saarland, die vor 1986 mit Hydraulikölen unmittelbar zu tun hatten, können überdurchschnittlich stark mit giftigen polychlorierten Biphenylen (PCB) belastet sein. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bergbaukonzerns RAG, die gestern in Essen vorgestellt wurde. Eine Gefahr für die Gesundheit der Betroffenen bestehe aber nicht, hieß es. „Eine akute Gesundheitsgefährdung gemessen an heute gültigen Richtwerten liegt nicht vor“, sagte Professor Thomas Kraus vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH-Uniklinik in Aachen, das die Studie durchgeführt hatte. Fast die Hälfte der 210 Bergleute, deren Blut für die Studie untersucht worden war, sei stärker mit PCB belastet als der Durchschnitt der Bevölkerung – teilweise um das 20-fache. Ob ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten PCB-Belastung und eventuellen Folgeerkrankungen besteht, soll nun eine Nachfolge-Studie mit mehreren tausend Teilnehmern klären. Aus der vorliegenden Studie lasse sich ein solcher Zusammenhang nicht ableiten, betonte Kraus gestern. PCB gilt in hohen Konzentrationen als krebserregend. Es wurde aus Brandschutzgründen seit Mitte der 60er Jahre bis 1986 in Hydraulikölen unter Tage verwandt.

An der Studie hatten 27 Bergleute aus dem Saarland und 183 aus Nordrhein-Westfalen teilgenommen, wie die RAG der SZ mitteilte. Sie arbeiteten in der fraglichen Zeit als Elektrohauer, Elektrosteiger, Maschinenhauer oder Maschinensteiger. Bei 14 Beschäftigten aus dem Saarland und 82 aus Nordrhein-Westfalen wurden höhere PCB-Belastungen nachgewiesen. Dies entspricht 45,7 Prozent aller untersuchten Bergleute. Nach Angaben von Kraus lasse sich aus den erhöhten Werten ableiten, „dass diese Bergleute zur damaligen Zeit hoch mit den bergbautypischen PCB 28 und 52 belastet waren“. Die Belastung zeige sich zudem unabhängig davon, in welchem Bergwerk die Betroffenen tätig gewesen seien. Ihnen wird jetzt eine medizinische Betreuung angeboten, „um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit auf ein Mindestmaß zu reduzieren“, wie Barbara Schlüter vom RAG-Gesamtbetriebsrat erklärte. Dabei sollen Blutwerte und Organe zielgenau auf Veränderungen untersucht werden, die mit einer PCB-Belastung in Verbindung gebracht werden – wie etwa Hautkrebs oder Diabetes.

Die Beauftragung der Folgestudie, die einen möglichen Zusammenhang zwischen erhöhter PCB-Belastung und Folgeerkrankungen klären soll, ist nach Angaben der RAG bereits beschlossene Sache. Herausforderung sei allerdings, nun auch mehrere tausend freiwillige Teilnehmer zu finden, die im fraglichen Zeitraum mit den PCB-haltigen Hydraulikölen zu tun hatten.

Der Bergbaukonzern hatte die Studie im Jahr 2015 initiiert. Die Gefährlichkeit von PCB für Mensch und Umwelt war allerdings seit Mitte der 80er Jahre bekannt, weshalb es dann auch in Hydraulikölen, Transformatoren oder elektrischen Kondensatoren nicht mehr verwandt wurde. Dazu erklärte ein Sprecher der RAG gestern gegenüber der SZ, dass es bislang keine zuverlässige Untersuchungsmethode gegeben habe. Nach Angaben des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in Aachen galt es, einen Marker für die bergbautypischen PCB-Stoffgruppen 28 und 52 zu finden, da diese selbst nur eine geringe Halbwertzeit haben und nach wenigen Jahren nicht mehr im Blut zu finden seien. „Erstmals wurde 2010 in einer wissenschaftlichen Studie mit PCB 74 ein solcher Marker vorgestellt“, so Professor Thomas Kraus. Dieser Stoff habe eine vergleichsweise lange Halbwertzeit, so dass er heute noch im Blut nachgewiesen werden könne, so der Wissenschaftler.

Einen Einfluss auf die Debatte um PCB im Grubenwasser, die im Saarland wiederholt für Schlagzeilen gesorgt hatte, habe die Studie nicht, sagte RAG-Umweltexperte Joachim Löchte gestern der „Rheinischen Post“. „Das Trinkwasser ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet.“

Das Konzept der Studie war in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeaufsichtsarzt des Saarlandes, Gewerkschaften und mehreren wissenschaftlichen Instituten entwickelt worden.

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