1. Saarland

Streit um Tanzverbot an Feiertagen

Streit um Tanzverbot an Feiertagen

Saarbrücken. Die saarländischen Jugendorganisationen von SPD, Grünen und FDP fordern die Abschaffung des generellen Tanzverbotes an den Osterfeiertagen. "Die Jugend von heute ist nicht mehr so streng an ihre Konfession gebunden, daher halten wir das Gesetz für überflüssig", argumentiert Sebastian Thul von den Jungsozialisten an der Saar

Saarbrücken. Die saarländischen Jugendorganisationen von SPD, Grünen und FDP fordern die Abschaffung des generellen Tanzverbotes an den Osterfeiertagen. "Die Jugend von heute ist nicht mehr so streng an ihre Konfession gebunden, daher halten wir das Gesetz für überflüssig", argumentiert Sebastian Thul von den Jungsozialisten an der Saar. "Wir sind ja lange schon der Meinung, Religion und Staat zu trennen", sagt auch Sebastian Greiber von den Jungen Liberalen Saar. Es müsse genauso zur Religionsfreiheit gehören, dass die, die an diesen Tagen tanzen wollen, es auch dürfen. Ähnlich sieht es Christian Bohr, Landesgeschäftsführer der Grünen Jugend Saar: "Das Gesetz ist überholt und gehört abgeschafft." Roland Theis von der Jungen Union hingegen argumentiert: "Der Feiertagsschutz ist wichtig. Daher sagen wir, dass auch weiterhin Veranstaltungen nicht stattfinden sollen, die das religiöse Empfinden von Christen beeinträchtigen."

Ostern gehört zu den höchsten christlichen Feiertagen im Jahr, die religiöse Bedeutung jedoch gerät besonders bei jungen Menschen mehr und mehr in den Hintergrund. Für viele sind Osterfeiertage arbeitsfreie Tage, die es zu genießen gilt. Doch "abtanzen" in Diskotheken ist tabu, zumindest wenn es nach dem Feiertaggesetz geht. Demnach herrscht von Gründonnerstag, vier Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr, ein generelles Tanzverbot.

"Das Gesetz ist doch nicht mehr zeitgemäß", sagt auch Nico Cutullé, Geschäftsführer des Luxenburger Hofs in Bous. Seine Diskothek bleibt an Karfreitag geschlossen, "vorsichtshalber, wegen des Tanzverbotes". Er würde sich damit an die allgemeine Tendenz unter seinen Kollegen im Land halten. "Man schaut halt auf die Konkurrenz und die meisten haben zu", sagt Cutullé. Sich über das Verbot hinweg zu setzen, würde er sich nicht trauen, schließlich schlafe die Konkurrenz nicht und auf eine saftige Geldstrafe könne er verzichten. An Karsamstag, ab 21 Uhr, darf im Luxenburger Hof wieder getanzt werden, auch wenn das Verbot eigentlich bis 24 Uhr anhält.

Eine saftige Geldstrafe bedeutet 1500 Euro, wie ein Diskothekenbetreiber verrät. Das habe ihn der Spaß gekostet, als seine Disco an Karfreitag kontrolliert wurde. "Die Kirche spendet den Diskothekenbesitzern für ihren Ausfall nichts", erklärt er ironisch.

Nein, Geld von der Kirche gibt es nicht, aber Rainer-Matthias Müller, Schulpfarrer in Saarlouis, hält am Verbot fest. "Die Leute sollen sich daran erinnern, was Ostern und die Kartage bedeuten", sagt Müller. Der Karfreitag ist in der katholischen Kirche ein strenger Fasten- und Abstinenztag.

Auf einen Blick

Der Paragraf 10 des Feiertaggesetzes gilt nach wie vor. Er knüpft an den Artikel 41 der Saarländischen Verfassung an, in dem es heißt: "Der Sonntag und die anerkannten kirchlichen Feiertage sind als Tage der religiösen Erbauung, seelischen Erhebung und Arbeitsruhe anerkannt und gesetzlich geschützt." hth