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Gewerkschaften
Streik legt morgen Kitas und Kliniken im Saarland lahm

FOTO: dpa / Uwe Zucchi
Eltern und Kranke müssen sich morgen im Saarland auf Einschränkungen einstellen. Rund 3000 Beschäftigte beteiligen sich an Streiks und Protesten. Von Iris Neu-Michalik

Saarbrücken/Berlin (SZ/dpa/afp) Warnstreiks dürften morgen im ganzen Saarland kommunale Verwaltungen, öffentliche Kitas und Krankenhäuser sowie Stadtwerke, Jobcenter, die Zollverwaltung und die Bundeswehr lahmlegen. Kurz vor der dritten Tarifrunde für die Beschäftigten der Kommunen und des Bundes wollen die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund DBB damit den Druck auf die Arbeitgeber massiv erhöhen. Sie fordern unter anderem sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro. Im Saarland sind nach Angaben von DBB-Landeschef Ewald Linn rund 30 000 Beschäftigte betroffen, bundesweit etwa 2,3 Millionen. An dem Warnstreik werden sich Schätzungen der Gewerkschaften zufolge hierzulande mindestens 3000 Menschen beteiligen.


Wie Verdi-Bezirksgeschäftsführer Thomas Müller gestern gegenüber der SZ mitteilte, wurden die für morgen geplanten Operationen in den Krankenhäusern der Bundesknappschaft in Sulzbach und Püttlingen abgesagt, im Klinikum auf dem Saarbrücker Winterberg werde „ein Drittel der Kapazität eingeschränkt“. Vom Streik betroffen seien darüber hinaus die SHG-Kliniken in Merzig, Völklingen und auf dem Sonnenberg in Saarbrücken sowie das Kreiskrankenhaus in St. Ingbert. Notfall-Operationen und -Behandlungen seien aber in den Krankenhäusern trotz der Arbeitsniederlegungen möglich. Einschränkungen gebe es für Patienten an diesem Tag allerdings zum Beispiel auch bei der Essens-Auswahl.

Anders als für die Krankenhäuser gibt es Müller zufolge für Kindergärten keine Notfall-Pläne. Die meisten blieben morgen wohl ganz oder teilweise geschlossen. Nach einer Mitteilung der Stadt Saarbrücken ist davon auszugehen, dass alle städtischen Kitas von dem Warnstreik betroffen sein werden. Die Gewerkschaften haben zudem in Saarbrücken zu Demonstrationen aufgerufen. Demnach werden drei Teilnehmer-Züge aus Burbach, der Hohenzollernstraße und vom Gustav-Regler-Platz aus kommend um 12 Uhr zu einer Abschluss-Kundgebung mit Linn und Verdi-Landesleiter Michael Blug auf dem Tblisser Platz erwartet. „Die Arbeitgeber müssen ihre Blockade-Haltung aufgeben und endlich ein Angebot vorlegen“, sagte Müller.



Warnstreiks brachten bereits gestern Teile des deutschen Flugverkehrs zum Erliegen und behinderten den Alltag vieler Menschen. Hunderte Flüge wurden annulliert, auch der Nahverkehr, Kitas, Kliniken, Verwaltungen und Hallenbäder waren vielerorts betroffen. Insgesamt hätten sich mehr als 60 000 Beschäftigte in acht Bundesländern beteiligt, teilte Verdi mit. Angesichts der teils massiven Folgen forderte der CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann gestern Einschnitte beim Streikrecht. Natürlich müssten Streiks wehtun, aber sie müssten verhältnismäßig sein. „Gerade im Bereich der Daseinsvorsorge, wie etwa im Luft- und Bahnverkehr, braucht es in Deutschland ergänzende gesetzliche Verfahrensregeln“, sagte er.