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„Steine an der Grenze“ machen Wellingen bekannt

„Steine an der Grenze“ machen Wellingen bekannt

Die Wellinger haben einen etwas ungewöhnlichen Ort für das Foto zur SZ-Aktion „Unser Ort hat viele Gesichter“ ausgesucht: Direkt am Ortseingang Richtung Wehingen, wo der von Bildhauer Paul Schneider geschaffene Maria-Claudia-Farina-Stein steht. Vor eben jenem Stein gingen die Wellinger in Position, um sich ablichten zu lassen und ihrem Ort den Sieg im Wettbewerb zu sichern.

 Modernes Gotteshaus: die Kirche in Wellingen.
Modernes Gotteshaus: die Kirche in Wellingen.
 Ortsvorsteher Wolfgang Klose
Ortsvorsteher Wolfgang Klose

Ortsvorsteher Wolfgang Klose nahm derweil die Kulisse zum Anlass, von einer der wichtigsten Touristenattraktionen der Region zu erzählen: "Schon am Ortseingang weist ein Schild auf das Internationale Bildhauersymposion hin. Dort steht auf dem alten Grenzweg zwischen Büdingen-Wellingen-Launstroff mit den Steinen an der Grenze eine der meist besuchten Touristen-Attraktionen der Region", ist Klose stolz. "Manche Touristen bleiben gleich ganz in Wellingen, mieten eine komfortable Ferienwohnung, und radeln oder wandern durch das Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg." Übernachtungsmöglichkeiten finden Touristen im Hofgut Hocksfels und im ehemaligen Gasthof. Aber auch über den Ort selbst weiß Klose bestens Bescheid: "Aktuell hat Wellingen 291 Einwohner und ist damit der kleinste Stadtteil von Merzig. Leider hatten wir im vergangenen Jahr viele Sterbefälle und seit 40 Jahren hat sich der Ort nicht mehr ausgedehnt", bedauert Klose. Jetzt gebe es aber mit "Zur Gipsmühle" ein neues Baugebiet, in dem demnächst der Vorausbau beginnen werde. "Hinzu kommt, dass wir der letzte Stadtteil der Kreisstadt sind, dafür halten wir aber engen Kontakt mit den umliegenden Orten wie Wehingen, Betingen, Büdingen und auf französischer Seite Ritzing", erläutert der Ortsvorsteher. Konkret bedeute das, dass sich die Einwohner der Orte bei verschiedenen Festen besuchen. In Wellingen habe sich kein eigenständiges Vereinsleben entwickelt, dafür waren und sind viele Wellinger Bürger Mitglied in den Vereinen, die innerhalb der Pfarrgemeinde, Büdingen, Weiler und Wellingen, entstanden sind, etwa der Musikverein, der Kirchenchor, der Männergesangverein, der Sportverein und das DRK. Selbst die politischen Gruppierungen orientieren sich an der Pfarrgemeinde", erläutert Klose.

Dafür habe sich allerdings in Wellingen eine andere Einrichtung in besonderer Weise entwickelt: die freiwillige Feuerwehr. Klose: "Wer sich in Wellingen engagieren will, sucht als erstes den Kontakt zu der Feuerwehr. Sie prägte eigentlich schon immer das dörfliche Leben." Die Aktivitäten der Feuerwehr dominieren seinen Worten nach das Veranstaltungsprogramm des Dorfes: "Der alljährliche Familienabend eine Woche vor Fastnacht in der ehemaligen Dorfschule, die Mitte der 60er Jahre neu erbaut und nur wenige Jahre als solche genutzt wurde, ist jährlich der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, bei denen die Feuerwehr entweder selbst der Macher ist oder Veranstaltungen, bei denen die Feuerwehr Wellingen nicht wegzudenken ist", nennt der Ortsvorsteher als Beispiel. Weiter nennt er die Teilnahme der Wellinger Feuerwehr beim Fest "Steine an der Grenze" an Maria Himmelfahrt Mitte August, das Viezfest in Merzig und im November den Martinsumzug mit anschließenden Umtrunk.

Ein großer Vorteil des Merziger Stadtteils ist die Nähe zur Autobahn. Man kommt von Wellingen schnell nach Saarbrücken und umgekehrt von Saarbrücken nach Wellingen.

Obwohl die meisten Wellinger, wie der Ortsvorsteher sagt, pendeln und beispielsweise bei V&B, Ford, Saarstahl oder Kohlpharma arbeiten, gibt es auch einige Betriebe direkt vor Ort. "Wir haben zwei Landwirte im Haupterwerb und mehrere nebenberufliche. Hinzu kommen noch ein Verputzer, eine Großwäscherei und natürlich die über die Grenzen Merzigs bekannte Oberwiesenhof-Brennerei, in der man beim Schnapsbrennen zuschauen kann", weiß Klose zu berichten. Auch gebe es vor Ort einen Fachbetrieb für Spezialentsorgung und Recycling von Lebensmitteln. Kritik hat Klose jedoch auch anzubringen. So befänden sich die Landstraßen rund um Wellingen in einem schlechten Zustand, was dadurch verschlimmert werde, dass sich Autofahrer selten an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, wenn sie an dem Ort vorbeifahren. Daher gibt er einen Wunsch der Wellinger weiter: die Sanierung der L 170 und die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit in den Kreuzungsbereichen Flattener Weg und Hocksfelsweg. "Außerdem wäre eine Autobahnauffahrt nach Luxemburg sehr praktisch, momentan muss man Richtung Großherzogtum noch zehn Kilometer Umweg fahren", bemängelt der Ortsvorsteher. Weiter nennt er den Bau einer Wanderhütte im Tal des Kohlenbrucher Baches. Die Arbeiten sollen dort im Juni beginnen. "Ein ganz persönlicher Wunsch von mir: Es wäre schön, wenn wir den Talweg, der von Wellingen nach Weiler führt, wieder öffnen könnten. Der Weg befindet sich momentan in Privatbesitz und ist mit Stacheldraht verbarrikadiert", sagt Klose. Seiner Auffassung nach würde der Weg eine herrliche Wanderroute abgeben, wenn er wieder in den Besitz der Gemeinde übergehen würde.Der Ortsname Wellingens lässt darauf schließen, dass sich hier einst dichter Wald befand - die ältesten überlieferten Formen des Ortsnamens wie "Waltinge" oder "Waeldinga" (1095) deuten darauf hin. Beides stammt wohl von "weald", was soviel wie Wald bedeutet. Reste einer römischen Siedlung im "Bruchfeld" lassen allerdings den Schluss zu, dass der Siedlungsplatz wesentlich älter ist.

Im Jahre 1211 tauchte erstmals ein Ludwig von Wellinge als Zeuge einer Wadgasser Urkunde auf. Der Ortsname in seiner heutigen Form wird dann erstmals 1519 in einer Untertanenliste des deutschen Oberamtes im Herzogtum Lothringen genannt. Vermeldet wurden fünf Einwohner.

Das dunkle Kapitel der Hexenprozesse blieb leider auch in Wellingen nicht aus: So wurde des Meiers Kathrin aus Wellingen 1588 in Merzig das Opfer eines Hexenprozesses. Unter den Zeugen befand sich auch ein Wellinger, der Theiß Hofmann - grausiger Beweis, dass auch hier die Denunziation blühte.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges waren acht Haushaltungen mit vier Steuerpflichtigen für Wellingen registriert. Wenige Jahre später war 1635 Wellingen dann total verödet.

Wiederaufbau ab 1664

1664 unternahmen zwei Mettlacher Hofleute, drei Bauern, eine Witwe, ein Bettler und ein Hirte einen Anlauf, den Ort wieder aufzubauen. Hinzu kamen in den Folgejahren vereinzelte Vertriebene, etwa aus Mailand und Tirol.

Im Jahre 1722 begann der Bau einer Kapelle. Zuvor wurde bereits ein neues Zehnthaus der Alten Abtei Mettlach errichtet, das bis heute in der Lilienstraße 24 erhalten ist und unter Denkmalschutz steht. Bei der Teilung des Kondominiums Merzig-Saargau fiel Wellingen 1778 zusammen mit dem benachbarten Weiler an Lothringen. Als 1811 mit Weiler und der Mairie Büdingen vereinigt wurde, zählte der Ort bereits mehr als 200 Einwohner.

1816 wurde man dann preußisch. Wellingen gehörte ab dann zur Bürgermeisterei Hilbringen im Kreis Merzig. In den Folgejahren entwickelte sich ein recht bescheidener Wohlstand, der die Einwohnerzahlen von 200 auf 249 klettern ließ, weshalb man 1839 erstmals ein Schulhaus errichteten konnte. Und im Jahre 1861 durchbrach man in Wellingen erstmals bei der Einwohnerzahl die 300er-Marke.