Steinbrück zwischen Wiener Würstchen und Fischhappen

Steinbrück zwischen Wiener Würstchen und Fischhappen

St. Wendel. Globus-Chef Thomas Bruch und Sohn Georg standen gestern kurz vor halb zwölf mit weiteren Vertretern aus der Führungsetage des Familienunternehmens in einem Belegschaftsraum des St. Wendeler Stammhauses. Dort warteten sie auf Berliner Polit-Prominenz, den Bundestagsabgeordneten Peer Steinbrück (SPD)

St. Wendel. Globus-Chef Thomas Bruch und Sohn Georg standen gestern kurz vor halb zwölf mit weiteren Vertretern aus der Führungsetage des Familienunternehmens in einem Belegschaftsraum des St. Wendeler Stammhauses. Dort warteten sie auf Berliner Polit-Prominenz, den Bundestagsabgeordneten Peer Steinbrück (SPD). Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident hatte sich über Mittag mit Wahlkampftross angesagt. Darunter Heiko Maas, Spitzenkandidat der saarländischen Sozialdemokraten für die Landtagswahl am 25. März. Und Magnus Jung. Der Kasteler kandidiert abermals für den Landtag. Geplant: einstündiger Besuch samt wenig politischer Aussprache mit Unternehmensleitung und Marsch durch die Abteilungen.Steinbrück ließ sich für die Unterhaltung Zeit. Erfuhr, dass es den Traditionsbetrieb seit 180 Jahren gibt, die sechste Generation am Ruder ist. Vor 50 Jahren die ersten Supermärkte entstanden und mittlerweile 43 Warenhäuser überwiegend im Raum Saarland/Rheinland-Pfalz/Hessen existieren. 15 Geschäfte stehen in Tschechien, fünf in Russland.

12.10 Uhr brachen alle gemeinsam zum Bummel durchs Warenhaus auf. Durch eine Glasschiebetür zum Selbstbedienungsrestaurant marschierten sie geschlossen zwischen den Sitzreihen der proppenvollen Cafeteria. An ungläubig dreinblickenden, kauenden Kunden vorbei. Die einen unwissend, wer da an ihnen vorbeizieht. Die anderen staunend, warum sich hier die Polit-Kolonne mit Herren in dunklen Anzügen ihren Weg bahnt. Maas hielt einige Male inne, um Hände zu schütteln. Steinbrück blieb unbehelligt.

Der Männer-Trupp zog durch die Bekleidungsabteilung. Rastete kurz bei der Damenkonfektion. Strammen Schrittes ging's in Richtung Elektro und Porzellan. Entgegenkommende Kunden schoben hastig ihre Einkaufswagen beiseite. Ein Mitsechziger zu seiner Frau laut und deutlich: "Guck mo, de Steinbrück." Worauf der Abgeordnete auf ihn zuging und auch mal eine Hand drückte.

Wenig später vor den Schmuckvitrinen wurde eine Kundin auf ihn aufmerksam, zückte ihre Kamera. Maas schnappte sich den Apparat, um von ihr und seiner Wahlkampfhilfe ein Bild zu schießen. Schnell erkundigte sich der Spitzenkandidat noch bei der Dame: "Wo muss isch dann drigge?"

Weiter ging's zu den Lebensmitteln. Steinbrück bog plötzlich zu Regalen mit Bordeauxweinen ab, während Maas unbekümmert geradeaus davontrottete.

An der Wursttheke drückte eine Verkäuferin dem nordischen Hünen ein Wiener Würstchen in die Hand, wie sie es bei Kindern tut. Eine weitere Dame fütterte die Gäste mit Salamischeibchen. Wenige Meter danach führten Bruchs die Besucher hinter die Theke zu einer Tür der Metzgerei. Dort mussten sich alle zwecks Hygiene in Plastik hüllen. Mit strammem Haarnetz gingen Steinbrück und Co. in die Fleischerküche. Dort gab's Bockwurst aus dem Garschrank, der beim Öffnen die Besucher mit warmem Wasser brauste.

Zurück in den Laden. Dort wartete ein junger Angestellter der Meerestheke mit Häppchen: aus Fisch mit und ohne Soße. Dies beobachtete ein Propagandist gegenüber an seinem Werbestand für gefüllte Blätterteigröllchen. Eilig nahm er eins ums andere aus einem Ofen, drapierte sie auf einem silbernen Tablett, was er entgegenstreckte. An dem aber die Gruppe in Richtung Kasse vorbeieilte.

Zeitverzug: Kurz vor eins verließen die Besucher wohl genährt das Haus, um in einer schwarzen Limousine zum nächsten Termin zu entschwinden.