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Statt Opern Musicals in Merzig "Ein Verlust für die Kultur"

Statt Opern Musicals in Merzig "Ein Verlust für die Kultur"

Merzig-Wadern. Merzigs Oberbürgermeister Alfons Lauer bedauerte einerseits die Entscheidung des Kultusministeriums, den Landeszuschuss von 25 000 Euro für die aktuelle "Don Giovanni"-Produktion zu streichen

Merzig-Wadern. Merzigs Oberbürgermeister Alfons Lauer bedauerte einerseits die Entscheidung des Kultusministeriums, den Landeszuschuss von 25 000 Euro für die aktuelle "Don Giovanni"-Produktion zu streichen. Es sei von neutraler Stelle vor zwei Jahren festgestellt worden, dass diese aufwendigen Opernproduktionen im Merziger Zeltpalast einer Subvention von 75 000 Euro pro Jahr bedürfen. "Diese haben sich seither die Stadt Merzig, der Kreis und das Land gedrittelt", informiert der Verwaltungschef. Nun habe er Kultusminister Klaus Kessler gebeten, die Entscheidung zur Subventionsstreichung nochmals zu überdenken. Aber Lauer sieht in dem neuen Musical-Konzept von "Musik und Theater Saar" ein neues Zukunftsmodell. Auch das kulturelle Angebot sei dem Wandel unterworfen. "Die von Joachim Arnold nunmehr geplanten Musical-Produktionen mit neuem Zelterlebnis sind eine kluge und vorausschauende Entscheidung", kommentiert Lauer die Pläne. Das neue Angebot bringe noch wesentlich mehr Kulturinteressierte in die Stadt. Damit bleibe nicht nur der Zeltpalast als prominente Spielstätte für Musiktheater erhalten, sondern Merzig werde als Festivalstadt noch an Bedeutung gewinnen, prognostiziert Lauer. Er freue sich darauf, die erfolgreiche Arbeit mit Joachim Arnold nunmehr in einem neuen Genre fortzusetzen.Kreisbeigeordneter Konrad Pitzius bedauert die Minderung des Kulturangebotes. "Es gibt in unserem Kreis ein großes Angebot an Breitenkultur, aber auch Spitzenkultur auf hohem Niveau", sagte Pitzius. Er bedauere sehr, wenn dieser Bereich nun Sparmaßnahmen zum Opfer falle. "Ich hoffe, es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen", sagt der Kreisbeigeordnete. Man müsse nun mit den Verantwortlichen reden, um eine Finanzierung sicherzustellen. Auch ein Engagement potenzieller Investoren zum Erhalt des Opernbetriebes schließt Pitzius nicht aus.

Peter Klein, Geschäftsführer der Dreiländer-Touristik, hätte ebenfalls gerne den Fortbestand der Oper in Merzig gesehen. "Aus touristischer Sicht bedaure ich das Ende der Oper im Zeltpalast." Mit seiner künstlerischen Qualität habe dieses Kultursegment stets überregionale Strahlkraft gehabt und viele Gäste in die Region geholt. Er erwarte aber auch von den Musical-Produktionen ab 2012 eine große touristische Nachfrage. "Wir werden das neue Projekt jedenfalls nach Kräften unterstützen", so Klein

"Nach unserer Einschätzung handelt es sich um eine Neuausrichtung des Produzenten sowohl im musikalischen Stil als auch im Konzept", sagt Frank Jakobs, Vorstandvorsitzender der Sparkasse Merzig-Wadern, eine der Hauptsponsoren. Es führe zu dem begrüßenswerten Ziel, auch ohne Subventionen wirtschaftlich erfolgreich ein attraktives Kulturangebot für unsere Region anzubieten. Die dabei für 2012 vorgesehene Musical-Produktion "Hairspray" erscheint dem Sparkassenchef hochinteressant. "Wir können uns gut vorstellen, bei einem überzeugenden Gesamtkonzept auch künftig Sponsoringpartner im Wege dieser Neuausrichtung zu sein", betonen Direktor Jakobs und Marketingleiter Peter Adam. Merzig-Wadern. Manfred Klein, OB-Kandidat der Merziger CDU, zeigt sich alles andere als erfreut über die unternehmerische Entscheidung, aus dem Operngeschäft auszusteigen. "Es ist schade, wenn für Merzig ein wichtiger kultureller Mosaikstein verloren geht", bedauert Klein. Die Opern im Zeltpalast hätten weit über die Grenzen der Region Wirkung gezeigt. Einerseits sehe Zeltchef Arnold seinen Entschluss als Teil eines Entwicklungsprozesses, andererseits seien Fördergelder für kulturelle Maßnahmen unabdingbar. "Es geht offensichtlich nicht nur um die Streichung der 25 000 Euro", meint Klein. Wenn es so wäre, könnte man gemeinsam "lospoltern". Kultur sei nun einmal nicht kostendeckend und müsse bezuschusst werden. "Die Stadt Merzig subventioniert den Zeltpalast mit rund 60 000 Euro, das ist völlig in Ordnung", betont Klein. Dem SZ-Bericht vom Mittwoch könne er entnehmen, dass die Zeit für das Unternehmen "Musik und Theater Saar" reif sei, den Opernbetrieb einzustellen.

"Wir bedauern sehr Arnolds Entscheidung, ab nächstem Jahr keine Opern mehr im Zeltpalast aufzuführen", kommentiert Patrick Maurer, FDP-Vorsitzender und Kandidat für das OB-Amt, die Entscheidung von "Musik und Theater Saar". Den Entschluss müsse man respektieren. Schließlich habe dieses Segment seit Jahren dem Unternehmen ein strukturelles Defizit bereitet.

Gleichwohl werde der Kulturstandort Merzig an Bedeutung verlieren. Eine Oper im Zelt spreche nun mal ein anderes Publikum an als Musicals und andere Darbietungen und sei in der Vergangenheit eine willkommene Abwechslung gewesen. Bedauerlich sei, dass das abrupte Ende der Opern in Merzig nun von einer Streichung des Landeszuschusses von 25 000 Euro zum jetzigen Zeitpunkt eingeleitet werde. "Ich halte es für einen großen Fehler, auf diesem Feld zu sparen", meinte Maurer. Die Kultur-Interessierten müssten einen derben Verlust verkraften.

Für Markus Rausch, SPD-Kandidat für die Landratswahl, ist es wichtig, dass die kulturelle Grundversorgung in vollem Umfang erhalten bleibt. Man sollte den Opernbetrieb nicht von 25 000 Euro abhängig machen, fordert Rausch. Aus unternehmerischer Sicht müsse man konstatieren, dass die Zuverlässigkeit der Landesregierung zu wünschen übrig ließe. Schließlich habe Zeltbetreiber Joachim Arnold mit diesen Zuschüssen, die in der Vergangenheit gegeben wurden, bei seiner Kalkulation rechnen müssen. Insgesamt sei es die Basis für das Grundkonzept des Unternehmens "Musik und Theater Saar" gewesen, den Kulturbetrieb in Merzig und der Region gemeinsam mit Stadt und Kreis zu entwickeln. "Deshalb halte ich die kurzfristige Streichung des Zuschusses für zweifelhaft", sagt Rausch. "Man sollte seitens der Landesregierung prüfen, ob man das Merziger Projekt in irgendeiner Weise unterstützen kann", lautet seine Forderung.

Die Entscheidung des Unternehmens, weiterhin in Merzig hochwertige kulturelle Angebote vorzuhalten, begrüßt der Landrats-Kandidat der Sozialdemokraten. owa