1. Saarland

Standortgarantie dank ländlichem Raum?

Standortgarantie dank ländlichem Raum?

Schulordnungsgesetzt Gemeinschaftsschule Kreis St. Wendel Nonnweiler Namborn-Oberthal

St. Wendel. Hohe Wellen schlugen im Oktober vergangenen Jahres die Pläne des damaligen Bildungsministers Klaus Kessler (Grüne) zur Zukunft der weiterführenden Schulen. Sein Entwurf des Schulordnungsgesetzes sah vor, die Erweiterte Realschule Primstal nicht in eine Gemeinschaftsschule umzuwandeln, sondern auslaufen zu lassen. Das führte zu vehementen Protesten in der Region. Erst mit dem Ende der Jamaika-Koalition Anfang des Jahres erledigten sich die Schließungspläne quasi von selbst, weil die Gesetzesänderung erst gar nicht beschlossen wurde.Dies holte aber die neue Landesregierung aus CDU und SPD nach. Nach dem vom Landtag verabschiedeten Schulordnungsgesetz sind alle Erweiterten Real- und Gesamtschulen im Land in Gemeinschaftsschulen überführt worden. Seitdem ist es ruhig geworden.

Drei Schulen unter der Vorgabe

Das kann sich aber spätestens in zwei Jahren wieder ändern. Denn zum Schuljahr 2014/2015 müssen die Gesetzeskriterien für einen geordneten Schulbetrieb erfüllt werden. Und die besagen, dass die Schulen in den Klassenstufen fünf bis neun mindestens 220 Schüler haben müssen. Um diese Zahlen zu erreichen, müssen die Gemeinschaftsschulen St. Wendel, Namborn-Oberthal und Nonnweiler kräftig zulegen. In St. Wendel werden zurzeit 236 Schüler unterrichtet, in Namborn-Oberthal 181 und in Nonnweiler 156, so die Daten des Landkreises. Mit eingerechnet sind da noch die Zehnerklassen.

Im aktuellen Schuljahr sind in der Gemeinschaftsschule St. Wendel 42 Kinder in fünften Klassen eingeschult worden (fünf weniger als 2011/2012). In Namborn-Oberthal sind es gerade Mal 17, ebenfalls fünf weniger als im vorangegangenen Schuljahr. Die Ringwallschule in Nonnweiler hingegen hat die Zahl der Schüler in den Eingangsklassen auf 36 mehr als verdoppelt. 2011/2012 waren es hier nur 17 Fünftklässler. Nun bedeutet ein Unterschreiten der Mindestzahl von 220 Schülern nicht automatisch das Ende der weiterführenden Schule. Im Gesetz heißt es, dass Schulen ausnahmsweise fortgeführt werden können, wenn "wichtige pädagogische, organisatorische, siedlungs- und wirtschaftsstrukturelle Gründe" gegen eine Schließung oder Zusammenlegung sprechen.

Auf Nachfrage teilt dazu Jürgen Renner, Pressesprecher des SPD-geführten Bildungsministeriums mit: "Sollte eine Unterschreitung der Schülerzahlen im Raum stehen, können die Schulträger im Rahmen ihrer Schulentwicklungsplanung und bei der Herstellung des Einvernehmens Gründe geltend machen, die eine Sicherung des Schulstandortes erforderlich machen. Aus pädagogischer Sicht könnten dies zum Beispiel Schulen in sozial benachteiligten Quartieren oder bei den siedlungsstrukturellen Gründen die Entfernung zum nächstgelegenen gleichartigen Bildungsangebot sein, beziehungsweise die Sicherstellung des schulischen Angebotes im ländlichen Raum."

Ziel sei es, dass das Land als Schulaufsichtsbehörde mit dem Landkreis als Schulträger einvernehmliche Lösungen finde. Diese Form der Zusammenarbeit sei im Gesetz auf eine neue Grundlage gestellt worden, teilt Renner auf SZ-Anfrage mit: "Damit erhalten die Schulträger größere Spielräume bei der Schulentwicklungsplanung, als dies bisher der Fall war."

Klar ist aber auch im Gesetz geregelt, dass in dem Fall, in dem es kein Einvernehmen gibt, der Landkreis dem Land die Mehrkosten für das Lehrpersonal bezahlen muss. Wörtlich heißt es im Gesetz: "Hierfür erfolgt ein pauschaler Ausgleich von 15 Prozent der Personalkosten." Diese Kostenübernahme hatte Landrat Udo Recktenwald (CDU) schon bei der Diskussion um die Zukunft der Primstaler Schule im Herbst vergangenen Jahres aus grundsätzlichen Erwägungen heraus abgelehnt.

Hintergrund

Fast eine Million Euro hat der Landkreis St. Wendel in diesem Sommer in die weiterführenden Schulen des St. Wendeler Landes investiert. Ein Überblick: Gesamtschule Marpingen: Umbau Mädchentoiletten, Mensabereich: 140 000 Euro, Sozial-pflegerisches Berufsbildungszentrum St. Wendel: Fassadensanierung: 170 000 Euro, Erweiterte Realschule St. Wendel: EDV-Netzwerk: 30 000 Euro, Gesamtschule Türkismühle: Sanierung Umkleiden, Duschen: 150 000 Euro, EDV-Vernetzung: 25 000 Euro, Brandschutz: 60 000 Euro, Erweiterte Realschule Theley: Sanierung Lehrertoiletten: 26 000 Euro, Gymnasium Wendalinum: EDV-Vernetzung: 9500 Euro, Umbau Umkleiden: 65 000 Euro, Erweiterte Realschule Freisen: Außenanlagen: 130 000 Euro, WC-Anlage: 45 000 Euro, Bauunterhaltung an 14 Schulen und weiteren Gebäuden: 140 000 Euro. vf

Auf einen Blick

Im St. Wendeler Land stehen zwei Gymnasien und sechs Gemeinschaftsschulen in Trägerschaft des Landkreises. Hinzu kommen das Arnold-Janssen-Gymnasium in St. Wendel, das sich in kirchlicher Trägerschaft befindet, und die freie Waldorfschule Saar-Hunsrück in Walhausen. Bei den Gymnasien und den Schulen in Türkismühle und Marpingen sind bei den Gesamtschülerzahlen die Klassenstufen fünf bis zwölf, beziehungsweise 13, erfasst, bei den anderen von fünf bis zehn. Die Gesamtschülerzahlen und die aktuelle Zahl der Fünftklässler im Überblick:

Gemeinschaftsschule/Erweiterte Realschule (ERS) St. Wendel: 236 Schüler, 42 Fünftklässler.

Gemeinschaftsschule/ERS Freisen: 672 Schüler, 122 Fünftklässler.

Gemeinschaftsschule/ERS Schaumberg Theley: 570 Schüler, 97 Fünftklässler.

Gemeinschaftsschule/ERS Namborn-Oberthal: 181 Schüler, 17 Fünftklässler.

Gemeinschaftsschule/ERS Nonnweiler: 156 Schüler, 36 Fünftklässler.

Gemeinschaftsschule/Gesamtschule (GS) Marpingen: 1056 Schüler, 117 Fünftklässler.

Gemeinschaftsschule/GS Türkismühle: 1039 Schüler, 149 Fünftklässler.

Cusanus-Gymnasium St. Wendel: 628 Schüler, 77 Fünftklässler.

 Die Gemeinschaftsschule Nonnweiler-Primstal hat mit derzeit 156 Schülern die schlechtesten Karten im Kreis St. Wendel. Foto: B & K
Die Gemeinschaftsschule Nonnweiler-Primstal hat mit derzeit 156 Schülern die schlechtesten Karten im Kreis St. Wendel. Foto: B & K

Gymnasium Wendalinum: 724 Schüler, 90 Fünftklässler. vf