Zwischen Hoffnung, Sorge und Angst

St. Wendel. "Sie ist eine Heilige der Neuzeit. Bis 1922 war sie Jüdin, trat dann zum katholischen Glauben über, war danach Lehrerin und Ordensschwester, wurde deportiert, kam 1942 im Konzentrationslager um und wurde 1998 heiliggesprochen." Die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes St

St. Wendel. "Sie ist eine Heilige der Neuzeit. Bis 1922 war sie Jüdin, trat dann zum katholischen Glauben über, war danach Lehrerin und Ordensschwester, wurde deportiert, kam 1942 im Konzentrationslager um und wurde 1998 heiliggesprochen." Die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes St. Wendel, Marianne Recktenwald, sprach bei der Begrüßung der rund 100 Gäste, die zum Namenstagsfest in das Cusanushaus gekommen waren, von Edith Stein, die im Jahre 1891 in Breslau zur Welt kam. Über sie wurden anschließend zwei Szenen gespielt. Eine Szene reichte in das Jahr 1906 zurück, eine in das Jahr 1942.Als 15-jähriges quirliges, lebensfrohes und optimistisches Mädchen (gespielt von Barbara Sauerwald) kehrte Edith im ersten Akt nach einem längeren Aufenthalt in Hamburg zu ihren Angehörigen nach Breslau zurück. Die große Familie saß gerade feiernd am Tisch und wartete gespannt auf ihre Ankunft. Die Wiedersehensfreude wurde jedoch bald durch eine schockierende Mitteilung getrübt: Edith hatte dem jüdischen Glauben abgeschworen und bezeichnete sich als Atheistin. Ihre strenggläubige Mutter (Maria Funk) war fassungslos. Edith störte das nicht sehr. Sie wollte nur eines: hinaus ins Leben, studieren und endlich ihren Wissensdurst stillen.

Christine Hoff, die Regie führte, leitete mit einem Text zum zweiten Akt über. Edith Stein studierte, stand im Schuldienst und beschäftigte sich mit hohen Wissenschaften. Bis sie eines Nachts ein Buch von der Karmeliterin Theresa von Avila las und sich morgens sagte: "Das ist es." Sie wurde katholisch, trat 1933 in den Karmeliterorden in Köln ein und nahm den Namen Schwester Benedicta vom Kreuz an. 1938 floh sie ins Kloster Echt nach Holland. Dort, so ihre Annahme, sei sie als Jüdin von der Verfolgung der Nazis sicher. An dieser Stelle setzte die zweite Szene ein.

Es war im Sommer 1942. Schwester Benedicta (jetzt von Ursula Fried gespielt) erhielt Besuch von drei Frauen des Deutschen Frauenbundes: Dr. Cosack, Dr. Krabbel und Dr. Weber. Dieser geschichtlich nachgewiesene Besuch erfolgte zehn Tage, bevor Edith Stein von den Nazis deportiert und später umgebracht wurde. Die Gespräche der Frauen schwankten zwischen Hoffnung und Sorge, zwischen Zuversicht und Angst, was die Zukunft bringen werde. Auch Rosa war ihrer Schwester Edith nach Echt gefolgt. "Wir hoffen, dass wir hier einigermaßen sicher sind", meinte Schwester Benedicta. Die Idee, nach Südamerika zu fliehen, ließen die beiden Geschwister fallen. "Ich vertraue auf Gott", sagte die Ordensschwester Benedicta gegen Ende der zweiten Szene. Das Stück zeigte den Mut einer Frau, zwei Wege zu gehen: den Weg, den sie sich selbst ausgesucht hatte, und den Weg, den ihr Gott zugedacht hatte. gtr

Auf einen Blick

Die Darsteller: Barbara Sauerwald und Ursula Fried (Edith Stein), Maria Funk (Ediths Mutter), Anne Kessler (Ediths Schwester Rosa), Ernst Thiel (Ediths Bruder Arno), Anita Finkler (Ediths Bruder Paul), Ilona Cwalinski (Ediths Schwester Erna), Angela Hartmann (Ediths Schwester Frieda), Peter Bick (Ediths Kusin Richard), Carmen Loch (Frau Dr. Cosack), Katharina Günther (Frau Dr. Krabbel), Hiltrud Stein (Frau Dr. Weber). Drehbuch: Angela Hartmann und Gisela Hoffmann. Kostüme: Liesl Gerber. Bühnenbild: Ernst Thiel. Regie: Christine Hoff. gtr

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