Zum Auftakt ertönte die "italienische Sinfonie"

St. Wendel. Aus allen Nähten platzte die Missionshauskirche, als der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerchor zu einem "Italienischen Abend" mit Werken von Mendelssohn und Puccini eingeladen hatte. Die Konzertbesucher stimmten sich vor der Kirche am Stand des St

St. Wendel. Aus allen Nähten platzte die Missionshauskirche, als der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerchor zu einem "Italienischen Abend" mit Werken von Mendelssohn und Puccini eingeladen hatte. Die Konzertbesucher stimmten sich vor der Kirche am Stand des St. Wendeler Weinlokals "Magdalenenkapelle" mit Wein aus der Geburtsregion Puccinis, der Toskana, auf das Konzert ein. Eingeladen hatte der Chor die Solisten Thomas Ströckens und Vinzenz Haab und als Orchester Musiker der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern. Eröffnet wurde das Konzert mit Mendelssohns Sinfonie Nummer vier, die heute als die "Italienische" bekannt ist. Wenngleich Mendelssohn die Bezeichnung "italienische Sinfonie" nur in Briefen verwendete, so ist sie mit ihren Melodien und ihrem Temperament ein Abbild der italienischen Kultur, wie Mendelssohn sie als junger Mann auf einer großen Italienreise kennen lernte. Die beiden Rahmensätze, insbesondere der Finalsatz, verlangen dem Orchester sehr viel ab. Dank der vollbesetzten Kirche waren sie trotz der vorgeschriebenen hohen Tempi gut durchzuhören. Aber die Raumwirkung kam vor allem dem langsamen zweiten Satz zugute, der einen sehr starken Eindruck hinterließ. Nach der Sinfonie musizierte der Chor zusammen mit dem Orchester Puccinis "Messa di Gloria". Die Interpreten folgten dabei nicht der liturgischen Reihenfolge, sondern lösten das Gloria aus dem Ordinarium heraus und setzten es als musikalischen Höhepunkt des Werkes folgerichtig an den Schluss. So erklangen vor der Pause Kyrie und Credo und nach der Pause die Sätze Sanctus/Benedictus, Agnus sowie das fulminante Gloria.Feinste Nuancen hören Der Dirigent Harald Bleimehl verstand es immer wieder, die groß angelegte Partitur für die Zuhörer durchsichtig zu gestalten und Puccinis noch so feinste Nuancen mit den beiden Klangkörpern für das Publikum durchhörbar darzubieten. Gerade bei den häufig vorkommenden Ritardandi folgte der Chor dem ausgefeilten Dirigat des Leiters sehr aufmerksam und flexibel. Schon bei den ersten Takten des Kyrie sprang der spannungsvolle Funke von den Interpreten auf das Publikum über. Harald Bleimehl bewies wieder einmal, wie man mit einem gut vorbereiteten Chor "spielen" und alle Facetten eines solch schillernden Werkes zum Funkeln bringen kann. Kraftvollen Fortepassagen wurde der Chor ebenso gerecht wie den lyrischen Pianissimostellen. Besonders zu erwähnen ist zweifelsohne das "Et incarnatus" im Credo, das der Chor mit sparsamer Orchesterbegleitung beziehungsweise a cappella zusammen mit dem Tenor Thomas Ströckens zu Gehör brachte. Ströckens vermittelte mit seinen Partien das, was italienische Oper ausmacht, was die Zuhörer an der italienischen Seele packte. Puccinis Liebe und musikalische Verwandtschaft zu Verdi war unüberhörbar. Der Name Ströckens, der bisher im Saarland noch recht selten zu hören war, wird wohl in Zukunft auch hier zu Lande ein Begriff sein. Seine Gestaltung der Tenorpartien kann gerade für dieses Werk richtungsweisend angesehen werden. Der Bassist Vinzenz Haab sang seine Partien in gewohnter Souveränität. Er war schon öfter musikalischer Partner des SLLC und wird es in Zukunft auch bleiben. Für ihn, den Saarländer, war es ein Heimspiel. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus bei allen Akteuren für einen gelungenen "Italienischen Abend".