WND Jazz in St. Wendel startet am Freitag mit Konzert und Kunstausstellung

Kostenpflichtiger Inhalt: Kunstausstellung inklusive : Mit echten Tickets und eigenem Charakter

Am kommenden Samstag beginnt das 29. Internationale St. Wendeler Jazz-Festival mit einem Prolog-Konzert im Kurhaus Harschberg. Richtig rund geht es dann am darauffolgenden Wochenende.

Ein explodierender Beutel mit eingefärbtem Maismehl? Der musikalische Urknall? Oder vielleicht die aufgepufften Borsten eines Pinsels? „Aus dem Motiv kann jeder das rauslesen, was er will“, erklärt Ernst Urmetzer, Vorsitzender des St. Wendeler Jazz-Förderkreises (JFK). Das Motiv, das die Plakate und Flyer ziert, die das 29. Internationale Jazz-Festival in St. Wendel ankündigen, hat ein Grafiker am Computer generiert. Beziehungsweise die Motive – Mehrzahl. Denn die aufplatzende Wolke – oder was auch immer darin gesehen wird – gibt es in verschiedenen Ausprägungen und Farben. „Die Bandbreite der Variationsmöglichkeiten ist riesig – und immer anders.“

Das könnte man durchaus auch vom Jazz sagen – und ebenso vom Internationalen St. Wendeler Jazz-Festival. Dessen thematischer Hauptfokus liegt dieses Mal auf der iberische Halbinsel. „Spanische Jazz-Musiker sind in Deutschland und im Saarland noch weitgehend unbekannt“, erklärt JFK-Chef Urmetzer bei der offiziellen Programm-Vorstellung im St. Wendeler Rathaus. Dennoch – oder eben gerade deswegen – dürfen sich die saarländischen Jazz-Freunde auf erstklassige Unterhaltung freuen. „Mit den Trios NES und Daniel Garcia werden zwei international sehr beachtete Projekte in St. Wendel gastieren.“

Wenn am kommenden Samstag, 14. September, mit dem Prologkonzert im Kurhaus Harschberger Hof das Festival startet, wird dieses seine 29. Auflage erleben. Damit ist es das langlebigste im Saarland „und absolut positiv für die Stadtentwicklung“, sagt Peter Klär (CDU). Für den Bürgermeister der nordsaarländischen Kreisstadt, Mitveranstalter und größter Unterstützer des Events, ist das Musik-Fest wichtig, „denn es zeigt, das wir nicht nur Sport, sondern auch Kultur können“. „Spitzenkultur“, wie der Rathaus-Chef unterstreicht. „die – ich will nicht übertreiben – auf diesem Niveau im Saarland unerreicht ist“.

Unerreicht sei auch der Hätschel-Faktor, mit dem die Künstler in St. Wendel verwöhnt werden. „Unser Orga-Team hat zwölf Mitglieder“, berichtet Urmetzer, „und isgesamt werden wir rund 30 Helfer im Einsatz haben – selbst alles Musiker.“ Genau das mache „das besondere Feeling in St. Wendel“ aus: Dass man genau wisse, was die Künstler wollen und brauchen. „Ohne das Team und die vielen Helfer wäre solch eine Veranstaltung gar nicht zu stemmen. Wenn wir alles einkaufen müssten, was unsere Leute ehrenamtlich leisten, könnten wir das Festival nicht bezahlen.“ Selbstgemacht sind auch Ton- und Bühnentechnik. Das hat laut Urmetzer zwei Vorteile: Erstens spare man Geld, weil man keine Firma engagieren muss. „Und zweitens können wir unsere Philosophie von Tontechnik eins zu eins umsetzen“, sagt Bernhard Wasmund, der das Kurhaus Harschberg betreut und darüber hinaus für die Beschallung beim Festival verantwortlich zeichnet. „Musik in so guter Qualität sollte auch mit einer entsprechenden Tontechnik wiedergegeben werden.“ Dabei sei „Mehr“ beileibe nicht immer mehr. Gerade bei Jazz müsse man sehr dosiert und gefühlvoll an die Sache gehen.

Eine Besonderheit stelle auch die Tatsache dar, „dass es bei uns noch richtige Tickets mit Motiv gibt. Heute werden die meisten Tickets ja einfach online ausgedruckt – ohne eigenen Charakter.“

Das Publikum bei den Internationalen Jazz-Tagen in St. Wendel kommt laut Urmetzer aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Frankreich und Luxemburg. Das Haupteinzugsgebiet liegt demnach im 200 Kilomter-Radius rund um die Basilika. Aber auch von weiter her kommen Jazz-Liebhaber ins Saarland, wie Urmetzer berichtet. Das sei durchaus gewinnbringend für das Nordsaarland. „Ein Ehepaar aus Bonn beispielsweise kommt seit Jahren zum Festival – immer einen oder zwei Tage.“ Übernachten, essen, trinken, vielleicht noch ein Mitbringsel für zuhause – dafür lassen sie ihr Geld hier. „Dieses Mal bleiben sie drei Tage, weil sie das Programm so toll finden.“ Das wiederum finden St. Wendels Bürgermeister Klär und Urmetzer gut.

Nicht so gut findet der Godfather of Jazz, dass „wir Besucher aus der gesamten Großregion haben. Aber die St. Wendeler verspüren in der großen Masse noch immer Berührungsängste, sobald der Begriff  Jazz auftaucht. Ich überlege schon fast 30 Jahre, ob wir dem Kind nicht einen anderen Namen geben könnten – aber es ist nunmal Jazz“. Dabei sei gerade das diesjährige Programm „sehr gut verdaubar. Es ist keine Kopfmusik, sondern wunderschöne Musik, Weltmusik im besten Sinne“.

Das Festivals startet, wie oben beschrieben, mit dem Prolog im Kurhaus am 14. September. Ab 20 Uhr gehört die Bühne Masaa. das ist ein vielfach preisgekröntes Projekt des libanesischen Sängers Rabih Lahoud. „Tiefempfundene arabische Verse und zeitgenössicher Jazz verweben sich“, heißt es dazu im Programmheft. Vor dem Konzert wird übrigens die Bilder-Ausstellung „. . . bis tief in die Nacht“ des Koblenzer Fotografen Peter Meurer eröffnet.

Eine Woche darauf – am Samstag, 22.September – geht es dann um 20 Uhr im Saalbau weiter mit NES und dem Daniel Garcia Trio. Am Samstag (ab 20 Uhr) spielen Marialy Pacheco & Rhani Krija sowie das Vincent Peirani Quintett. Der Sonntag beginnt mit der inzwischen schon traditionellen Veranstaltung „Jazz for Kids“ – dieses Mal mit Alexandra Lehmler & Band. Um 18 Uhr betritt das David Helbock Trio die Bühne im Saalbau. SOMI & Band obliegt es dann, das 29. Internationale Jazz-Festival zu beschließen.

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