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St. Wendeler Missionshaus: Wie geht’s weiter auf dem Heiligen Berg?

St. Wendeler Missionshaus : Wie geht’s weiter auf dem Heiligen Berg?

In zwei Jahren endet der Schulbetrieb am Arnold-Janssen-Gymnasium. Wandert dann die St. Wendeler Grundschule ins Missionshaus?

„Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben.“ Die Passage stammt aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Und irgendwie passen die Zeilen zum St. Wendeler Missionshaus. Oder besser gesagt zum Arnold Janssen Gymnasium (AJG). Die einstmals hoch angesehene Schule ist ein Auslaufmodell. Das Internat wurde schon vor vielen Jahren dicht gemacht. 2020 endet auch der Unterricht. Was bei nicht wenigen Menschen im St. Wendeler Land – egal ob ehemalige Schüler oder nicht – Wehmut aufkommen lässt, bei manchem gar Trauer.

Ideen, was denn alles auf den „Heiligen Berg“ kommen könnte, sprossen in der Vergangenheit reichlich. Vom Bundespolizei-Standort bis zum Ausbildungszentrum eines Fußball-Bundesligisten reichte die Angebotspalette. Nichts davon war letztlich realistisch. Und nichts davon von den Steylern Ordensbrüdern gewollt. Aber gestaunt, wer denn alles – gebeten oder ungebeten – Vorschläge zur weiteren Nutzung aus dem Hut zauberte, habe er schon, berichtet Pater Fabian Conrad, Leiter des AJG.

Zwei neue Ideen kommen jetzt vom Netzwerk St. Wendeler Land. Beziehungsweise von Studenten eines interdisziplinären Studiengangs der Pforzheimer Hochschule. Deren Professor heißt Richard Linxweiler. Der Dozent stattete kürzlich gemeinsam mit Josef Alles, Netzwerk-Sprecher und früherer Sparkassen-Direktor, der St. Wendeler SZ-Lokalredaktion einen Besuch ab. Im Gepäck hatten die Netzwerker zwei Konzepte, wie es mit den Unterrichtsräumen des Missionshauses nach dem Auslaufen des Gymnasiums in zwei Jahren weitergehen könnte. Ein Konzept, das Linxweilers Studenten erarbeitet haben, nennt sich 4i-Semester. 4i steht dabei für innovativ, international, interdisziplinär und implementär. Es fußt unter anderem auf der Forderung des französischen Präsidenten Emanule Macron, dass mindestens die Hälfte einer Altersgruppe bis zu ihrem 25. Lebensjahr mindestens sechs Monate im europäischen Ausland verbracht haben soll. Die Idee der Pirmasenser Studierenden: Dort, wo heute noch Gymnasiasten fit fürs Abitur gemacht werden, könnte ein hochschulgebundenes Institut eingerichtet werden, an das Universitäten und Hochschulen aus der Großregion – einschließlich der in Wallonien, Luxemburg und Lothringen – ihre Austauschstudenten schicken. Die könnten dort jeweils ein Semester lang disziplinübergreifend und praxisnah forschen und studieren. Am Ende gibt es die begehrten Credits fürs Studium.

Die zweite Idee greift eine Forderung von Professor Michael Backes auf, der derzeit im Saarbrücker Stadtwald das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit aufbaut. Wenn es 2026 fertig gestellt ist, sollen in der Einrichtung von Weltrang rund 800 Wissenschaftler aus aller Herren Länder forschen und arbeiten. „Aber wo sollen die Kinder der internationalen Wissenschaftler in die Kita oder zur Schule gehen?“, fragt Netzwerksprecher Alles. Seine Antwort: Auf die internationale Schule, die im ehemaligen AJG eine Heimat finden könnte.

Pater Fabian Conrad, Leiter des AJG, ist von beiden Konzepten nicht überzeugt. „Das sind Sachen, die von außen an uns herangetragen werden.“ Sozusagen unaufgefordert. „Diese Konzepte sind in meinen Augen lediglich Studienprojekte, die Ideen aufzeigen, was man machen könnte.“ Die Betonung liegt auf könnte – Konjunktiv. „Aber da ist letztlich nichts dahinter.“ Zumal bei beiden Projekten der wirtschaftliche Aspekt – Unternehmen kooperieren mit den Einrichtungen, Studierende kurbeln die Wirtschaft an, bringen Kaufkraft, Reputation – stark hineinspiele. „Und das interessiert uns überhaupt nicht. Es geht ja nicht darum, mit einer Schule Geld zu verdienen“, betont der AJG-Leiter und spricht damit für den Orden.

Tapfer und ohne Trauer in eine neue Bindung möchte Pater Conrad seine bald abgewickelte Schule aber schon geben. Den Partner dafür sieht er im St. Wendeler Rathaus. Dort sitzt Bürgermeister Peter Klär (CDU) auf dem Chefsessel. Auch dieser hat eine Idee für das Missionshaus – und die gefällt auch Pater Conrad.

Klär führt in seinen Plan ein: „Wir suchen ja eine Nutzungsalternative für die Nikolaus-Obertreis-Schule.“ An der St. Wendeler Grundschule mit ihren rund 370 Schülern gibt es einen stattlichen Investitionsstau und ein begrenztes Raumangebot – gerade auch hinsichtlich der Ganztagsbetreuung. „Daher steht als Auftrag in unserem Stadtentwicklungskonzept,  einen alternativen Standort für die Grundschule und eine alternative Nutzung für die jetzigen Schulgebäude in der Innenstadt zu suchen.“ Und die Frage habe sich gestellt: Warum nicht das Missionshaus? „Damit haben wir uns an den Orden gewandt und auch den Stadtrat darüber informiert“, berichtet Klär. „Und der Orden hat geantwortet, dass man sich das durchaus vorstellen könne: Man fände es sogar gut, wenn das Missionshaus ein Schulstandort bleiben würde.“

Zwei Mal sei Klär zuletzt in St. Augustin gewesen, dem Sitz des deutschen Provinzialats. „Wir sind konkrest am Reden“, berichtet der St. Wendeler Verwaltungschef. Derzeit laufe auf dem St. Wendeler Missionshaus eine Gebäudeuntersuchung. Die Wertermittlung solle zeigen, ob die Gebäude für die Schule ausreichend und vom Grundsatz her geeignet sind. „Und das wäre ein guter Standort“, ist Klär überzeugt, „auch von der Entwicklungsperspektive her wäre das Gelände in optimaler Weise geeignet.“ Sollte alles passen, würden Unterlagen zusammengestellt, aufgrund derer der Stadtrat über die Umsetzung entscheiden soll. „Wenn dem Plan zugestimmt wird, dann beraten wir, wie der Umzug ausgestaltet werden muss und beraten die notwendigen Vorbereitungsschritte.“

Zu den Konzepten des Netzwerks St. Wendeler Land sagt Klär: „Die Idee finde ich grundsätzlich nicht schlecht, internationales Flair nach St. Wendel zu bringen. Wenn es jetzt an einem Grundstück liegt, würden wir da was finden.“ Beziehungsweise wäre das jetzt genutzte Schul-Gelände im Herzen der nordsaarländischen Kreisstadt nach dem Umzug der Grundschule ins Missionshaus frei. „Das wäre eine schöne Kompensation.“

Zurück zum Missionshaus und zu Pater Conrad. Der bestätigt die Aussagen des Bürgermeisters: „Wir sind als Steyler mit der Stadt St. Wendel in Beratung und am Schauen, dass es irgendwie weitergeht mit einer schulischen Nutzung der Gebäude.“ Conrad unterstreicht noch einmal, „dass unser Ansprechpartner die Stadt St. Wendel ist. Es gibt für uns sonst keine seriösen Verhandlungspartner“.