Weihnachtspanne von Melanie Mai

Pleiten, Pech und Pannen an Weihnachten : Wenn Sisi vor der Tür wartet

Mein Mann ist ein typischer Mann. Zumindest, was Weihnachtsgeschenke betrifft. So um den 20. Dezember fällt ihm ein, dass vier Tage später Heiligabend ist – und er noch ein Geschenk für mich benötigt.

Aber 2015 war alles anders. Im Sommer waren wir in Wien. Und ich entdeckte in meinem Lieblingsladen „Sisi Vienna“ zwei Röcke, in die ich mich sofort verliebte. Beide gleich schön, aber ich musste mich entscheiden, waren sie doch in einer Preisklasse, in der ich normalerweise keine Kleidung kaufe. Also musste ich einen zurücklassen. Mein Mann reagierte blitzschnell. Im Laufe unseres Kurz-Urlaubs ging er unbemerkt in dieses Geschäft, kaufte den Rock und ließ ihn – damit alles geheim blieb – zu uns nach Hause schicken. Er war so stolz, dass er schon im Juli das Weihnachtsgeschenk für mich perfekt gemacht hatte. Da würde ich unterm Tannenbaum Augen machen, war er sich sicher.

Doch es kam anders. Als ich ein paar Wochen später von der Arbeit nach Hause kam, hatte der private Zusteller  ein Paket vor unserer Haustür abgestellt. Ohne Unterschrift, ohne Nachricht. Ich weiß nicht, ob er das gemacht hätte, wenn er den Wert des Inhaltes gekannt hätte. Jedenfalls sah ich auf den ersten Blick, woher das Paket stammte: Auf dem breiten rosa Klebeband stand in großen schwarzen Buchstaben: „Sisi Vienna“. Ich öffnete es nicht, konnte ich mir doch denken, was darin verpackt war. Im Nachhinein sagte ich mir, ich hätte es besser stehen und es meinen Mann Entdecken lassen. Denn so war seine ganze Vorfreude dahin. Er ärgerte sich dermaßen, dass er keine Lust mehr hatte, mir dieses fantastische Geschenk zu geben. „Mach damit, was du willst“, sagte er mir. Ich legte es an Weihnachten unter den Baum. Und freute mich über diesen edlen, weit schwingenden Rock mit dem Konterfei der Kaiserin Elisabeth drauf. Noch größer wäre die Freude aber gewesen, wäre meinem  Mann die Überraschung geglückt.

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