Weihnachtliches gibt es zu frühWarten können und wollen viele nicht mehr.

St. Wendel. Weihnachten im Frühherbst? Zu diesem Schluss könnte der Otto Normalverbraucher kommen, wenn er jetzt einkaufen geht. Denn seit Anfang des Monats stehen in den Supermärkten wieder Lebkuchen und Schokonikoläuse. Ist das denn wirklich nötig? Bei einer Umfrage in der St

St. Wendel. Weihnachten im Frühherbst? Zu diesem Schluss könnte der Otto Normalverbraucher kommen, wenn er jetzt einkaufen geht. Denn seit Anfang des Monats stehen in den Supermärkten wieder Lebkuchen und Schokonikoläuse. Ist das denn wirklich nötig? Bei einer Umfrage in der St. Wendeler Innenstadt waren sich die Passanten fast alle einig: Lebkuchen schon im September - das ist zu früh! Dagmar Bock aus Türkismühle findet es gar nicht gut, dass es jetzt schon Weihnachtsgebäck in den Geschäften gibt. "Kinder wissen doch schon vor Weihnachten gar nicht mehr, was sie überhaupt noch wollen, wenn es im September schon Weihnachtsmänner gibt", sagt sie. Deswegen kaufe sie auch ihre Lebkuchen jetzt noch nicht, sondern erst im Dezember.Steven Doll aus Eckelhausen hingegen hält den November für den passenden Monat, um die weihnachtlichen Süßigkeiten zu essen. Alles davor sei aber zu früh, meint er. November oder Dezember, das sei beides noch in Ordnung für die meisten befragten Leute. Hans Gatzweiler, beispielsweise, kauft "frühestens eine Woche vor dem ersten Advent" seine Knabbereien. Er hält überhaupt nichts davon, dass die Supermärkte im September schon Lebkuchen anbieten. "Das ist viel zu früh", denkt der Oberthaler. Trotzdem gibt es Leute, die jetzt schon ihr Weihnachtsgebäck genießen. Einer davon ist Manfred Conrad aus Ohmbach im Kreis Kusel. Der 50-Jährige kauft jedes Jahr schon im Oktober zu seinem Geburtstag Lebkuchen. "Meine Gäste und ich essen sie gerne zu Kaffee und Kuchen", erzählt Conrad. Und auch in seiner Firma in Schwarzerden naschen er und seine Kollegen schon ab September die weihnachtlichen Süßigkeiten in den Pausen, berichtet der Ohmbacher.Eine weitere Kundin, die schon im September Weihnachtsgebäck mit nach Hause bringt, ist Helene Biehl aus Trier. Die 59-Jährige, die in St. Wendel ihre Schwester besucht, findet es selbst nicht so gut, dass es im Sommer schon Schokonikoläuse zu kaufen gibt. Aber für ihren Mann besorgt sie dann doch schon mal Dominosteine oder Gewürzkuchen, wie Lebkuchen auch genannt werden. Davon gibt es übrigens einige Varianten: mit Schokolade oder ohne, mit Nüssen, Mandeln oder auch mit Marmeladenfüllung. Außerdem werden sie nicht nur zur Weihnachtszeit angeboten, sondern auch auf Jahrmärkten oder Volksfesten. Trotzdem gehören sie für viele Leute nur in die Adventszeit, die dieses Jahr am 30. November beginnt.Das findet auch Michaela Schmitt aus St. Wendel. "Weihnachtsgebäck im September, das ist doch Quatsch", meint sie. "Ich kaufe nur ganz selten etwas, meistens erst ab November", erzählt die 38-Jährige.Das ist auch der Zeitpunkt, den Manuela Dörr für geeignet hält um die ersten Lebkuchen für Weihnachten zu besorgen. "Bis eine oder zwei Wochen vor dem ersten Advent kaufe ich aus Prinzip nichts", berichtet die 29-Jährige aus St. Wendel. Eben die Adventszeit ist für viele Leute der richtige Zeitpunkt, um weihnachtliche Süßigkeiten zu essen - und nicht der September, wenn die Schokonikoläuse noch zu schmelzen drohen. Bei der Umfrage ergab, dass nur zwei Personen jetzt schon Dominosteine und Gewürzkuchen kaufen. Alle anderen sind dagegen und schütteln den Kopf, wenn schon drei bis vier Monate vor dem Heiligabend Lebkuchen verkauft wird. Aber die Regale werden trotzdem leer. St. Wendel. "Ich will alles und sofort." Diese Haltung setze sich immer mehr durch und deshalb werde die Weihnachtszeit immer weiter nach vorne gerückt. So sieht es Pfarrer Hanno Schmitt und empfindet das als Verlust. "Die Menschen wollen nicht mehr warten und nehmen sich so die Freude am Fest." Wer schon vor der Adventszeit so zugetingelt wurde, was soll dem Weihnachten noch bieten. Vorfreude ist die schönste Freude, sagt der Volksmund. Aber auf diese Freude verzichteten die Menschen nicht nur in der Weihnachtszeit immer häufiger. Sich langsam an etwas annähern, das tue kaum noch jemand. Jetzt und sofort das Geschäft machen wollen, diese Haltung stecke auch hinter der derzeitigen Bankenkrise.Die Symbole etwa der Adventszeit würden nicht mehr erkannt. Am Adventskranz ergänze ein Licht das andere. Die Fülle des Lichts bringe Weihnachten. ddt