Wallfahrtswoche startet in St. Wendel

Wallfahrt : Stadtheiligen aufgestellt und aufgedeckt

St. Wendeler Wallfahrt beginnt mit Kunstausstellung und Enthüllung des Wendelin-Schreins.

Der Heilige Wendelin strahlt, mahnt, versprüht Hoffnung und regt zum Nachdenken an. In 60-facher Ausfertigung ist St. Wendels Stadtpatron rund um die Basilika vertreten. Noch bis zum 23. Oktober ist die Open-Air-Kunstausstellung „Sanctus – Alles, was mir heilig ist“ von den Schülern der Dr.-Walter-Bruch-Schule am Gotteshaus zu sehen. „Damit bringen wir Wendelin den Menschen noch ein Stück näher. Und sie werden von ihm nicht unberührt bleiben“, sagt der St. Wendeler Pastor Klaus Leist.

Vom Aufmarsch der 60 farbenfrohen Sperrholz-Heiligen verspricht er sich breite Wirkung. Auch Nicht-Pilger sollen Wendelin so begegnen können. Seit Jahren bindet der Pastor Schulen, Kindergärten und Künstler der St. Wendeler Lebenshilfe mit Ausstellungen in die Wallfahrtswoche ein. „Das erzielt bei jüngeren Menschen eine größere Reaktion, als wenn ich eine Predigt halte“, meint der Kirchenmann.

Zwei Stunden pro Woche haben diesmal Schüler des Kunstkurses an der Dr.-Walter-Bruch-Schule ihre Gedanken schweifen lassen und sich dem Stadtheiligen kreativ genähert. Um Wendelin besser zu verstehen, haben die Schüler seinen Lebenssituation ins Heute übertragen. Würde der Vater seinen Sohnemann Wendelin heute fragen, was er nach der Schulzeit vorhabe, so würde der wohl antworten: „Work and travel, raus von zu Hause und die Welt kennenlernen“. Zur damaligen Zeit, so Projektleiterin Kerstin Könicke, sei Wendelins Ziel das Heilige Land gewesen. „Für die Jugendlichen heute liegen die Sehnsuchtsorte oft weiter entfernt“, meint Könicke. Die ideellen Ziele seien jedoch sehr ähnlich. „Auch junge Menschen haben Werte im Gepäck, die ihnen wichtig sind“, weiß die Lehrerin. Zum Vergleich hat die Protestantin, die in St. Wendel selbst keinen Heiligen hat, die Reisegeschichte Wendelins in die Gegenwart transportiert, mit dem Ziel, dass er nach St. Wendel zurückkommt.

Und da steht er nun: Bunt, etwa 1,50 Meter hoch und aus Sperrholz gefertigt. Die Ausstellung an der Basilika zeigt ihn als Pilger mit den Werten, die den Schülern der gymnasialen Oberstufe wichtig sind. Wendelin plädiert für den Weltfrieden, kokettiert mit der Love-and-Peace-Generation. Doch Wendelin kann auch anders, mit erhobenem Zeigefinger fordert er: Terrorismus muss gestoppt werden. Ein weiteres Motiv schließt sich den jüngsten Demonstrationen in Deutschland an und zeigt: „Jeder Mensch hat eine bunte Seite“. Mirceas Wendelin ist in einen Käfig eingesperrt, der das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba symbolisieren soll. „Es geht um Menschenrechte, Menschen werden durch Einfluss politischer Mächte auf dieser Welt gefoltert und das empfinde ich als ungerecht“, kritisiert der Schüler.

Der Stadtheilige hat sich auf seinem Lebensweg hoch kämpfen müssen. Simon, selbst Muay-Thai-Kämpfer, hat Wendelin als Faustkämpfer mit Boxhandschuhen dargestellt. „Man muss sich manchmal fair durchs Leben boxen“, steckt als Gedanke hinter Simons Version. Gegen 17 Uhr ziehen sich die Holzfiguren langsam zurück und machen die Basilika frei für ihr Vorbild.

Pastor Klaus Leist (rechts vorne) enthülllt am Mittwochabend während eines Gottesdienstes in der Basilika den Schrein mit den Gebeinen des Heiligen Wendelin. Foto: B&K

Denn am Mittwochabend hat der Heilige Wendelin die Hauptrolle übernommen. Mit einer von Pastor Leist zelebrierten Eucharistiefeier ist die Wendelinus-Wallfahrtswoche offiziell eröffnet. Während des Gottesdienstes ist der Schrein mit den Gebeinen des Stadtpatrons  enthüllt worden. „In den nächsten Tagen können die Menschen am Grab Wendelins stehen und ihm ihre persönlichen Anliegen zutragen. Damit werden sie ihre Ängste, Sorgen und Zweifel, aber auch ihren Jubel auf seine Fürsprache vor Gott bringen“, meint Leist. Noch bis zum 23. Oktober dauert die Wallfahrt.