Von Erneuerbaren Energien und einer Verweigerungshaltung

SZ-Wochenkolumne : Oh Heiliger St. Florian

Verschon‘ mein Haus – Zünd‘ and‘re an, oh Heiliger St. Florian. Prinzipiell ist das ein nachvollziehbarer Wunsch, denn man tut ja niemandem etwas Böses, gibt nicht vor, auf welchem Dach der Rote Hahn sitzen soll.

Das soll der Schutzheilige bitte selbst entscheiden. Wichtig ist: meines soll es nicht sein. So ist es auch mit den Erneuerbaren Energien. Niemand will Atomstrom, niemand Kohlekraftwerke. Gas vielleicht, aber das ist auch ein fossiler Energieträger. Wasserkraftwerke sind ebenfalls kritisch, wenn Fische durch unsere Flüsse wandern sollen. Bleiben Windkraftanlagen und Solarkraftwerke. Allerdings nicht vor meiner Haustür und erst recht nicht dort, wo ich spazieren gehe. Das ist das St.-Florians-Prinzip in der Energiewende. Klar, dass die so nicht gelingen kann. Was tun? Die Menschen zwingen zu akzeptieren, dass die Wiese im persönlichen Naherholungsgebiet eingezäunt und mit Kollektoren zugepflastert wird? Ihnen dennoch Windkraftanlagen vor die Nase setzen, denn Allgemeinwohl geht vor Einzelinteressen? Das kann die Lösung nicht sein. Die Bürger am Gewinn einer solchen Anlage zu beteiligen, bringt übrigens auch nicht immer die erhoffte Akzeptanz – siehe die jüngsten Diskussionen in Hoof. Vielleicht wäre es eine Lösung, wenn der Gesetzgeber es ermöglichen würde, dass Hausbesitzer über städtebauliche Verträge verpflichtet werden könnten, Sonnenkollektoren auf ihren Hausdächern zu installieren. Entweder auf eigene Rechnung. Oder über ein Pachtmodell, wenn sie die Investitionen für eine Solarstromanlage scheuen. Stromversorger planen dann die Anlage, finanzieren und warten sie. Bei entsprechender Pachtkonstruktion können die Bewohner den Solarstrom selbst nutzen, abbezahlt wird die Anlage über die Stromrechnung. Allerdings könnten dann Investoren keinen großen Reibach machen.