Viele Bürger von St. Wendel haben wie viele andere Menschen auch einen Reizdarm

Wenn es rumort : Reizdarm macht oft Probleme

Im Landkreis St. Wendel erhalten nicht wenige Menschen die Diagnose „Reizdarm“. Das zeigen Auswertungen für den Arztreport der Barmer, wie die Krankenkasse mitteilt. „Menschen mit einem Reizdarm sind oft in ihrem Alltag stark eingeschränkt.

Der Weg zur Arbeit, ein Treffen mit Freunden oder ein Kinobesuch kann mit Reizdarm zur quälenden Belastung werden“, erklärt dazu Jörg Peter, Regionalgeschäftsführer Barmer in St. Wendel. Das Reizdarmsyndrom äußere sich durch häufige und lange anhaltende Beschwerden wie Bauschmerzen, Durchfall, Verstopfung und Blähungen, ohne dass die Ursache dafür bekannt sei.

Laut Arztreport erhielten im Jahr 2017 1,4 Prozent der Bevölkerung im Landkreis St. Wendel die Diagnose Reizdarm (Bund: 1,34 Prozent). Im Vergleich der sechs saarländischen Landkreise ergibt dies Platz vier. „Befragungsstudien legen nahe, dass in Deutschland 17 Prozent der Bevölkerung an einem Reizdarm leiden. Viele Betroffene meiden aus Scham den Arztbesuch“, berichtet Peter. Das Reizdarmsyndrom sei gemessen an der Zahl der Betroffenen ein Volksleiden.

Laut Peter stellen sich Patienten oft bei vielen Ärzten vor, ehe sie die richtige Diagnose erhalten: „Die Anzeichen der Erkrankung sind sehr unspezifisch. Zudem ist das Reizdarmsyndrom eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, es müssen erst andere Ursachen ausgeschlossen werden, die die Beschwerden ebenso auslösen können.“ Bei der Diagnose würden zu häufig bildgebende Verfahren wie Computer- und Magnetresonanztomografien eingesetzt, obwohl sie in der Regel nicht zur Abklärung eines Reizdarmsyndroms vorgesehen seien. Gerade Computertomografien sollten nach Ansicht Peters aufgrund der hohen Strahlenbelastung zurückhaltend eingesetzt werden. Unabhängig davon liefere der Arztreport nicht nur Hinweise für Verbesserungspotenzial auf dem Weg zur Diagnose. Auch manche Ansätze zur Therapie müssten nach Meinung der Barmer kritischer hinterfragt werden. „Laut Arztreport werden bei einem Reizdarm oft Magensäureblocker verordnet, obwohl ihr Nutzen bei der Behandlung umstritten ist. Magensäureblocker werden bei einer Langzeitanwendung mit einem erhöhten Risiko für Brüche, Magen-Darm-Infektionen sowie Lungenentzündungen in Verbindung gebracht“, erklärt Peter. Auch opioidhaltige Schmerzmittel würden zum Einsatz kommen. Hier sei nicht nur die Wirkung fraglich. Es drohe auch eine Abhängigkeit. „Zu einer guten Therapie des Syndroms gehört ein ganzheitlicher Blick auf den Körper, der die Psyche ebenso einbezieht wie die Ernährung und Bewegung. Die reine Gabe von Medikamenten ist der falsche Ansatz“, bemängelt Peter.

Nach den Worten von Peter können Betroffene auch selbst viel machen, um eine Linderung der Beschwerden zu erreichen: „Dazu gehört, sich mit seiner Ernährung und seinem Essverhalten gezielt auseinanderzusetzen. Auch Sport wie zum Beispiel Nordic Walking kann helfen.“ Meditieren und Achtsamkeitstraining könnten Betroffenen dabei helfen, mit psychosozialen Stressfaktoren umzugehen.