Timon träumt sogar in Königsblau

Timon träumt sogar in Königsblau

Merzig. Die Sonne steht hoch am Himmel - eingehüllt in sattes Blau. Timon geht es ebenso. Der Merziger sitzt auf seinem Bett. Um ihn herum funkeln seine blauen Schalke-Schätze und er strahlt mit der Sonne um die Wette. Voller Vorfreude. Denn am kommenden Mittwoch ist es soweit. Dann kommen seine Stars vom Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 zum Testspiel gegen den 1

Merzig. Die Sonne steht hoch am Himmel - eingehüllt in sattes Blau. Timon geht es ebenso. Der Merziger sitzt auf seinem Bett. Um ihn herum funkeln seine blauen Schalke-Schätze und er strahlt mit der Sonne um die Wette. Voller Vorfreude. Denn am kommenden Mittwoch ist es soweit. Dann kommen seine Stars vom Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 zum Testspiel gegen den 1. FC Saarbrücken in den Ludwigspark. Wenn der Ball ab 19.04 Uhr rollt, wird der 9-Jährige dabei sein. Endlich kommt er seinem Team näher. Denn Timon Scheuer kann nicht laufen. Er leidet an einer spastischen Diparese, einer beinbetonten Spastik und sitzt sehr oft im Rollstuhl. "Ich freue mich sehr, dass ich das Team mal wirklich original sehen kann", erzählt Timon. Zum ersten Mal überhaupt wird er am Mittwoch in einem Stadion sein. Anfang des Jahres war er schon einmal nah dran. Mit seinem Vater Christian (40) besuchte er das Schalke Museum in der Veltins-Arena. Doch die vielen Stufen verhinderten eine Führung durch Timons Fußball-Tempel. "Ich habe durch die Glasscheibe auf den Rasen geguckt, das war toll. Und ich habe gedacht: Hoffentlich sitzt ich da mal drin", sagt der angehende Viertklässler heute.Schalke ist überall Sonst sieht er die Spiele seiner Idole zusammen mit Papa Christian und Opa Manfred (64) im Fernsehen. Am Mittwoch kann er endlich live mitfiebern - dank der Agentur MH sportmarketing und der Rudi-Kappés-Stiftung, die das Spiel veranstalten. An Timons Schalke-Fieber ist sein Vater Schuld: "Ich bin Schalke-Fan geworden, weil mein Vater Schalke toll findet. Und ich wollte kein Gegner meines Vaters sein. Da kam nur Schalke in Frage, ist doch klar." Und seitdem ist er nicht zu bremsen: Trikot, Bettwäsche, Klamotten, Base-Cap, Mäppchen, Kalender, Poster, Aufkleber, Armband und noch mehr - Schalke ist überall.Neuers Torwart-HandschuheKönigsblaues Regiment am Merziger Gipsberg. Die wichtigste Insignie zwischen all den kleinen und großen Heiligtümern hütet Timon wie die Kronjuwelen: die Torwart-Handschuhe des Schalker Schlussmannes Manuel Neuer (23). Der ist nicht nur Schalkes, sondern auch Timons Nummer eins. Beim Kick im Garten mit dem Papa steht er meist wie der Nationalspieler im Tor. "Das ist meine Position, weil ich nicht laufen kann." Seine Sympathie für den Schalker Keeper hat der kleine Kerl schnell erklärt: "Der Neuer macht keinen Quatsch im Spiel, ist mit Ernst bei der Sache und strengt sich immer an. Deshalb mag ich ihn." Und es ist ihm wichtig zu betonen: "Ich spiele aber auch im Feld, in der Abwehr, wenn ich mit meinen Freunden spiele. Ich kenne meine Freunde gut, weiß wer wem gern zupasst. Da stell ich mich mit dem Rolli dazwischen." Lauf- und Passwege des Gegners kennen und analysieren, das sind die Fähigkeiten eines guten Trainers. Doch Timon will nicht der Merziger Mini-Magath sein: "Ich kann kein Trainer werden. Nur wenn man laufen kann, kann man die Stärken und Schwächen laufender Menschen gut beurteilen. Ich kann das nicht." Dafür hat er in der Abwehr aber schon viele Bälle abgefangen und sogar eine Vorlage zum Tor gegeben. Eins geschossen, hat er noch nicht, aber das kommt bestimmt noch. Treffsicherheit erhofft sich Timon auch von seinen Schalker Jungs in der kommenden Saison. Mit dem neuen Schalker Trainer Felix Magath wird das auch klappen, meint Timon: "Der gibt den Spielern mal richtig Feuer und verbessert den Tabellenplatz. Wolfsburg hat er ja auch zum Meister gemacht und es ist ja noch der gleiche Mensch." Deshalb ist Timon auch für das Spiel am Mittwoch felsenfest von seinen Blau-Weißen Jungs überzeugt: "Die müssen gewinnen, ein 3:0 oder 4:0 wird es schon werden. Ich werde bestimmt Grund zum Jubeln haben." Dann strahlt er wieder - wie gerade auf seinem Bett - zwischen all den funkelnden Schalke-Schätzen. "Der Neuer macht keinen Quatsch im Spiel, ist mit Ernst bei der Sache und strengt sich immer an."Timon über Schalkes und seine eigene Nummer eins