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Seelsorge: Zeit nehmen für die Seele der Menschen

Seelsorge : Zeit nehmen für die Seele der Menschen

Pflegesassitentin Sonja Kuhn unterstützt die Bewohner des Caritas-Seniorenhauses in Hasborn.

(red) Wenn Sandra Kuhn morgens um sechs ihre Arbeit beginnt und zu den Bewohnern des Caritas-Seniorenhauses in Hasborn geht, ist alles Routine: „Man begrüßt sich, manchmal auch mit einem Küsschen auf die Wange. Dann unterstütze ich die Bewohner bei der Pflege, kleide sie an, bringe sie zum Frühstück, richte ihr Zimmer und dann geht’s zum nächsten.“

An diesem Morgen waren es zwölf Bewohner, um die sie sich kümmern musste. „Bei manchen geht es schneller, da bin ich in zehn Minuten fertig. Andere sind pflegebedürftiger, da brauche ich schon mal eine halbe Stunde.“ Sandra Kuhn ist Pflegeassistentin. Bei ihrer Arbeit stellt sie aber immer wieder fest, dass etwas zu kurz kommt: die Seelsorge. „Oft habe ich in der Pflege das Gefühl, die brauchen uns jetzt, die Seele des Menschen bräuchte uns jetzt noch ein bisschen mehr, aber die Zeit ist einfach nicht da.“ Dabei geht es ihr ganz einfach um alltägliche Gespräche. „Man nimmt sich zwar dann die Zeit. Aber ich habe dann oft das Gefühl, die Bewohner merken, dass wir mit einem Fuß schon wieder vor der Tür stehen.“

In Zukunft soll das anders werden. „Ich stelle mir das so vor, dass ich dann die Tür zu mache und mit beiden Füßen im Zimmer der Bewohner bin und solange bleibe, bis wir beide denken, das ist jetzt gut!“ In Zukunft, das heißt, nach dem Kurs „Seelsorge in Einrichtungen der Altenhilfe katholischer Träger“, den Sandra Kuhn zusammen mit 16 anderen Mitarbeitern in der Altenpflege belegt. Ziel des Kurses ist es, sie zu Mitarbeitern in der Seelsorge zu qualifizieren. „Wir haben schon einen Kurs gehabt über Sterbebegleitung, über Kommunikation, seelsorgerische Kurzgespräche. Uns werden Bibeltexte näher gebracht, Demenzgottesdienste, Wortgottesdienste, die man mit Bewohnern durchführen kann.“

Kuhn gehört zu den ersten, die am Projekt des Bistums Trier, des Diözesan-Caritasverband Trier, der Barmherzige-Brüder-Trier-Gruppe, der Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken (cts), der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz und der Marienhaus-Stiftung teilnehmen. Teile des Kurses sind auch eine Hausarbeit und ein Projekt, das die Teilnehmer selbst gestalten dürfen.

Kuhn hat einen Bibelkreis mit vier Demenzkranken Bewohnern in der kleinen Kapelle ihrer Einrichtung veranstaltet. „Weil es mein erster Bibelkreis war, habe ich das Thema Schöpfung genommen.“ Auf weiße Steine hat sie die Dinge geschrieben, die Gott geschaffen hat. Außerdem bekam jeder Bewohner eine Gebetskette. „Ich habe auch Musik laufen lassen und jede hat erzählt, was sie besonders schön an der Welt findet, was ihre Lieblingsblume ist. Ich habe dann noch ein Dankesgebet von der Schöpfung gesprochen und ein Vater unser am Schluss.“ Die Teilnehmer waren begeistert, berichtet Sandra Kuhn. „Eine Bewohnerin, die durch die Demenz sehr verändert ist, hatte strahlende Augen und gesagt, sie werde mir immer helfen und nicht mehr so viel schimpfen. Obwohl sie nicht mehr so gut sprechen kann. Aber in dem Moment war sie ganz klar.“ Solche Bibelkreise könnte sich Sandra Kuhn als regelmäßiges Angebot im Seniorenhaus Hasborn vorstellen.