Würdige Orte der Einkehr

Scheuern. "Die Kreuze in der Natur haben immer eine Vergangenheit und auch sehr unterschiedliche Bedeutungen. Sie erinnern an Unglücksfälle, an Verbrechen oder Krankheiten, können aber auch ein Dank für überstandene Notzeiten sein"

Scheuern. "Die Kreuze in der Natur haben immer eine Vergangenheit und auch sehr unterschiedliche Bedeutungen. Sie erinnern an Unglücksfälle, an Verbrechen oder Krankheiten, können aber auch ein Dank für überstandene Notzeiten sein". Mit diesen Worten eröffnete der Vorsitzende des Historischen Vereins Bohnental, Edwin Warken, am Dienstag die Segensfeier für die beiden Kreuze, die an der Landstraße zwischen Scheuern und Dörsdorf stehen. Der Verein hatte sich der beiden Denkmäler im Vorjahr angenommen, weil sie unansehnlich geworden waren. Edwin Reis aus Überroth-Niederhofen restaurierte sie. Mit Hilfe der Scheuerner Feuerwehr wurden sie kürzlich wieder auf ihre Plätze gestellt. Der Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt dankte dem Historischen Verein für seine Initiative. Die beiden Kreuze seien jetzt wieder würdige Orte der Einkehr und der Besinnung. Kreuze gehörten zur Landschaft, zur Kultur und zum Glauben, sagte Scheuerns Ortsvorsteher Dietmar Lauck. Vor den Segenshandlungen erinnerte Pastor Michael Jakob an die Bedeutung des Kreuzes im Leben der Christen: "Wenn wir einem Kreuz begegnen, sind wir eingeladen, inne zu halten, weil es ein Zeichen des Glaubens und der Verbundenheit mit Jesus Christus ist." Das Kreuz "Bei Weidenholz" - es steht auf halbem Weg zwischen Scheuern und Dörsdorf rechts am Waldrand - wurde um das Jahr 1900 von der Gemeinde Scheuern errichtet. Alwin Warken berichtete darüber: "Mir wurde früher erzählt, dass der Lehrer Peter Schnur dieses Kreuz aus einem nicht bekannten Anlass aufgestellt habe". Hinweise dazu gebe es auch in der von Lehrer Michael Scherer geführten Schulchronik und in der Aussage des Bürgers Peter Scholl. Die frühere Inschrift "Zur Ehre Gottes" wurde durch eine neue ersetzt. Sie lautet: "Warum wollt ihr mich verlassen?" Edwin Warken begründete diesen Wechsel so: "Früher führten am Ostermontag und an Maria Himmelfahrt an diesem Kreuz immer Prozessionen zur Höchsten Kapelle bei Steinbach vorbei. Leider sind sie schon lange Vergangenheit. Inschrift als MahnungDie neue Inschrift sollte eine Mahnung an die Gläubigen sein". Schon seit Jahren wird das Kreuz von Erich Blug mit viel Liebe gepflegt. Das ebenfalls restaurierte so genannte Falkkreuz, das an einem Hang in Richtung Dorf steht, erinnert an Michael Falk, der bei Fronarbeiten im Jahre 1909 an dieser Stelle durch einen Schlaganfall gestorben ist. Er war Schneider und Ackerer. Ein Hinweis darauf steht in der Scheuerner Schulchronik. Die Kreuzesinschrift lautet "Der Herr ist mein Hirte". Zur reichen Geschichte der Scheuerner Kreuze gehört auch das rechts der Straße in einer Wiese stehende Friedhofskreuz. Es wurde im Jahre 1950 von der Familie Mathias Schug zum Andenken an ihren im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sohn Alois errichtet. Alois Schug fiel am 14. Juli 1944 in Russland, einen Tag nach seinem 20. Geburtstag. Vormals stand an dieser Stelle ein Holzkreuz. gtr