Whisky-Event beim Obest- und Gartebauverein Hasborn-Dautweiler

Vortrag samt Kostprobe : Wann Whisky weich wird und wann intensiv

Braumeister Philipp Wagner aus Grügelborn sprach in Hasborn-Dautweiler über die Herstellung der edlen Spirituose.

Eine reine Männersache war ein Whisky-Event im Gärtnertreff in Hasborn-Dautweiler. Der Obst- und Gartenbauverein des Ortes hatte zu einem Vortrag mit Kostprobe geladen. Diplom-Braumeister Philipp Wagner aus Grügelborn wusste so einiges über den guten Tropfen zu erzählen. Er referierte über die Geschichte der Whiskyproduktion und stellte Besonderheiten bei der Herstellung des schottischen Single Malts und des amerikanischen Bourbon vor. Wagner sprach über die Anfänge im späten 15. Jahrhundert und die scheinbar noch ungeklärte Frage, ob der Tropfen eine schottische oder irische Erfindung sei. „Ursprünglich war der Whisky eher ein Abfallprodukt aus dem Gersteanbau in den schottischen Highlands. Aus überschüssigen Vorräten brannte man im Winter einen wärmespendenden und medizinischen Zwecken dienenden Schnaps“, erklärte der Braumeister. Im Laufe der Jahre seien dann viele private Destillerien entstanden. Praktisch jeder Klan in Schottland produzierte seinen eigenen Whisky. Die nordeuropäischen Einwanderer brachten diesen dann mit nach Amerika. Mälzen der Gerste, Brauen, Brennen und Lagern seien die Arbeitsschritte in der Whiskyherstellung. Im Brenn- oder Destillierprozess wirke sich die spezielle Form der kupfernen Brennblasen auf den Geschmack des Whiskys aus.

„Eine lange schlanke Form erzeugt einen weichen reinen Alkohol, eine kurze gedrungene Form einen kräftigen, intensiven Geschmack“, erläuterte Philipp Wagner. Ein normaler Brennvorgang dauere vier bis acht Stunden. Seinen vollendeten Geschmack entwickele der Whisky dann schließlich im langjährigen Reifeprozess im Fass. „Die Herkunft der Fässer ist für den späteren Whisky-Geschmack von entscheidender Bedeutung. Die meisten Brennereien lagern ihren Whisky in amerikanischen Bourbon-Fässern. Andere setzen auf Fässer, in denen zuvor zum Beispiel spanischer Sherry gereift ist. Wichtig ist, dass die Fässer immer aus Eiche sind, da nur Eichenholz atmungsaktiv und ausreichend beständig ist“, sagt Wagner.

Laut Gesetz müsse schottischer Whisky mindestens drei Jahre und einen Tag im Fass reifen. Mit jedem Reifejahr werde der Tropfen weicher im Geschmack. Voller Stolz plauderte der Braumeister zum krönenden Abschluss seines Vortrages über die Herstellung des Grügelborner Whiskys. „Als Rohstoffe für die Maische verwenden wir Grügelborner Roggen und Weizen.“ In einer hochmodernen Destillationsanlage könne der Grügelborner Obst- und Gartenbauverein den Rohwhisky herstellen und sensorisch überwachen. „Für die Lagerung verwenden wir ein gebrauchtes Barrique aus dem Bordeaux. Das Fass wollen wir in einem alten Stollen lagern.“ Damit die Grügelborner ihren Tropfen offiziell Whisky nennen dürfen, muss dieser noch etwa drei Jahre in dem Eichenfass lagern.

Ehe es an die Kostproben ging, gab Philipp Wagner auch noch einen kurzen Einblick in die wesentlich einfacherere Herstellung von Gin. „Im Moment erleben wir einen Gin-Hype. Ein fester Bestandteil ist der Wacholder. Gewürze wie Kardamom, Koriander, Lavendel und Rosmarin können dazu kommen. Mit den Gewürzen kann man den billigsten Fusel trinkbar machen“, so der Braumeister. Zum Abschluss des Abends durften erlesene Tropfen aus Grügelborn, aber auch Liköre und Schnäpse aus der Produktion der Hasborner Obst- und Gartenbauer probiert werden. Rainer Decker kostete den Grügelborner Gin sowie den Schinkaul Moonshine. „Diese Spirituosen haben wir mit Holzextrakt angesetzt und schnell im Fass reifen lassen. Da Whisky mindestens drei Jahre lagern muss, mussten wir den Tropfen anders benennen“, erläuterte Wagner. Das Whisky-Thema habe seinem Verein übrigens einige jüngere Mitglieder zugeführt. Rainer Decker, selbst ein Brennfachmann in einem Obst- und Gartenbauverein, schmeckt der gute Tropfen. Er hat die längere Fahrt von Ommersheim im Bliesgau auf sich genommen, um über den Tellerrand seines Landkreises zu schauen. „Ich finde es gut, dass wir bei solchen Veranstaltungen die Kollegen in anderen Vereinen kennenlernen und uns austauschen können“, lobte Decker die Veranstaltung.

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