Weltraum-Fan aus Theley: Dieser Junge will ganz hoch hinaus

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Einmal ins Weltall zu fliegen — das wünschen sich viele Kinder. Auch der 14-jährige Fabian Schwarz. Doch für ihn ist die Raumfahrt mehr als nur ein Traum. Sie ist sein Leben.

Fabian Schwarz hat sich sein eigenes kleines Universum geschaffen. In seinem galaktischen Zimmer fühlt er sich den Sternen ganz nah. Über dem Bett kleben vier runde Fenster aus Papier. Ein Astronaut schwebt vorbei, in der Ferne ist die Erde zu erkennen. Dutzende Modelle von Mondautos, Raumschiffen und Landefähren haben auf einem Regal ihren Platz gefunden. Auf dem Nachttisch thront ein meterhoher Lego-Nachbau der Rakete Saturn V. Die Wände hängen voll mit Zeichnungen von Satelliten. Poster beschreiben den Aufbau des Sonnensystems. Und Bilder zeigen den Schüler bei Treffen mit seinen Astronauten-Idolen. Wenn er sich abends in die Weltraum-Bettwäsche kuschelt, träumt er von fremden Planeten und fernen Galaxien. Die Raumfahrt ist für Fabian mehr als nur ein Hobby. Sie ist sein Leben.

„Als ich sechs Jahre alt war, hat mir meine Tante aus New York eine Gedenkmünze vom Space Shuttle Atlantis mitgebracht“, erinnert sich der Junge aus Theley. Seitdem könne er an nichts anderes mehr denken. Anfangs habe er Kinderbücher zu dem Thema gelesen. Mittlerweile informiere er sich in Fachmagazinen. „Es gibt in der Raumfahrt noch so viel zu entdecken und zu erforschen“, schwärmt er. In der Schwerelosigkeit könne man Experimente durchführen, die auf der Erde undenkbar sind. Logisch, dass der Neuntklässler am liebsten die naturwissenschaftlichen Fächer mag. Physik und Chemie seien genau sein Ding. Davon kriegt Fabian selbst in der Freizeit nicht genug. Mehrmals hat er bereits an speziellen Akademien und Studientagen teilgenommen. „Warum er sich dafür so sehr interessiert, ist mir ein Rätsel“, sagt Mutter Tanja. Denn niemand in der Familie teile seine Leidenschaft.

Dennoch ist der Weltraum auch für die Eltern allgegenwärtig. Meistens begleitet Vater Georg seinen Sohn zu Veranstaltungen, Vorträgen und Autogrammstunden. Die beiden haben schon zwei Mal das European Space Operation Centre (ESOC) in Darmstadt besichtigt, das für den Betrieb sämtlicher Esa-Satelliten verantwortlich ist. Sie fuhren ins Technik-Museum nach Speyer, als Alexander Gerst dort den ersten Vortrag über seine „Blue Dot“-Mission auf der Internationalen Raumstation (ISS) hielt und als der Amerikaner Fred Haise über die missglückte Apollo-13-Mission referierte. Sie waren beim „Tag der Luft und Raumfahrt“ in Köln zu Gast, wo Fabian sein liebstes Accessoire ergatterte: ein schwarzes Esa-Shirt, auf dessen Rückseite die Namen aller europäischen Astronauten aufgelistet sind. Und sie verbrachten ein paar unvergessliche Stunden beim „Euro Space Day 2“ an der Universität des Saarlandes. „Dort habe ich den Pressesprecher der Esa kennengelernt. Er hat mir ein Raumfahrt-Comic geschenkt und kümmerte sich darum, dass Thomas Reiter mein Buch signierte“, erzählt der 14-Jährige.

Damit er all diese Erlebnisse nicht vergisst, führt Fabian ein Weltraumtagebuch. In zwei Ordnern bewahrt er seine Astro-Unterlagen auf: etwa besonders spannende Artikel, Flyer sowie handgeschriebene Zusammenfassungen von Vorträgen und Büchern. „In anderen Dingen ist er nicht so ordentlich, aber man muss eben Prioritäten setzen“, sagt Mama Tanja und lacht. Auch seine größten Schätze hat Fabian in den beiden Mappen verstaut: Autogrammkarten von Alexander Gerst, Thomas Reiter, Reinhold Ewald, Jean-François Clervoy, Luca Parmitano und Matthias Maurer.

Letzteren hat er beim Tag der offenen Tür an der Uni in Saarbrücken getroffen. „Ich habe mir gleich zwei Vorträge von ihm angehört“, berichtet Fabian. Und das obwohl ihm der Groniger Astronaut einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. „Ich dachte immer, ich würde der erste Saarländer im Weltraum werden. Das kann ich jetzt wohl abhaken.“ Maurers Fan ist er trotzdem. Schließlich verbindet die beiden nicht nur die Leidenschaft für die Raumfahrt, sondern auch für die Mode. „Als ich mir ein Autogramm holen wollte, sagte Herr Maurer, dass mein Esa-Shirt sehr schön sei. Dann hat er mit verraten, dass er das Oberteil selbst entworfen habe“, berichtet der Astro-Fan stolz.

Den Raumfahrer aus der Nachbarschaft bewundert Fabian vor allem für seine Geduld. „Er hat nicht aufgegeben, obwohl er eine Absage bekommen hat und ist dann Jahre später doch noch in das Astronautenkorps nachgerückt. Das finde ich toll“, sagt er. Aber es gibt noch andere Weltraumpiloten, die ihn inspirieren. Vor kurzem musste der Schüler des Cusanus-Gymnasiums im Deutsch-Unterricht einen Vortrag über sein Vorbild halten. Während seine Klassenkameraden über Fußballspieler, Hollywoodstars und Musiker referierten, erzählte er vom amerikanischen Raumpiloten John Young. „Er hat bei sechs Flügen in verschiedensten Raumkapseln gezeigt, was er kann. Das ist cool.“

Zwei Weltraum-Fans aus dem St. Wendeler Land: Fabian Schwarz und Matthias Maurer. Foto: Georg Schwarz
Der eine will ins All fliegen, der andere war schon dort: Fabian und Thomas Reiter beim „Euro Space Day 2“. Foto: Georg Schwarz
Daumen hoch für Fabian Schwarz und den französischen Esa- Astronauten Jean-François Clervoy. Foto: Georg Schwarz

Ob Fabian jemals selbst ins Weltall fliegen wird, steht noch in den Sternen. Der Junge weiß, dass er sich im wahrsten Sinne des Wortes ein hohes Ziel gesetzt hat. „Wenn ich kein Astronaut werden kann, möchte ich trotzdem für die Esa arbeiten. Dann könnte ich helfen, die Forschung in der Raumfahrt voranzutreiben“, schildert er seinen Plan B. Doch an den verschwendet Fabian nur wenige Gedanken. Wenn er sich in sein galaktisches Zimmer zurückzieht, plant er bereits seinen Aufenthalt auf einer Raumstation. „Am liebsten würde ich zu einer fliegen, die um den Mond kreist“, verrät der Nachwuchs-Astronaut. Und er ist zuversichtlich: „Bis ich für meine erste Mission bereit bin, wird es solch eine Station bestimmt geben.“

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