Weg frei für aufgeklärten Absolutismus

Weg frei für aufgeklärten Absolutismus

Wie hat das 18. Jahrhundert die Region in und um St. Wendel verändert? Vortrag des Historikers Bernhard W. Planz.

Das 18. Jahrhundert in der Region, die Entwicklungen während dieser Zeit standen im Fokus eines Vortrags des Historikers Bernhard W. Planz im Tholeyer Rathaus. Die Veranstaltung ist Teil einer Vortragsreihe, die die vergangenen fünf Jahrhunderte im St. Wendeler Land beleuchtet.

Ruhe kehrte erst langsam ein. Zwar beendete der Westfälische Friede von 1648 den Dreißigjährigen Krieg, jenes blutige Wüten, das das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erschütterte. Doch hier, im St. Wendeler Land, ging das kriegerische Treiben noch eine Zeit lang weiter, verschiedene Konflikte zwischen verschiedenen europäischen Mächten brachen aus oder gingen weiter, verschiedene Heere durchzogen die Region, plünderten, zerstörten. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts ebbten diese Raubzüge ab und ein neuer Herrschaftsstil setzte sich durch: der aufgeklärte Absolutismus.

Mitte des 18. Jahrhunderts teilten sich, neben einiger kleinerer, vier große Territorialherren das Gebiet, das heute der Landkreis St. Wendel ist: der Erzbischof von Trier, der über St. Wendel, Theley und in der Nonnweiler Gegend herrschte; das Schaumberg-Gebiet mit der Abtei Tholey gehörte dem Herzog von Lothringen, das mittlere Ostertal dem Herzog von Pfalz-Zweibrücken. Herr des südlichen Teils des heutigen Landkreises war der Graf von Nassau-Saarbrücken. Planz: "In all diesen Herrschaften setzten sich absolutistisch-zentralistische Tendenzen durch, in enger Verknüpfung mit aufklärerischem Gedankengut - ohne dass dadurch allerdings der fürstliche Absolutismus in Frage gestellt wurde. Eine Herrschaftsform, die man als Aufgeklärten Absolutismus bezeichnet." Eine gewisse religiöse Toleranz, Anfänge der Rechtsgleichheit, der Judenemanzipation, der Pressefreiheit, Verbesserungen des Gesundheitswesens, der Hygiene, Förderung neuer landwirtschaftlicher Methoden - dies sind einige Elemente dieser neuen Herrschaftsform.

Einer Herrschaftsform, die etwa den Wiederaufbau nach den verheerenden Katastrophen des 17. Jahrhunderts begünstigte. So wurde das Tholeyer Kloster, Mitte des 17. Jahrhunderts nicht mehr als eine Ruine, aus- und umgebaut. Planz: "Noch heute zeugen beispielsweise der barocke Turmhelm der Kirche und der Orgelprospekt von der damaligen Bautätigkeit."

Ein weiteres, bis heute sichtbares Zeugnis aus jener Zeit ist der barocke Mittelturm der St. Wendeler Basilika, der 1753 gebaut wurde und den Vorgängerturm aus dem 14. Jahrhundert ersetzte. Modernisiert wurden auch die Häuser der Innenstadt, etwa jene markanten Bauten am Fruchtmarkt oder das Amtshaus am Schlossplatz, in dem heute Teile der Stadtverwaltung untergebracht sind.

Doch auch politisch tat sich einiges: Die trierischen Kurfürsten des 18. Jahrhunderts sorgten für eine Fülle an Reformen, vereinfachten den Verwaltungsapparat, ordneten Justiz-, Steuer-, Armen-, Schul- und Gesundheitswesen. Im religiösen Bereich verboten sie einige althergebrachte Bräuche und Prozessionen, ermöglichten es Protestanten, im Kurstaat zu siedeln.

Und vor allem die Änderungen im religiösen Bereich - die ähnlich auch in anderen Herrschaften durchgeführt wurden - stoßen im St. Wendeler Land nicht immer auf Gegenliebe. Waren die Menschen hier doch weiterhin von tiefer Frömmigkeit geprägt. Planz: "Die Region zeigte sich im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in mancherlei Widersprüchen. Das Leben war nach wie vor von jahrhundertealten Traditionen, Lebensgewohnheiten und Vorstellungen geprägt, gleichzeitig aber wurde erstmals das Überkommene in Frage gestellt. Allerdings blieb diese kritisch-aufklärerische Haltung eher eine Sache von Einzelnen." Doch diese Haltung sollte dann doch zu einem Massenphänomen werden - und zwar im Zuge der Französischen Revolution.

Der Fachmann: Historiker Bernhard W. Planz während seines Vortrags.

Diesen Umbruch und seine Folgen behandelt Planz am Dienstag, 23. Mai, 19 Uhr, im Mia-Münster-Haus St. Wendel. Zuvor jedoch, am Dienstag, 9. Mai, 19 Uhr, im Oberthaler Rathaus, widmet sich Roland Geiger Wanderungsbewegungen in das und aus dem St. Wendeler Land. Der Eintritt ist jeweils frei.