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Waschen, dreschen, filzen wie anno dazumal

Waschen, dreschen, filzen wie anno dazumal

Theley. Mit aller Kraft drehte der elfjährige Maurice an der Kurbel des Strohschneiders. Die 100 Jahre alte Maschine warf dabei ununterbrochen Häcksel aus, das vom Wind fortgetragen wurde. Das Gerät war eine der Attraktionen, die der Verein "Irreler Bauerntradition" beim Mühlenfest am Pfingstmontag an der Johann-Adams-Mühle in Theley aufbot

Theley. Mit aller Kraft drehte der elfjährige Maurice an der Kurbel des Strohschneiders. Die 100 Jahre alte Maschine warf dabei ununterbrochen Häcksel aus, das vom Wind fortgetragen wurde. Das Gerät war eine der Attraktionen, die der Verein "Irreler Bauerntradition" beim Mühlenfest am Pfingstmontag an der Johann-Adams-Mühle in Theley aufbot. Mit einer Kurbel musste auch die Maschine bedient werden, die mit Luft Getreide reinigt, also die Spreu vom Weizen trennt. Daneben lärmte der ebenfalls handbetriebene Stiftendrescher. Er war einst der Nachfolger des Dreschens mit Flegeln. Wie das mit den Flegeln früher funktionierte, machten vier Männer vor, die im Takt auf die ausgelegten Ähren schlugen. Die neunjährige Tabea drehte eine andere Kurbel, nämlich die der Seilmaschine. Für 1,50 Euro durfte sie den selbst gedrehten bunten Strick mitnehmen und probierte gleich das Seilspringen aus. Unter dem Zeltdach spannen Frauen Schafwolle und verarbeitete sie zu Socken und Handschuhen. Theo Hastert erklärte den Besuchern, wie aus Vollmilch Butter wird. Das gewittrige Wetter bereitete dem Eifelbauern jedoch Probleme. Die Milch wollte die Prozedur nicht so recht mitmachen. Bewundert wurden die handbetriebenen Tischnähmaschinen als alter Zeit ebenso wie die Arbeit der Waschfrauen auf der Wiese. Voll funktionsfähig war die dort mit Feuer betriebene Waschmaschine von 1930. Der kleine Jonathan versuchte, schmutzige Wäsche durch Reiben auf dem Waschbrett sauber zu bekommen. "Das Interesse an der Bauerntradition ist groß", stellte Vereinsvorsitzender Günter Franzen fest. "Besonders Kinder probieren die alten Geräte aus."Am Vormittag war der Mühlentag vom Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt eröffnet worden. Rund um das über 400 Jahre alte Mühlenensemble war den ganzen Tag über etwas los. Das Mahlwerk wurde über das Wasserrad in Gang gesetzt. Es gab Führungen durch den historischen Produktionsbetrieb, der ein technisches Kulturdenkmal geworden ist. Dieter Blass aus Theley hatte die Mühlengeschichte mit Exponaten aufgearbeitet. "Adam und Eva rieben die Getreidekörner zwischen Steinen. Es dauerte bis zu fünf Stunden, bis die Weihnachtsplätzchen fertig waren", erzählte der Aussteller. "Ihrem Sohn Kain war das viel zu lange, er erfand die Mühle." Der Handwerkermarkt bot Einblicke ins Filzen, Korbflechten und Sensendengeln. Gegen Ende des Mühlentages, den rund 3000 Menschen besuchten, überreichte die saarländische Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Bürgermeister Schmidt die Plakette "Kulturort 2009" und 5000 Euro für die Kulturarbeit. Aus einem Wettbewerb war Tholey unter 32 Orten im Saarland als einer der sechs Sieger hervorgegangen. Die Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs ist am 18. September in Saarbrücken.

HintergrundTholey siegte im Wettbewerb "Kulturort 2009" dank der Veranstaltungen 20 Jahre Kreismühlenmuseum und Orgelkonzert in der Abteikirche am 1. Juni, Römische Woche vom 10. bis 21. Juni, Orgelkonzert in der Abteikirche am 11. Juni, Lichtsinfonie mit Orlando und die Unerlösten auf dem Schaumbergplateau am 19. Juni, Brotbacken auf dem Bergweiler Dorfplatz am 23. Juni, Gipfelkunst am Schaumberg am 26. Juni, 30 Jahre christliche Lieder mit Stella Bernard am 28. Juni, Kräutertage vom 3. bis 12. Juli, Klosterfest am 12. Juli, Schaumberg-Montmartre am 15. August. gtr