Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen

Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen

Tholey. Nicht nur sinnbildlich, sondern auch materiell einen Scherbenhaufen hinterlassen haben Raubgräber in der Ausgrabungsstätte im Wareswald zwischen Tholey und Oberthal

Scherben blieben zurück.

Tholey. Nicht nur sinnbildlich, sondern auch materiell einen Scherbenhaufen hinterlassen haben Raubgräber in der Ausgrabungsstätte im Wareswald zwischen Tholey und Oberthal. Denn die Archäologen fanden jetzt im Kern der alten römischen Siedlung eine etwa einen Quadratmeter große umgegrabene Fläche und daneben einige angehäufte Keramikstücke, die offenbar einmal Vorratsgefäße aus dem dritten Jahrhundert nach Christus waren und nun von den Raubgräbern zurückgelassen wurden. Weshalb die Archäologen vermuten, dass es die Diebe auf metallene Stücke abgesehen hatten. Ob sie fündig geworden sind, vermag indes niemand zu sagen. Auch die Form und Größe der von den Räubern hinterlassenen vier Löcher im Fundament des wenige hundert Meter entfernten so genannten Mars-Tempels deuten darauf hin, dass Metallsuchgeräte eingesetzt wurden. Aus gutem Grund: Außer Keramikscherben oder Sandstein-Reliefteilen sind seit Grabungsbeginn 2001 im Wareswald auf der 20 bis 25 Hektar großen alten Siedlungsfläche auch Silber- und Kupfermünzen, Gewandspangen, Schmuck, Lanzenspitzen und Bronzefiguren - beispielsweise mehrere Mars-Statuetten - gefunden worden. "Keramik ist für uns aber genauso wertvoll wie Metall", sagt Wolfgang Adler, Bodendenkmalpfleger beim saarländischen Landesdenkmalamt. Auch wenn sie die Raubgräber nicht einfach weggeschmissen, sondern fast schon sorgfältig angehäuft hätten, machten sie damit "den Befund kaputt". Denn es interessiere auch, wie Stücke "eingebettet" seien. Das sei nun nicht mehr nachzuvollziehen. "Unsere Arbeit wird zunichte gemacht", umschreibt Adler den wissenschaftlichen Scherbenhaufen, den Raubgräber hinterlassen. Dabei sei es völlig egal, ob es sich um "Jäger und Sammler handelt, die nur für sich selber suchen, oder um Leute, die die Sachen auf Börsen oder übers Internet verkaufen - es bleibt kriminell", unterstreicht Ausgrabungsleiter Klaus-Peter Henz, der sich über solche Vergehen nicht zum ersten Mal beklagt. Für diesmal grenzt er den Tatzeitraum auf das Wochenende 11./12 Oktober ein."Altertümer sind meldepflichtig. Was von wissenschaftlichem Wert ist, gehört dem Land", sagt Adler. Alles andere erfülle den Tatbestand der Unterschlagung, was mit Geldstrafen im sechsstelligen Bereich geahndet werde. Hinzu käme Sachbeschädigung in einem Grabungsschutzgebiet, um das es sich beim Wareswald handele. Hier seien die Täter besonders "dreist" vorgegangen, weil sie sogar unter der Abdeckfolie gesucht hätten. Auch der Einsatz von Metallsuchgeräten sei nur "beschränkt erlaubt" - "jedenfalls nicht zum Suchen von Altertümern", so Adler. Henz hat Anzeige erstattet. Er hofft auf Hinweise auf die Täter, mehr Polizeipräsenz im Wareswald und weniger solcher Scherbenhaufen.