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Von Dirndln, Lamas und Lederhosen

Von Dirndln, Lamas und Lederhosen

Eine Ausstellung zum Thema Heimat präsentieren Studenten im Schaumbergplateau. Der Almabtrieb war Thema der Eröffnung.

Was ist Heimat? Ist Heimat dort, wo man aufgewachsen, in den Kindergarten, zur Schule gegangen ist? Oder gibt es weitere heimatstiftende Aspekte? Mit dieser Frage setzten sich etwa 40 Studenten der Saaruni während eines einjährigen Forschungsprojektes auseinander. In einer Ausstellung im Schaumbergplateau präsentieren die Studenten bis zum 30. September die Ergebnisse ihrer Studien.

Eröffnet wurde die Schau mit dem Vortrag "Lama und Lederhosen. Der Almabtrieb von Tholey nach Theley". In Leipzig geboren und seit 2013 an der Universität des Saarlands hat sich Student Mario Kühn mit dem alljährlich am ersten Samstag im September stattfindenden Almabtrieb beschäftigt. "Mario Kühn ließ sich in einem unachtsamen Moment für die Thematik gewinnen", verriet Professorin Barbara Krug-Richter mit einem Augenzwinkern. Gemeinsam mit ihrem wissenschaftlichen Mitarbeiter Lars Winterberg betreute sie die Studenten in der Forschungsphase. Die Idee für das Heimatprojekt sei in der Gruppe entstanden. Mit Plakaten, Videoinstallationen, Audiobeiträgen, Präsentationen und Aufsätzen zeigen die Studenten die Ergebnisse ihrer Arbeit. Die Themen sind vielfältig und zeigen Aspekte von Heimat im Fußball, am Meer, im Glauben oder im regionalen Umfeld.

In seinem Vortrag skizzierte Mario Kühn zum Einstieg den historischen Hintergrund des Almabtriebs: von der vom Alpenraum bekannten traditionellen Überführung des Viehs von den Bergweiden ins Tal bis hin zur festlichen Touristenattraktion. Kühns zentrale Frage lautete: "Warum findet der seit 2011 veranstaltete Almabtrieb am Schaumberg so viel Zuspruch?" Überrascht hatten ihn die Lamas, die dabei waren. Eine Erklärung dafür konnte der Tholeyer Bürgermeister liefern: "Beim ersten Almabtrieb hatten wir Kühe dabei. In unseren Gefilden sind es die Kühe jedoch nicht gewohnt, geführt in einem Umzug zu gehen. Am Ortseingang zu Theley streikten damals die Kühe und wollten nicht weiter gehen", verriet Herman-Josef Schmidt.

Bei seinen Forschungsarbeiten konzentrierte sich der 27-jährige Student auf die Kleidung der Teilnehmer und Besucher des Almabtriebs. "Der Ursprung von Dirndl und Lederhose liegt in der Alltagsmode." Das Oktoberfest habe aus den Kleidungsstücken einen modischen Trend gemacht, so Kühn. Für seine Beobachtungen hatte der Student gemeinsam mit seiner Professorin 2016 den Almabtrieb am Schaumberg besucht und die Festgemeinde genau unter die Lupe genommen und in vier Kategorien eingeteilt. Kühn: "Ich habe eine Gruppe beobachtet, die ganz populär in Alpentracht gekleidet war. Eine weitere Gruppe hatte sich für ein einzelnes alpenländisches Element als Ergänzung ihrer Alltagskleidung entschieden. Dann gab es Teilnehmer, die ein Kleidungsstück trugen, das den Bezug zur Alpentracht andeutet, etwa ein T-Shirt mit einem Mignon in Lederhose. Eine vierte Gruppe hatte sich entschieden, den Almabtrieb in Alltagskleidung zu besuchen." Dabei wähle jeder die Kleidung, die ihm angemessen zu sein scheint.

Überrascht war Kühn, wie lokale Elemente wie das Bonbon-Werfen oder der Alleh-Hopp-Gruß der Fastnacht mit dem Almabtrieb verschmolzen sind. Hier sieht Kühn heimatstiftende Momente: "Die Menschen ergänzen den Almabtrieb mit regionalen vertrauten Elementen. Sie interpretieren Motive, die ihre Wurzeln im Alpenraum haben, neu und schaffen sich so ein ganz eigenes Heimatgefühl, das alle verbindet."

Warum sich die Teilnehmer und Besucher für den einen oder anderen Kleidungsstil entscheiden, dieser Frage will der Student bei seinem nächsten Besuch des Almabtriebs auf den Grund gehen.

Ein großer Fan des Almabtriebs ist Daniel Bernarding aus Theley. Der Almabtrieb führt jedes Jahr an seinem Haus vorbei, das an diesem Tag alpenländisch mit blau-weißen Girlanden geschmückt ist. Mit Freunden und Familie feiert er vor der Haustür den Almabtrieb. Für ihn ist der Almabtrieb mittlerweile wie Fastnacht und Kirmes ein fester Termin im Jahr und ein Stück Heimat geworden. "Das Treiben und die Gemeinschaft rund um den Almabtrieb gefällt mir gut. Die Ledertracht trage ich gerne, das gehört dazu, um der Feier ein entsprechendes alpenländisches Gefühl zu geben. Und ich finde, die Tracht steht mir gut", verrät Daniel Bernarding.

Mit großem Interesse verfolgten Hugo Paulus und Klaus Linnenbach von den Wanderfreunden "Qualmende Socken" den Vortrag. Klaus Linnenbach bezeichnet sich selbst als Prototyp eines heimatliebenden Menschen. Für ihn vermittelt das Alpenländische wie keine andere Kultur ein besonders tiefes Heimatgefühl: "Ein Großteil der Ausflüge unseres Wanderclubs führt uns ins Alpenland. Bei einer Wanderung im Ötztal haben wir die Pfundskerle kennengelernt. Die Idee war geboren, die Alpenrockgruppe für ein Festival in Theley zu engagieren. Wir wollten das im Alpenland erlebte Heimatgefühl in unsere saarländische Heimat holen."

Klaus Linnenbach ist überzeugt davon, dass die Menschen im Alpenland wie sonst nirgendwo ein intensives Urgefühl von Heimat spüren. Das könne auch erleben, wer rund um den Schaumberg wandert. "Mit den glockenläutenden Kühen auf den Weiden mutet die Landschaft zuweilen alpenländisch an und gibt dir ein wohltuendes Gefühl von Heimat", so Linnenbach.

Zum Thema:

Mario Kühn beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Almabtrieb von Tholey nach Theley.

"Überall dahemm? - Aspekte von Heimat in Alltag und Kultur" Die Ausstellung kann bis zum 30. September im Schaumbergturm auf Ebene 4 besucht werden. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr. Programm zur Schau: Donnerstag, 22. Juni, 18 Uhr, Schaumbergturm: Vortrag "Der Bruder-Konrad-Ritt im Bliesgau - Prozession, Volksfest, Politikum". Sonntag, 9. Juli, 9.30 Uhr, Parkplatz Herzweg: Wanderung "Heimat ist ... ein Naturerlebnis"; Donnerstag, 10. August, 18 Uhr, Schaumbergturm: Vortrag "Heimat, Verlust und die Freimachung der Roten Zone' 1939/1949"; Donnerstag, 7. September, 18 Uhr, Schaumbergturm: Vortrag "Dehemm is, wo man schwätze kann".