Viel mehr als nur Lärm

Eine Wahnsinnsstimmung, kantiger Punkrock, ein Abstecher Richtung Hardcore und eine tierisch gut rappende Antilopen Gang: Zehn Bands gaben beim Theleyer Volcano-Festival den 900 Besuchern gehörig was auf die Ohren.

Da sage noch einer, Punkrockbands grölen nur rum, hätten nur drei Akkorde drauf, und die Musiker seien arme Schlucker. Mag vielleicht mal so gewesen sein. Jedenfalls mit riesigem technischen Gepäck, unter anderem mit einem mikrofonierten Schlagzeug aus ehemaligen Bestandteilen eines Schrottplatzes, sind die zehn Bands beim Volcano-Festival in Theley aufgeschlagen. Und dass ihre Instrumente nicht nur Lärm machen, haben die lokalen Gruppen schon zu einer Zeit bewiesen, bei der sich sonst die Musiker noch Guten Morgen sagen.

"Es war echt klasse, 400 Menschen waren bei unserem Konzert schon da", berichtet Sebastian Naumann, Bassist der Band Mufasa Ozora. Er kann hinterher den Bierbecher spazieren tragen und den Rummel im Skatepark genießen.

Mufasa-Ozora-Sänger Yannick Meisberger stürzt sich dagegen kopfüber in den Festival-Stress.

"Ein Konzert spielen und danach ein Festival organisieren ist schon stramm und geht fast gar nicht", so der organisatorische Kopf des Volcano-Teams. Beeindruckend gelassen meistert er das ständige "Yannick hier, Yannick da".

Gegen Abend sind rund 900 Fans auf dem Gelände. Genauso viele Pfandbecher verschwinden in der Tonne von der Hilfsorganisation Viva con Agua, die mit den gespendeten Pfandeuros Wasserprojekte in Entwicklungsländern unterstützen. Bereits Der dicke Polizist macht später Feierabend, als es der Spielplan vorgesehen hat. Die Hamburger Punkrockband Captain Planet setzt programmatisch "Ein Ende", ihr gradliniger Sound hat was von Gorilla Biscuits und Hot Water Music. Welch genialer Übergang. Marathonmann-Bassist und Sänger Michael Lettner trägt ein T-Shirt der Band Hüsker Dü. Mitunter mischen sich Hardcoreeinflüsse in die krachige Show. Lettner kann dabei zornig sein, den totalen Abriss lässt er nicht zu. "Das alles hier soll nie zu Ende sein", stimmt die Band gemeinsam mit dem Skateparkchor an. Lettner meint hinterher: "Richtig geile Sache, solche Festivals gibt es bei uns im tiefen Süden nicht", so der Münchener.

Bei derartiger Lobhudelei für das Volcano will die Formation Rogers nicht hinten anstehen. "Hoch die Tassen", hauen die Düsseldorfer als ersten Song raus. Die Musik von Headliner Turbostaat pendelt zwischen Punk- und Indierockklängen. Die Songtexte beschreiben Depression, bedrückte Stimmung und Bedrohung. Jan Windmeiers leidenschaftliche Stimme vereinnahmt dabei die Menge und setzt bei ihr die pure Glückseligkeit aus, auch wenn Turbostaat zwischendrin behauptet "Wir sind die Toten".

Den Hammer gibt's zum Schluss mit der Rapcombo Antilopen Gang. Wahnsinn, ihr Schlagzeug auf zwei geborgten Einkaufswagen bestehend aus Öltonnen, Benzinkanistern, Gießkanne und Auspüffen, gehört zum Bestand eines Schrottplatzes. Die gitarrenlastigen Beats verfehlen nicht ihre Wirkung. "Beate Zschäpe hört U2", rappt die Crew, provoziert gerne mit politischen Statements und macht sympathisch auf dicke Hose.

 Turbostaat-Sänger Jan Windmeier gibt den Ton vor.
Turbostaat-Sänger Jan Windmeier gibt den Ton vor.

Man weiß nicht, ob das nun eine Punk- oder Hip-Hop-Show ist. Grandios. Da sage noch einer, Punkrockbands grölen nur rum.