Unscheinbar und doch wertvoll

Einblicke in das Leben der Römer vor 2000 Jahren gibt es beim Grabungsfest im Wareswald an diesem Sonntag. Und viele Informationen über die Kleinstadt aus der Römerzeit. Im SZ-Gespräch berichtet Projektleiter Klaus-Peter Henz über den Stand der Ausgrabung.

Recht groß sind sie, aber unscheinbar, die beiden rotbraunen Sandsteinblöcke im Wareswald. Dazwischen wie eingeklemmt liegt ein Mühlstein. Die Steine haben der Archäologe Klaus-Peter Henz, Projektleiter der Terrex im Wareswald, und seine Mitarbeiter im vergangenen Jahr im Hof eines Hauses der römischen Siedlung ausgegraben. Nichts Augenfälliges, für den Wissenschaftler aber interessant.

Die Steine erzählen, wie die Menschen in der letzten Siedlungsphase des römischen Kleinstädtchens gelebt haben. Ende des vierten Jahrhunderts nach Christus. Sie berichten vom Niedergang des ehemals wohlhabenden Händler- und Handwerkerstädtchens.

Vermutlich waren zumindest einige Gebäude schon zerfallen, die Bewohner richteten sich mit herbei geschleppten Steinen und gefunden Gebrauchsgegenständen in den Ruinen ein. Der Mühlstein wurde in einer behelfsmäßigen Küche benutzt, das Gebäude wurde wohl mit Flechtwerk vor Wind und Regen geschützt. Fibeln und Keramiken haben die Ausgräber auf dem Hofareal entdeckt. Interessant für den Wissenschaftler sind mehrere Abfallgruben in den Höfen. Die werden in diesem Jahr weiter erforscht. "Wir erwarten da Funde und Hinweise zur Chronologie der Siedlung", so Henz.

Der Vicus wurde im ersten Jahrhundert nach Christus an der Kreuzung zweier Römerstraßen auf den Resten einer keltischen Siedlung gegründet. Händler und Handwerker konnten hier über viele Jahre gut leben. Darauf weisen die Funde aus den vergangenen Jahren hin, unter anderem entdeckten die Forscher eine römische Fußbodenheizung. Ganz in der Nähe stand ein Marstempel, Richtung Tholey direkt an der Straße wurden Reste von Pfeilergräbern gefunden.

Das Ende der Siedlung kam wohl schleichend. "Bis heute können wir nicht sagen, warum, erklärt Henz: "Eine Zerstörung konnten wir im Wareswald nicht nachweisen." Ende des vierten Jahrhunderts wurde die Römerstadt Trier geplündert, zuvor hatte sie schon an Bedeutung verloren. Vielleicht hatten die Händler und Handwerker im Wareswald einfach keine wirtschaftliche Basis mehr.

Die Erforschung der Höfe am Südhang der Siedlung steht auch diese Grabungssaison im Mittelpunkt. Dabei kann der Wissenschaftler auf die Unterstützung von zehn Ausgräbern setzen, die über das Projekt "Soziale Teilhabe" der Wiaf finanziert werden.

Entdeckt haben Henz und seine Helfer vor wenigen Tagen einen großen Schlackebrocken. "Das ist ein Hinweis darauf, dass man hier auch Produkte hergestellt hat." Der Fund sei optisch unscheinbar, so der Archäologe, aber in der Aussagekraft wertvoll.

Abgeschlossen wurden im vergangenen Jahr die Grabungen am Marstempel. Hier habe man den Grundriss vervollständigt und damit die Grundlage für eine Visualisierung analog des Pfeilergrabes gelegt. Allerdings ist die Finanzierung noch offen, ein Förderantrag bei der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land ist gestellt.

Über den Stand der Forschung im Wareswald können sich Besucher bei Führungen informieren, die die Gemeinde Tholey anbietet. Immer mehr nachgefragt werden laut Henz auch Führungen von Vereinen und Gruppen.

Informationen zuhauf gibt es aber auch beim Grabungsfest an diesem Sonntag, 26. Juni, von 10 bis 18 Uhr. Römisches und keltisches Handwerk sind da zu sehen. Bronze wird gegossen, Glasschmuck ausgestellt. Die Keltenfreunde Trevero magos sind vor Ort, keltische Krieger führen Waffenkämpfe vor. Es gibt eine Rötelausstellung. Kinder können mit Rötel malen, römische Spiele kennen lernen oder an einer Schaugrabung teilnehmen. Puppentheater wird von der Kita Theley angeboten, gespielt wird das Römermärchen "Das ehrliche Opfer". Den ganzen Tag über gibt es Führungen. Dabei wird auch modernste Technik eingesetzt. So können Besucher in den Ruinen des Tempels mit Hilfe einer 3D-Brille und eines Smartphones sehen, wie der Tempel einmal ausgesehen hat. Eine weitere Möglichkeit der Digitalisierung ist eine 3D-Rundumsicht eines Kellerraumes im Vicus.

So könnte es nach im Marstempel im Wareswald ausgesehen haben Foto: Pascal Klein/HBK Saar. Foto: Pascal Klein/HBK Saar

Am Sonntag beginnt auch das archäologische Grabungscamp im Wareswald. 16 archäologisch Interessierte aus ganz Deutschland haben sich dafür angemeldet. Sie graben unter der Leitung von Henz mehrere Tage mit. Henz: "Einige Teilnehmer sind seit Jahren dabei."