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"Traumergebnis zum Traumberuf"In sechs Dörfern holt Schmidt mehr als 80 Prozent

"Traumergebnis zum Traumberuf"In sechs Dörfern holt Schmidt mehr als 80 Prozent

Tholey. Hermann Josef Schmidt hat am Sonntag mit 82,2 Prozent der Wählerstimmen das zweitbeste Ergebnis einer Bürgermeisterdirektwahl im ganzen Saarland erreicht. Nur Klaus Bouillon in St. Wendel war bei seiner Wiederwahl im Januar mit 85,1 Prozent besser. Die CDU hatte also im Mauritiushaus in Tholey bei ihrer Wahlparty am Sonntagabend allen Grund zu feiern

Tholey. Hermann Josef Schmidt hat am Sonntag mit 82,2 Prozent der Wählerstimmen das zweitbeste Ergebnis einer Bürgermeisterdirektwahl im ganzen Saarland erreicht. Nur Klaus Bouillon in St. Wendel war bei seiner Wiederwahl im Januar mit 85,1 Prozent besser. Die CDU hatte also im Mauritiushaus in Tholey bei ihrer Wahlparty am Sonntagabend allen Grund zu feiern. Nicht so die SPD, die zur Wahlparty ins Gasthaus "Zur Linde" nach Bergweiler geladen hatte."Ich habe mit diesem Ergebnis nicht gerechnet", sagt Bürgermeister Hermann Josef Schmidt im SZ-Gespräch. Es sei auch Ergebnis einer guten Teamarbeit. "Die Menschen haben gemerkt, dass ich mit Begeisterung dabei bin, dass ich meine Arbeit gär mache", so Schmidt weiter. Der verspricht, sich auch in den kommenden Jahren mit ganzer Kraft für die Weiterentwicklung von Tholey einzusetzen. Schmidt zählt einige Schwerpunkte auf: die Gestaltung des Schaumbergplateaus, der Ausbau des Industriegebietes BAB 1, die Ortskernsanierungen in Theley, Tholey, Hasborn, die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt in Sotzweiler, die Fortführung der Bohnentalinitiative. Helmut Rauber, CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender, ist hoch zufrieden: "Das Ergebnis hat Hermann Josef Schmidt verdient. Er hat eine hervorragende Leistung für die Bürger erbracht." Hans Ley, CDU-Kreisvorsitzender, sieht dies genauso: "Hermann Josef Schmidt ist ein politisches Schwergewicht. Er hat jetzt zu seinem Traumberuf als Bürgermeister ein Traumergebnis bekommen." Schmidt sei unglaublich fleißig und lebe dieses Amt. Zudem habe er in der Gemeinde ein tolles Team, so Ley weiter. Alle hätten gemeinsam für die Wiederwahl gekämpft. Ley ist sich sicher: "Dieses Ergebnis ist eine unglaubliche Motivation für seine Arbeit. Die Tholeyer können sich darüber freuen."Heike Schreiber aus Rilchingen-Hanweiler, die unterlegene Gegenkandidatin, macht am Montag aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl: "Ich hätte mir ein besseres Wahlergebnis gewünscht." Mit dem Erreichten, 17,8 Prozent, könne man nicht zufrieden sein. Hermann Josef Schmidt sei eine starke Persönlichkeit, habe das gemacht, was er den Bürgern versprochen hat. Auch SPD-Gemeindeverbansvorsitzender Andreas Türk ist enttäuscht. Er habe mehr erwartet. Ein Grund für das schwache Abschneiden sieht er in dem kurzen Wahlkampf. Schreiber habe wenig Zeit gehabt, sich bekannt zu machen. Schmidt habe keine gravierenden handwerklichen Fehler gemacht. Deshalb sei es schwer, sich gegen den Amtsinhaber durchzusetzen. Es sei richtig gewesen, auf eine Kandidatin mit Verwaltungserfahrung zu setzen, so Türk.Magnus Jung, SPD-Kreisvorsitzender, dankt Heike Schreiber "für ihren engagierten Wahlkampf." Jung gratuliert Bürgermeister Schmidt zu seiner Wiederwahl und wünscht ihm eine gute Hand für die zweite Amtszeit. Mit dem Wahlergebnis könne die SPD nicht zufrieden sein. Die Zeit sei zu kurz gewesen, um eine unbekannte Kandidatin den Bürgern nahe zu bringen, so der SPD-Politiker. Die CDU habe die Wahl mitten in den Winter und die Fastnachtszeit gelegt, so dass man keine richtige Möglichkeit gehabt habe, eine politische Diskussion loszutreten. Die SPD habe den Wahlkampf genutzt, um ihr Profil vor Ort zu schärfen und den Bürgern eine Wahlalternative anzubieten. Tholey. 10 449 Bürger waren am Sonntag zur zweiten Direktwahl des Tholeyer Verwaltungschefs aufgerufen. 6119 machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch, was einer Wahlbeteiligung von 58,6 Prozent entspricht. Gültig waren 6032 Stimmen. Hermann Josef Schmidt erhielt 4959 Stimmen (82,2 Prozent), Heike Schreiber 1073 (17,8) Prozent. Vergleich der Urwahlen: Bei der ersten Direktwahl im Mai 2002 bekam Schmidt 3490 Stimmen. Am Sonntag waren es demnach 1469 mehr. Thomas Finkler, der von der SPD unterstützte Gegenkandidat 2002, erreichte damals 2707 Stimmen. Heike Schreiber kam jetzt auf 1073, ein Minus von 1634 Stimmen. Betrug der Abstand zwischen Schmidt und Finkler damals 783 Stimmen, waren es jetzt 3886 Stimmen, fast fünf Mal so viel. Vergleich zur Gemeinderatswahl: Christdemokrat Schmidt hat das CDU-Ergebnis der Gemeinderatswahl im Sommer letzten Jahres deutlich übertroffen. Die CDU erhielt 2009 nämlich 4058 Stimmen (58,7 Prozent), Schmidt jetzt 4959. Macht ein Plus von 901 Stimmen. Auf die SPD entfielen 2009 bei der Gemeinderatswahl 1629 Stimmen (23,6 Prozent), auf Heike Schreiber jetzt 1073. Das entspricht einem Rückgang von 556 Stimmen. Wahlbeteiligung: 2002 betrug die Wahlbeteilung bei der Direktwahl 66,2 Prozent. Bei der Wahl an diesem Sonntag waren es 58,6 Prozent. Betrachtet man die absoluten Zahlen, so ist der Unterschied nicht mehr so groß. 2002 gab es insgesamt 6197 gültige Stimmen, 2010 waren es 6032. Das heißt, es wurden 165 gültige Stimmen weniger abgegeben. Ortsteile: 2002 siegte Hermann Josef Schmidt in sieben Ortsteilen der Schaumberggemeinde. Thomas Finkler hatte in den Bohnentalorten Neipel (54 Prozent) und Scheuern (55,1 Prozent), die Nase vorn. Knapp war es 2002 auch in Hasborn-Dautweiler. Schmidt erhielt 696 Stimmen, Finkler 670. Anders bei der jüngsten Direktwahl. Hermann Josef Schmidt hat deutlich in allen Ortsteilen der Schaumberggemeinde gewonnen, in Theley, Sotzweiler, Bergweiler, Hasborn-Dautweiler, Überroth-Niederhofen und Lindscheid sogar mit über 80 Prozent, in Neipel, Scheuern und Tholey mit klar über 70 Prozent. In Hasborn hat der CDU-Politiker 1151 Stimmen bekommen, mit 86,7 Prozent gemeinsam mit Lindscheid das beste Ergebnis. Heike Schreiber musste sich in fünf Ortsteilen mit weniger als 100 Stimmen zufrieden geben, in Lindscheid waren es gerade mal 28. vfMeinung

Verlierer könnten auch gewinnen

 Die Auszählung im Rathaus beginnt.
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 Heike Schreiber nach der Wahl im Interview.
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Von SZ-Redakteur Volker Fuchs Die SPD in Tholey steckte wie die SPD in St. Wendel vor der Direktwahl des Bürgermeisters in einem Dilemma. Den Sozialdemokraten war klar, dass sie die Wahl gegen die Amtsinhaber Klaus Bouillon und Hermann Josef Schmidt nicht gewinnen können. Was tun? Keinen Gegenkandidaten aufstellen wie schon einmal in St. Wendel? Da hätte sich die Partei der Kritik ausgesetzt, keine Wahlalternative aufzuzeigen. Einen Kandidaten aus der ersten Reihe vor Ort präsentieren, einen, mit dem man als Spitzenbewerber in die Kommunalwahl gezogen ist? Da gab es Befürchtungen, dass diesem künftig der Makel des Verlierers anhängen dürfte.Also entschied man sich in St. Wendel und in Tholey, politisch in den Kommunen unbekannte Bewerber ins Rennen zu schicken. Die beide eine haushohe Niederlage einsteckten. Das ist der falsche Weg. Ein führender Kopf vor Ort muss es machen. Der kann, auch wenn er verliert, gewinnen. An Größe, weil er sich der Herausforderung gestellt hat.