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Tourismus im Saarland: Kloster St. Mauritius in Tholey bekommt ein Besucherzentrum

Kostenpflichtiger Inhalt: „Größte touristische Erschließung“ seit Jahrzehnten : Besucherzentrum für Tholeyer Abtei

Das „älteste Kloster Deutschlands“ in Tholey bekommt ein weltliches Management. Die „größte touristische Erschließung“ seit 25 Jahren im Saarland steht bevor. Vorbild ist das Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Was dem „ältesten Kloster Deutschlands“ ab September bevorsteht, ist das Gegenteil dessen, was man üblicherweise mit einem monastisch-kontemplativen Leben verbindet: Menschenmassen sollen strömen. Drei Altarraum-Fenster des Kunstmarkt-Stars Gerhard Richter in der Tholeyer Abteikirche St. Mauritius gelten als „Tourismus-Jackpot“. Rund 100 000 Besucher jährlich sind durch ein Gutachten der Gemeinde prognostiziert – für saarländische Verhältnisse entwickelt sich eine touristische Groß-Attraktion. Zwangsläufig fänden sich die 13 Mönche, die derzeit im Tholeyer Kloster leben, in der Rolle von Tourismus-Managern wieder. Genau das soll nicht passieren.

Am Freitag wurde auf einer Pressekonferenz im Kloster die Gründung einer „Betriebsgesellschaft“ mit dem Namen „Stiftung Abtei Tholey“ bekannt gegeben, die die touristische Erschließung und Vermarktung übernehmen wird. „Wir entlasten den Konvent und setzen die größte touristische Erschließung im Saarland seit 25 Jahren in Gang, seit dem Aufbau des Weltkulturerbes Völklinger Hütte“, sagte Gründungs-Geschäftsführer Thorsten Klein der SZ. Der selbstständige Kommunikations-Berater (tricomedia), früher CDU-Regierungssprecher, steht vor der Aufgabe, überhaupt erst mal das touristische Produkt Tholeyer Kloster zu erfinden. Obwohl es dort bereits das Gästehaus St. Lioba und das Übernachtungs-Format „Stille Tage im Kloster“ gibt, und obwohl sich die rundum sanierte Gesamtanlage dank barockem Klostergarten und Teehaus als Schmuckstück zeigt, ist der Ort noch kein angesagtes Ausflugsziel. Das muss sich im Turbotempo ändern, die Einweihung der Richter-Fenster soll im September sein.

Bis dahin steht nun Folgendes an: Umbau des auf dem Klostergelände liegenden Gebäudes des ehemaligen Schwesternheims zu einem Besucherzentrum und dadurch Verlegung des zentralen Eingangs, Einrichtung eines Kloster-Shops (etwa mit Klosterbräu, Honig, Öl, Schnaps), Ausstellung zur Klostergeschichte, Ausbildung von Besucher-Guides, Entwicklung einer Marketing-Strategie. Die Kopfzahl von Thorsten Kleins Team steht noch nicht fest, über die Höhe der Investitionen macht er keine Angaben, hält lediglich fest, die öffentliche Hand werde nicht beansprucht. Bekanntlich tritt die Illinger Unternehmer-Familie Meiser in Tholey als Mäzen auf.

Die Leiterin der Tourismuszentrale Saar, Birgit Grauvogel, setzt vor allem auf das kulturtouristische Potenzial von Tholey, und hält die anvisierte Zahl von 100 000 Besuchern für realistisch. Sie hebt darauf ab, wie unerlässlich zusätzliche Veranstaltungen seien: „Sie sind ein wichtiger Frequenzbringer.“ Ähnlich argumentiert der frühere Generaldirektor der Alten Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig: „Man muss eine zusätzliche Kultur- und Attraktions-Struktur schaffen.“ Erzähle und inszeniere man die uralte Kloster- Geschichte, würde Tholey zum „magischen Ort“: „Es ist ein Rohdiamant, der das Zeug dazu hat, in die Liga des Weltkulturerbes aufzusteigen“, so Grewenig. In besten Jahren zählte man dort über 300 000 Besucher. Zu hoch gegriffen? Kloster Eberbach im Rheingau meldet ebenfalls rund 300 000 Besucher jährlich, und die Top-Adresse Maria Laach kommt auf 700 000 Gäste. Allerdings kann Tholey keinen Riesenrundgang durch Kreuzgänge oder Bibliotheken bieten, denn die Türen zur Klausur, zu den nur der Ordensgemeinschaft zugänglichen Räumen, bleiben zu. Aber: „Wer clever ist, überlegt sich jetzt, in Tholey zu investieren und was er dort anbieten kann“, meint der Stiftungs-Geschäftsführer Klein. Und es passiert bereits viel. Schon jetzt bewegen sich jährlich etwa 150 000 Besucher zum nahe gelegenen Schaumbergturm und der Erlebnis-Gastronomie Schaumbergalm. Ein Investor möchte an der Auffahrt einen Wohnmobilstellplatz mit etwa 20 Plätzen errichten.

Ex-Regierungssprecher Thorsten Klein steht an der Spitze der neuen „Stiftung Abtei Tholey“. Foto: dpa/Oliver Dietze

Die Gemeinde ihrerseits hat bereits 240 neue Parkplätze plus Busstellplätze in Planung, freilich 1600 Meter von der Abtei entfernt. Ein Shuttledienst soll helfen. Zudem hat man vor, den eng-verwinkelten Vorplatz der Abtei und des Rathauses im Rahmen einer Ortskernsanierung neu zu gestalten. Landrat Udo Recktenwald (CDU), der den St. Wendeler Kreis mit Bostalsse, National-/Keltenpark, Schaumbergplateau und der Stadt St. Wendel touristisch gut aufgestellt ist, schaut dem munteren Treiben zufrieden zu und freut sich auf einen Wettlauf mit dem Weltkulturerbe: „Ich bin froh, wenn Menschen ehrgeizige Ziele formulieren.“