Tholeyer Orgel bekommt neue Technik

Kostenpflichtiger Inhalt: Arbeiten an Tholeyer Orgel : Neue Klangwelt für historisches Instrument

Die Technik der Orgel der Tholeyer Abteikirche wurde in einer Heusweiler Werkstatt erneuert. Was bleibt, ist deren äußeres Erscheinungsbild.

In einer Ecke kreischt eine Säge auf, ein Hobel gleitet über das Holz und schält eine feine Schicht ab, während unweit davon ein  Hämmern zu vernehmen ist. In der Werkstatt der Hugo Mayer Orgelbau GmbH in Heusweiler wird an diesem Vormittag fleißig gearbeitet. Dann kehrt plötzlich Stille ein. Und im nächsten Moment erfüllt die Melodie von „Tochter Zion, freue dich“ den Raum. Konzertorganist Bernhard Leonardy aus Saarbrücken greift in die Tasten, lässt das historische Instrument mit neuem Innenleben erstmals wieder voluminös erklingen.

Die Orgel, die eigentlich in der Abteikirche in Tholey zuhause ist, hat übergangsweise Logies in der Heusweiler Werkstatt bezogen. Dort wird sie – im Zuge der umfangreichen Renovierung des Gotteshauses – größtenteils erneuert. „Das ist für uns eine große Ehre“, sagt Orgelbaumeister Stephan Mayer. Er kennt das Instrument bereits seit den 1980er-Jahren. Seitdem gibt es den Kontakt zur Abtei in Tholey, hat das Unternehmen regelmäßig Service- und Reparaturarbeiten übernommen. Ein solcher Orgelneubau sei in Deutschland mehr als selten geworden. „Umso schöner ist es seit 20 Jahren wieder einen technischen Neubau vor der Haustüre zu übernehmen“, sagt Mayer.

„Festlich, edel, aber nicht überfrachtet“, so beschreibt Musiker Leonardy das äußere Erscheinungsbild der Orgel, das in der Fachsprache Prospekt genannt wird. Teils golden  glänzende Ornamente und zwei Putten mit roten Pausbäckchen zieren das barocke Bauwerk. Dieses geht auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. „Es ist ein historisches Stück, das uns erhalten geblieben ist“, betont Frater Wendelinus von der Abtei St. Mauritius. Es stehe stellvertretend für eine Blütezeit der Abtei. 

Und dieses Erbe, so sagt Mayer, sollte mit Respekt behandelt werden. Deshalb bleibt das Orgelprospekt erhalten. Komplett erneuert wird die Technik, die aus den 1960er-Jahren stammt. Damals sei viel experimentiert worden im Orgelbau, weiß Leonardy. Man habe versucht, aus einem 2 CV (Ente) einen Rennwagen zu machen. „Mit dem Ergebnis, dass die Orgel in Tholey zu einem Musterbeispiel einer unbespielbaren Orgel wurde“, sagt der Konzertorganist. Allein der schöne Raum habe die minderwertige Orgel zum Klingen gebracht.

Im August 2018 wurde das Instrument in St. Mauritius abgebaut und nach Heusweiler gebracht. Sieben Meter breit, neun Meter hoch und neun Meter tief ist das Bauwerk und bringt zwölf Tonnen auf die Waage. Von den insgesamt knapp 2500 Pfeifen sind 1226 neu hergestellt worden. Die Experten, so erläutert Mayer, hätten sich bei ihrer Arbeit auf alte Traditionen besonnen, damit das Instrument so für Jahrhunderte bestand habe.

Der Orgelbaumeister deutet auf einen Plan der Abteikirche und erläutert, dass der Orgelspieler mit dem Rücken zum Altarraum sitzt. Hinter ihm ist das Rückpositiv mit Pfeifen in unterschiedlichen Höhen angebracht. Künftig nimmt der Organist an einem neu gefertigten Spieltisch aus Eichenholz Platz. Ebenfalls neu sind die Windladen. Diese verteilen die Luft in die Pfeifen, die wiederum die Töne erzeugen. Wie Mayer erläutert, handelt es sich dabei um mechanische Schleifladen. Dünne Holzleisten, Abstrakten genannt, verbinden die Tasten und Tonventile in den Windladen. „Diese Mechanik ermöglicht es dem Musiker, durch den Anschlag auf die Tasten Einfluss auf den Ton zu nehmen.“ Etwas, was gemeinhin Pianisten vorbehalten sei. Alle Abstrakten aneinander gereiht würden eine Strecke von etwa 30 Kilometer ergeben. Dies entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Heusweiler und  der Heimat des Instruments, Tholey.

Dorthin zurückkehren soll die Orgel im ersten Quartal des kommenden Jahres. Etwa mit drei Monaten Einbauzeit rechnet Mayer. Alleine acht Wochen dauere die klangliche Anpassung im Gotteshaus. „Wir haben die Orgel hier soweit aufgebaut, um zu sehen, ob alles funktioniert, richtig spielbereit ist sie noch nicht“, so der Orgelbaumeister. In der Kirche selbst ginge es daran, die Lautstärken der jeweiligen Pfeifen sowie deren Klang zueinander einzustellen. Das sei sehr wichtig für die Gesamtwirkung später.

Frater Wendelinus blickt lächelnd auf die prachtvolle Orgel. Mit „unbändiger Vorfreude“ fiebere er deren Rückkehr in die Abteikirche entgegen. Passend zur Adventszeit  sind die Glocken des Gotteshauses wieder zu hören. „Und nächstes Jahr an Weihnachten kann dann auch die Orgel wieder erklingen“, freut sich der Geistliche.