Wetterradar für St. Wendel Neues Hightech-Gerät auf dem Schaumbergturm soll vor Extremwetterereignissen warnen

Tholey · Das neue Hightech-Gerät kann präzise Daten zu drohenden Extremwetterereignissen liefern. Diese helfen dabei, die Menschen eher zu warnen.

Neues Wetterradar auf dem Schaumbergturm​
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Neues Wetterradar auf dem Schaumbergturm

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Foto: Sarah Konrad

Das Wahrzeichen der Gemeinde Tholey ist an diesem Freitagmorgen kaum zu sehen. Nebel hüllt den Schaumbergturm in einen grauen Schleier, der mit jedem Höhenmeter dichter wird. Immer wieder ziehen Schauer und starke Windböen über das Plateau hinweg. „Dieses Wetter ist alles andere als optimal für uns“, sagt Lutz Ollmann von der Firma Furuno Deutschland GmbH. Er ist heute extra mit seinem Team aus der Nähe von Hamburg nach Tholey gekommen, um ein hochmodernes Wetterradar zu installieren – in 53 Metern Höhe, ganz oben auf der Spitze des Turms.

Neues Wetterradar auf dem Schaumbergturm in Tholey – das soll es bringen

„Der Regen macht es besonders schwierig, weil er die Anschlussarbeiten nahezu verhindert“, sagt der Projektingenieur. Er wolle unbedingt vermeiden, dass Feuchtigkeit in die Hightech-Anlage eindringe. Diese hat ihren Ursprung übrigens in der Schifffahrt, doch inzwischen würden solche Radare auch vermehrt an Land eingesetzt, um die Wettervorhersagen zu präzisieren. „Wir montieren sie überall. Beispielsweise steht eines am Helmholtz-Zentrum in Neubrandenburg, eines an der Universität in Graz und eines in Wien“, erzählt Ollmann. Dass nun ein weiteres Modell im St. Wendeler Land angebracht werden soll, hat der Kreistag im Juni beschlossen. Der Grund: Auch in unserer Region nehmen Extremwetterereignisse zu.

Im November 2022 zog ein Tornado durch Urexweiler, eine Gewitterfallböe beschädigte im Juli dieses Jahres in Asweiler mehrere Häuser und Dürreperioden oder Überschwemmungen sind längst keine Ausnahmen mehr. Stürme, Hitze und Hochwasser würden nicht nur Leib und Leben bedrohen, sondern auch Eigentum und Infrastruktur. „Somit wird es immer wichtiger, Wetter, Witterung und Klima exakter vorauszusagen“, betont der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU). Unwetter ließen sich zwar nicht verhindern. Aber: „Durch genaue Prognosen können wir die Menschen eher warnen und dadurch besser schützen.“

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Foto: IMAGO/BeckerBredel

Präzisere Wettervorhersagen dank neuem Radar möglich

Das neue Radar mit der Bezeichnung WR2120 soll künftig exakte Daten liefern. Es hat eine Reichweite von 70 Kilometern und verfügt über eine sogenannte Dual-Polarisationsantenne, durch die etwa Regen genauer aufgelöst wird. Dadurch ist es möglich, verschiedene Niederschlagsarten – Regen, Schnee oder Hagel – fast in Echtzeit zu differenzieren. „Das ist ein großer Fortschritt“, sagt Dirk Schäfer, Leiter des Amtes für Katastrophenschutz im Landkreis St. Wendel. Denn die Radare, die bisher im Einsatz waren, hätten Daten mit einem Zeitversatz von rund 15 Minuten geliefert. „In einer Viertelstunde kann jedoch viel passieren“, weiß Schäfer.

Eine Gewitterzelle sei dynamisch und verändere sich schnell. „Den Zeitvorsprung, den uns das neue Radar dank seiner Echtzeit-Daten verschafft, können wir nutzen, um Warnungen auszusprechen und Einsatzkräfte zu mobilisieren“, erklärt Schäfer. Außerdem sei es damit möglich, präziser zu bestimmen, wo ein Unwetter hinziehen und welche Dimensionen es erreichen wird. „Diese Infos dienen aber nicht nur dem Katastrophenschutz, sie werden auch für die kommunalen Baubetriebshöfe eine Erleichterung sein“, erläutert Recktenwald. Zusätzlich könnten sie in der Landwirtschaft, bei der Gleis- und Straßenüberwachung sowie bei Veranstaltungen verwendet werden.

So lief die Montage des Wetterradars

Doch dafür muss das 74 Kilogramm schwere Radar, das bereits am Donnerstag auf ein 150 Kilogramm schweres Gerüst montiert wurde, erst einmal mit einem Kran zu seinem Einsatzort gehievt werden. Ob das bei dem Wetter überhaupt möglich ist? „Bei konstantem Wind ist es kein Problem, das Gespann zu kontrollieren. Aber die Böen stellen uns für eine Herausforderung“, analysiert Gerd Kirsch von der Firma Paulus GmbH, die für die Montage zuständig ist. Er beschließt daher, die Aktion herauszuzögern – so lange, bis sich die Bedingungen verbessern. „Geplant war, dass wir gegen 9 Uhr loslegen. Jetzt wird es wohl eher um die Mittagszeit“, mutmaßt Schäfer, nachdem er die Wettervorhersage auf seinem Smartphone gecheckt hat.

Und tatsächlich: Um kurz vor 12 Uhr lässt der Wind nach und der Nebel lichtet sich. Vorsichtig hebt der Kranführer das 200 000 Euro teure Hightech-Gerät in die Höhe und transportiert es zur Turmspitze. Das Einparken ist Millimeterarbeit. Mit viel Fingerspitzengefühl manövriert er das Gespann zwischen Antennen und Blitzableitern hindurch zu seinem vorgesehenen Platz. Fast zeitgleich verzieht sich nun auch der Regen, was bedeutet, dass die Mitarbeiter der Firma Furuno mit dem Anschließen beginnen können. „Das Radar wird also heute noch in Betrieb gehen“, freut sich der Leiter des Katastrophenschutzamtes.

Wetterdaten im Internet abrufbar

Bei der Verarbeitung der Daten und Erstellung von Prognosemodellen wird die Kachelmann-Gruppe den Landkreis unterstützen. Ein Pilotprojekt, denn die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sollen auch anderen Kommunen zur Verfügung gestellt werden, damit diese ein Werkzeug zur Hand haben, um detaillierte Wettervorhersagen zu erstellen. Darüber hinaus sei eine Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken angedacht. In diesem Zusammenhang weist Landrat Recktenwald darauf hin, dass die Infos, die das neue Radar liefert, für jeden kostenlos zugänglich sein werden.

Die Anlage sei Teil des Smart Wendeler Landes, des Digitalisierungsvorhabens im Landkreis. Die Radardaten sollen in eine Online-Plattform einfließen und mit weiteren gesammelten Daten etwa von Pegelstandsensoren zusammengefügt werden. „Die entsprechende Webseite wird Anfang 2024 für die Öffentlichkeit freigeschaltet“, kündigt Schäfer an. Bis es so weit steht eine vereinfachte Wetterstation-Homepage zur Verfügung: https://daten.smartwendelerland.de/dashboard/weather

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