Tholey: Bogenschule wehrt sich gegen Kritik an Parcours

Bogenparcours in Tholey : „Was wir machen, ist eine spielerische Jagd“

Die Bogensportschule Saar wehrt sich gegen Vorwürfe, wonach es respektlos sei, auf Tierfiguren zu schießen. Es ginge bei dem Parcours nur um den Sport.

Der Blick des Schützen visiert das Ziel, die Sehne schnellt vorwärts, der Pfeil schießt davon. Mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde schlägt er ein, bohrt sich durch das Gummi-Wildschwein. Volltreffer. Das Bogengeschoss ist mitten in der Kill-Zone (Deutsch: Tötungszone) des nachgebildeten Tieres stecken geblieben. Also in dem Bereich, in dem das Herz und die Lunge liegen würden. Dort gebe es die meisten Punkte, erklärt Peter Böhnel. Trotz dieser Regelung ist er überzeugt: „Das 3D-Bogenschießen hat nichts mit Töten zu tun. Was wir machen, ist eine spielerische Jagd.“ Den Parcours am Schaumberg in Tholey vergleicht er daher gerne mit einem Themenpark, bei dem das Thema eben die Jagd sei. „Eine auf Punkte, nicht auf Tiere“, wie Böhnel ausdrücklich betont.

Der Urexweiler ist seit drei Jahren selbst Bogensportler und Vorstandsmitglied der Bogensportschule Saar. Er legt großen Wert darauf klarzustellen, dass es sich dabei um einen reinen Sportverein handele. „Wir wollen eine klare Trennlinie zur Jagd, wir würden nie mit unserem Sportgerät auf Lebewesen schießen“, sagt Böhnel. Dass zu ihrem Sprachgebrauch Wörter wie „Kill“ und „Wound“ (Körpertreffer außerhalb der Kill-Zone) dazugehören, hänge mit dem Ursprung des Sports zusammen. In den USA hätten Bogenjäger Trainingsmöglichkeiten für die Schonzeit gesucht. Also stellten sie Tierfiguren aus Schaumstoff auf, um ihre Treffsicherheit zu verbessern. Irgendwann hätten Bogensportler dieses 3D-Schießen von den Jägern übernommen. Dadurch sei das klassische Feldbogenschießen um ein spielerisches Element erweitert worden.

„Dieses Jagd-Thema macht das Ganze spannend. Es ist aber vor allem die sportliche Herausforderung, die den Reiz des Parcours ausmacht“, findet Böhnel. So müssten die Sportschützen beispielsweise mit unterschiedlichen Entfernungen und verschiedenen Schusswinkeln klarkommen. Außerdem seien die Ziele ins Gelände integriert. Das bringe zusätzlich eine sehr große Abwechslung. Aber wäre die nicht auch vorhanden, wenn man statt Gummi-Tieren sonstige Objekte aufstellen würde? „Das stimmt, aber damit wäre diese spielerische Jagd nicht mehr gegeben“, antwortet Böhnel. Auch Zielscheiben am Schaumberg zu installieren, ist für ihn keine Alternative. Dann würde es dort schließlich aussehen wie auf einem Truppenübungsplatz. Damit würde man vielleicht sogar Waffensportler anlocken. „Die Schaumstoff-Figuren sind nur für Pfeil und Bogen geeignet“, erläutert Böhnel. Wobei auf dem Gelände Jagd-Bögen und -Pfeile verboten seien. In Deutschland ist es nicht erlaubt, mit solchen Utensilien auf echte Tiere zu schießen. Und die Bogensportschule Saar lehne das ebenfalls ab.

„Wir wollen mit unserem Verein bewirken, dass die Menschen wieder in die Natur und den Wald gehen und all das zu schätzen lernen“, sagt Böhnel. Unter den Mitgliedern seien auch zahlreiche Kinder und Jugendliche. Sie hätten am Schaumberg Fledermausnistkästen aufgehängt, Bienenhotels aufgestellt und Kräuterwiesen für Insekten angelegt. Dass durch den 3D-Bogenparcours die Hemmung abgebaut wird, auf Lebewesen zu schießen oder der Respekt vor diesen verloren gehe, hält Böhnel daher für „an den Haaren herbeigezogen“. Auch einen Zusammenhang zwischen der wachsenden Zahl solcher Anlagen und der steigenden Zahl an Unfällen mit Pfeil und Bogen sieht er nicht. Im Juli etwa wurde in Olsbrücken (Rheinland-Pfalz) ein Reh mit einem Pfeil erlegt und in Mannheim (Baden-Württemberg) starb ein Kater, nachdem ihn ein Bogengeschoss getroffen hatte. Im Mai schossen Tierquäler einen Pfeil durch den Hals eines Schwans, der auf dem Bodensee nahe Thurgau (Schweiz) seine Runden drehte. „Solche illegalen Jäger wird es wohl immer geben“, sagt Böhnel, „aber wir fördern durch unseren Sport dieses Verhalten nicht.“

Auf der Anlage am Schaumberg habe man ja auch keine Gummi-Gorillas oder Gummi-Kühe aufgestellt, obwohl es die zu kaufen gibt. „Von solchen Dingen nehmen wir Abstand. Es wäre unpassend, auf Menschenaffen- oder Haustier-Figuren zu zielen“, sagt Böhnel. Dass durch diese Einstellung eine Wertung von Lebewesen stattfindet, sie gewissermaßen in zwei Kategorien aufgeteilt werden, leugnet der Urexweiler nicht. „In erster Linie haben wir Wildtier-Scheiben aufgestellt, weil wir bei dem Jagd-Thema bleiben wollen. Aber ja, es hat auch ethische Gründe“, erklärt er.

Diese Biber-Scheibe steht ebenfalls auf dem neuen 3D-Bogenparcours am Schaumberg. Foto: Sarah Konrad
Die beiden Pfeile stecken mitten in der Kill-Zone des Gummi-Tieres. Foto: Sarah Konrad
Mitten im Wald finden die Besucher des Parcours auch diese beiden Figuren von Frischlingen. Foto: Sarah Konrad
Foto: Sarah Konrad. Foto: Sarah Konrad
Diese Murmeltier-Figur ist eine der kleinsten auf der Anlage. Foto: Sarah Konrad

Allerdings gehe es beim Bogenschießen ohnehin größtenteils um den eigenen Körper und Geist. Man müsse sich extrem konzentrieren und eine irre Körperspannung aufbauen. Das Ziel an sich spiele dabei keine so große Rolle. „Das Schießen ist eher ein meditativer Moment. Den könnte ich nicht spüren, wenn ich irgendwelche ethischen Zwiespälte hätte. Auch jede Aggressivität ist diesem Sport  völlig fremd“, sagt Böhnel abschließend.

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