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Theodor Fontane ist Impulsgeber des Wortsegel-Wettbewerbs in Tholey

Wortsegel-Wettbewerb geht in die nächste Runde : Mit Fontane das eigene Umfeld neu entdecken

Der 1819 geborene deutsche Schriftsteller ist der Impulsgeber der 15. Auflage des Wortsegel-Schreibwettbewerbs der Gemeinde Tholey.

„Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache“, sagte einst Theodor Fontane. Und dieser hat der gelernte Apotheker schließlich auch sein Tun, sein Leben gewidmet. Zu Ehren seines 200. Geburtstags wurde 2019 zum Fontane-Jahr erkoren. Dank des Wortsegel-Schreibwettbewerbs der Gemeinde Tholey geht die Würdigung des bedeutenden Schriftstellers 2020 in die Verlängerung. Denn Fontane ist Impulsgeber der 15. Auflage des Wettbewerbs, an dem im vergangenen Jahr zum 13. Mal in Folge das Homburger Saarpfalz-Gymnasium teilnahm und dabei auch wieder ganz vorne mit dabei war.

„Der Wettbewerb will ganz bestimmte Aspekte seines literarischen Schaffens herausstellen: seine ausgeprägte Beobachtungs- und Beschreibungsgabe, seine akribische Spracharbeit, um das, was er in seinem Umfeld oder bei seinen Reisen gesehen hatte, anschaulich vor dem Auge und in der Vorstellungswelt des Lesers entstehen zu lassen“, erläutert Irmela Freigang. Sie ist die Sprecherin der siebenköpfigen Jury, die die eingereichten Gedichte des Schüler-Wettbewerbs bewertet.

Bis zum 13. März haben die Nachwuchsdichter noch Zeit, ihre eigenen Gedanken und Beobachtungen zu Papier zu bringen. Um den Schülern – von der dritten bis zur 13. Klasse – einen Schreibimpuls zu geben, hat die Jury im Vorfeld zehn Zitate des Dichters ausgewählt (siehe Infobox). Pro Klasse dürfen drei Beiträge eingereicht werden. Aufgeteilt in vier Altersstufen (3./4. Klasse, 5./6./7. Klasse, 8./9./10. Klasse sowie 11./12./13. Klasse) werden die Gedichte der Jury vorgelegt. „Jedes Jury-Mitglied wählt für sich aus allen Einsendungen einer Altersklasse zehn Favoriten aus, nach den Kriterien: Originalität bei der Wortwahl, der Bilder, der Form und der Darstellung, inwieweit die Beiträge unkonventionell oder spontan sind und ob auch bei noch nicht perfekten Texten Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen sind“, erläutert Freigang das Prozedere.

Der schwierigste Teil sei die gemeinsame Abstimmung in einer Jury-Sitzung. Dabei werden die drei besten Beiträge einer Altersklasse ausgewählt. Diese  zeichnet die Gemeinde Tholey während einer Preisverleihung aus. Für die Erstplatzierten gibt es je 200 Euro, für die Zweiten je 100 Euro und für die Dritten je 50 Euro. Außerdem stellt das saarländische Bildungsministerium, das den Schreibwettbewerb unterstützt, Preise für die Klassen der Sieger zur Verfügung.

„Die Jury-Mitglieder sehen bei jeder Ausschreibung dem Einsendeschluss erwartungsvoll entgegen“, verrät Freigang. Das sei auch bei der Auflage im vergangenen Jahr so gewesen. Damals gab es eine positive Überraschung für die Jury-Mitglieder, überreichte ihnen die Gemeinde Tholey doch besonders prall gefüllte Ordner. 2019 verzeichnete der Wortsegel-Schreibwettbewerb mit 345 eingereichten Beiträgen eine Rekordbeteiligung. Nicht das einzige Novum bei der 14. Auflage. „Es war für die Jury  Neuland, nicht auf einen Autor als Impulsgeber zurückzugreifen, sondern in Anlehnung an das Thema des Deutschen Germanistentags 2019 nach dem Verständnis von ,Zeit’ zu fragen. Allerdings auch hier mit verschiedenen Zitaten zum Thema als Anregungen“, blickt die Jury-Sprecherin zurück. Dass es im vergangenen Jahr nun überraschender- und erfreulicherweise mehr Einsendungen als sonst gegeben habe, führe sie bei näherer Betrachtung der Texte auf das Thema zurück, das offensichtlich Kinder und Jugendliche berührt habe. „Ihre Vorstellungen von Lebenszeit, von ihrer Zukunft, von Zeitknappheit, verschiedenen Wahrnehmungen von Zeit offenbarten sehr differenzierte, sehr persönliche und auch kritische Auseinandersetzungen“, erinnert sich Freigang. Sie führt aber noch weitere Gründe für das positive Echo an. So sei der Wettbewerb inzwischen bekannt, vor allem durch die Veröffentlichung der Preisträgergedichte in der Saarbrücker Zeitung. Es gebe Schüler, die regelmäßig teilnehmen „und nicht zuletzt eine große Zahl engagierter Lehrkräfte, die ihre Schüler motivieren, sich mit Themen und Autoren des Wortsegel-Wettbewerbs kreativ zu beschäftigen“.

Mit Theodor Fontane als Ideengeber geht es jetzt quasi zurück zur langjährigen Tradition des Wettbewerbs, einen Autor in den Mittelpunkt zu rücken. Der Dichter könne nach Auffassung Freigangs ein Vorbild dafür sein, den Blick zu schärfen für das, was man sieht, und diese Wahrnehmungen angemessen in Sprache umzusetzen. „Ich persönlich schätze die Genauigkeit, mit der Fontane Figuren beschreibt, mit komplexen Figurenkonstellationen den Leser führt und seine Beobachtungen sprachlich akribisch genau und anschaulich gestaltet, und sei es mit Hilfe von neu erdachten Wortschöpfungen.“

Ob auch die teilnehmenden Schüler die Jury mit neu kreierten Begriffen überraschen werden, zeigt sich Mitte März. „Es ist jedes Jahr faszinierend zu sehen, wie die jugendlichen Teilnehmer mit den Schreibimpulsen umgegangen sind. So viele unkonventionelle Ideen wurden in Worte gefasst, in Erzählungen eingebaut, in unerwartete Sprachbilder umgesetzt. Und immer wieder trifft die Jury auf Schreibtalente, die hoffentlich weiterhin Freude haben, kreativ Texte zu formulieren“, sagt Freigang.

Das Wortsegel bei Sotzweiler, das dem Wettbewerb seinen Namen verleiht, ist ein beliebtes Fotomotiv. Hier eine Aufnahme des Fotoclub-Mitglieds Thomas Reinhardt. Foto: Thomas Reinhardt

Die Gedichte müssen bis 13. März eingereicht werden bei der Gemeinde Tholey, Stichwort: „Wortsegel-Schreibwettbewerb“, Im Kloster 1, 66636 Tholey. Weitere Informationen erhält man unter Tel. (0  68  53) 5  08  13, E-Mail: j.burr@tholey.de.