Stationentheater auf dem Schaumberg

Etappenspiel am Schaumberg : Open-Air-Theater als Abenteuer-Tour

Die Theatervereine aus Theley, Hasborn und Scheuern begeistern Zuschauer mit einem Etappen-Theater auf dem Tholix-Wanderweg.

Gladiatoren, Robin Hood, Asterix und Obelix machten am vergangenen Sonntag den Wanderweg Tholix-Runde am Schaumberg unsicher und zauberten ein sagenhaftes Spektakel. Geschätzte 300 Zuschauer verfolgten von 14 bis 16 Uhr das Etappenspiel der Theatervereine aus Theley, Hasborn und Scheuern. Dabei waren etwa 50 Laienschauspieler verschiedenen Alters im Einsatz. Im Mittelpunkt stand die alles entscheidende Frage nach dem wahren Erbauer des Schaumberges.

„Mit solch einem Besucheransturm hätten wir nicht gerechnet. Für uns alle war es eine tolle Veranstaltung“, freute sich Benno Wittler vom Theleyer Theaterverein. Er und Dennis Bard mimten zwei römische Gladiatoren. Sie geleiteten die Besucher vom Himmelszelt zum Startpunkt in die Tholix-Runde. Diesen markierten zwei antike Säulen, die von sprechenden Fliegenpilzen bewacht wurden. Hier startete die Besucherschar auf die sagenhafte Abenteuer-Tour und erlebte allerhand Überraschungen. Wer nicht aufpasste, wurde plötzlich von Robin Hood überrumpelt, der hinter einem Baum lauerte, um Heller und Pfennig für die Witwen und Waisen zu erbeuten. Genial war die Idee der Theaterjugend, mit einer besonderen Inszenierung Spenden zu sammeln und damit die Besucher zu erheitern. Vier mit einfachen Gewändern bekleidete Kinder kauerten auf dem Boden, den Blick bescheiden nach unten gerichtet. Doch jedes Mal, wenn ein Passant eine Spende in ihren Beutel warf, erwachten die jungen Akteure mit einem Jubelgeschrei und warfen die Arme empor. Manch einer schüttelte sich vor Lachen und gab mehrmals einige Münzen, nur um wieder den witzig vorgetragenen Freudenschrei der Kinder zu hören.

Vorbei an großen römischen Tongefäßen schlängelte sich die Tholix-Runde durch ein verwunschenes Waldstück. Auf einem Baumstumpf saß plötzlich Rotkäppchen mit seinem Körbchen und sammelte Spenden für die Großmutter. Ein kleiner quirliger Wolf trollte im Hintergrund und begrüßte die Vorübergehenden mit seinem Geheul. Der Höhepunkt auf der Tholix-Runde war das Theaterspiel, das sich die Laienschauspieler des Hasborner Theatervereins Edelweiß ausgedacht hatten. Schauplatz war eine kleine Fläche mitten im Wald rund um einen großen Fels. Hier hatten Asterix und Obelix ihr gallisches Quartier aufgeschlagen. Ein in höchsten Tönen trällernder Troubadix begrüßte den Besucherstrom. Köstlich, wie Christian Schneider als Barde auf seiner Klampfe zupfte und mit schrägen Tönen noch schrägere Texte zum Besten gab. Als alle Zaungäste sich um den Fels versammelt hatten, nahm das Schauspiel seinen Lauf.

Während Miraculix den Zaubertrank der Wahrheit braute, fingen Asterix und Obelix zwei Römer. Erst nach mehreren Schlucken vom Zaubertrank gestanden diese den Galliern die Erbauung des Schaumberges zu. Auf dem weiteren Weg zurück zum Schaumbergplateau ging es vorbei an Jolie Heckmann, die als Eichhörnchen verkleidet an einem Baum saß und gegen ein Spende Nuss-Konfekt verteilte. Oben angekommen, ging es weiter mit einem originellen Schauspiel des Theatervereins Rampenfieber. Im Mittelpunkt stand ein sagenhafter Turmbau. Was sich zunächst als Eiffelturm präsentierte, entpuppte sich später als Schaumbergturm. Genial die technische Konstruktion des Holzgerüstes, das sich mit zwei Handgriffen schnell verwandelte. Vier Handwerker mühten sich slapstickartig mit dem Turmbau ab, während ihre Auftraggeberin, eine Gräfin, einen Nervenzusammenbruch erlitt bei der wundersamen Wandlung ihres Turmes.

Endstation des Etappen-Theaters war die Kapellennische unter dem Schaumbergturm. Hier hatte sich Arno Jos Graf in einem alten Lehn-
sessel wie ein Märchenonkel niedergelassen und erzählte die wahre Geschichte von der Entstehung des Schaumberges und Erbauung des Schaumbergturmes: „Schon unsere Vorfahren erkannten, dass der Schaumberg etwas Besonderes ist. Die Kelten und Römer würden ganz schön staunen, was hier entstanden ist.“ Zum Abschluss konnten sich die Kinder im Himmelszelt mit Zaubertattoos dekorieren lassen – gegen eine kleine Spende der Eltern. „Ich bin begeistert von der Mühe, die die Theatervereine sich gemacht haben. Unsere Kinder standen mit offenen Mündern an den einzelnen Stationen und verfolgten gebannt das Geschehen“, lobt Ankia Maurer aus Berlin. „Ich konnte mir ja nichts unter der Veranstaltung Etappen-Theater vorstellen. Aber das war so eine gelungene Vorstellung“, so Ilona Klesen aus Hasborrn.

Benno Wittler führt in römischer Gladiatorenrobe die Theater-Besucher über den Tholix-Pfad. Foto: Marion Schmidt
Ein wandelbarer Turm: Aline Hornetz (von links), Stefan Klein und Annemarie Groß begeistern mit ihrem witzigen Spiel der Handwerker. Foto: Marion Schmidt

Und wie geht es weiter? Klaus Backes vom Hasborner Theaterverein Edelweiß: „Wir haben jetzt erst mal einen Versuchsballon gestartet, der uns allen Megaspaß gemacht hat. Für uns alle war es also ein gelungenes Debüt. Über eine Fortsetzung müssen wir uns bei unserer Nachbesprechung unterhalten.“ An Spendengeldern wurden an diesem Tag 377 Euro gesammelt, die der Theaterbezirk auf 400 Euro aufgerundet hat. Der Erlös geht an die Stiftung Kind und Jugend der Gemeinde Tholey.

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