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Sport in Corona-Zeiten: „Parkour for Kids“ in Hasborn mit großer Resonanz

Bewegungsprogramm in Hasborn : Sportangebot für Kinder wird zum Renner

Christina und Thomas Holz aus Hasborn wollten Kindern auch in Corona-Zeiten Bewegung ermöglichen. Deshalb riefen sie im Herbst 2020 das Projekt „Parkour for Kinds“ ins Leben. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen.

Nahezu alle jungen Kurs-Teilnehmer rennen freudestrahlend auf den Platz. Schnell schnappen sich einige einen Gymnastikball und tobten mit diesem herum, während aus einer Anlage fetzige Musik dringt. Dass der Bewegungsdrang bei Kindern in der Corona-Zeit riesengroß ist, ist am Montagnachmittag auf dem Sportplatz des SV Hasborn auf den ersten Blick zu erkennen – schon vor Beginn der Übungseinheiten des Projekts „Parkour for kids“.

„Wir sind der Meinung, Kinder wollen, sollen und müssen sich bewegen“, sagt Christina Holz, die mit ihrem Mann Thomas das Projekt im Herbst 2020 ins Leben rief. „Ein frühzeitiges, regelmäßiges und vielfältiges Bewegen beeinflusst die körperliche, motorische und psychosoziale Entwicklung sowie die geistigen Fähigkeiten von Kindern positiv.“

Doch gerade in der momentanen Corona-Zeit fehlt es an Möglichkeiten, Sport zu treiben. Gemeinsam mit Ehemann Thomas überlegte Christina Holz daher, wie man Bewegung auch unter Corona-Bedingungen ermöglichen kann. Das Ergebnis: „Outdoor-Parkour for Kids.

Die beiden kauften Spielgeräte, wie große Plastikräder, Slackline-Stangen (können zwischen Toren oder Bäumen befestigt werden, um darauf zu balancieren) oder mobile Klettergeräte. Der SV Hasborn stellte Hütchen, Koordinationsleitern und andere Hilfsmittel zur Verfügung. Zudem wurden Helfer für die Betreuung der Kids akquiriert.

Was dann beim ersten Training geschah, übertraf alle Erwartungen: „Dass die Nachfrage groß sein würde, damit hatten wir gerechnet. Aber nicht, dass sie so riesig ist. Der Zulauf war brutal“, berichtet Holz strahlend. Mehr als 70 Kinder, nicht nur aus Hasborn, sondern aus der gesamten Gemeinde Tholey und den umliegenden Kommunen, folgten der Einladung. Und die Zahl blieb auch danach so hoch. „Dabei hatten wir noch nicht ein einziges Mal schönes Wetter“, berichtet Holz lachend. „Doch sogar bei Regen und Temperaturen um die null Grad kamen 45 Teilnehmer.“

In Corona-Zeiten bedeutet dies zwar einen hohen Organisations-Aufwand, damit alle Vorgaben – wie beispielsweise aktuell die Einteilung in Gruppen von maximal zehn Kindern – eingehalten werden können. Doch den Aufwand betreibt Familie Holz gerne. „Wir wollten den Kindern unbedingt Bewegung ermöglichen und mittlerweile ist es zu einer Herzensangelegenheit geworden“, sagt Thomas.

Auch die Eltern der Teilnehmer sind begeistert: „So ein Bewegungsangebot für die Kinder an der frischen Luft kam uns gerade recht. Es macht den Kindern super viel Spaß und es ist auch extrem abwechslungsreich. Das ist richtig klasse“, freut sich die 35-Jährige Kristina Backes, während ihr dreijähriger Sohn Moritz gemeinsam mit der Kindergarten-Gruppe tobt. „Schon während des ersten Lockdowns vor einem Jahr hat man sich ja überlegt, wie man seinen Kindern Abwechslung und Bewegung bieten kann – und das wurde zunehmend schwieriger“, ergänzt die Hasbornerin. Ihr Fazit: „Wir werden auf jeden Fall auch nach Corona dabei bleiben.“

Obwohl es „Parkour für Kids“ noch nicht lange gibt, wurde die gute Sache im Tholeyer Gemeindeteil schnell wahrgenommen und unterstützt: Ministerpräsident Tobias Hans zeichnete „Parkour for Kids“ im Rahmen des Förderprojekts „Saarland zum Selbermachen“ aus – verbunden mit einem Preisgeld.

Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt sowie Hasborns Ortsvorsteher Martin Backes halfen den Organisatoren ebenfalls finanziell – ebenso wie der Rotary Club St. Wendel, der die Hasborner durch eine großzügige Spende unterstützte. „Dank dieser Hilfe und einem großen Aufwand an Eigenleistung konnten wir für die einzelnen Altersstufen Trainingsutensilien anschaffen und so einen Grundstock an Materialien aufbauen“, freut sich Holz.

Ganz konnte aber auch „Parkour for kids“ der Pandemie nicht aus dem Weg gehen. Während des jüngsten Lockdowns musste das Projekt ruhen – ehe die Lockerung, dass Kinder unter 14 Jahren in einer Gruppenstärke von zehn Personen wieder draußen trainieren können, eine Wiederaufnahme ermöglichte.

Bislang findet das Bewegungsprogramm auf der Sportanlage des SV Hasborn statt, dem das Projekt angegliedert ist. In den warmen Monaten kann sich aber auch im Wald oder an anderen Orten in der Gemeinde bewegt werden. Zudem ist geplant, auf dem Gelände des SV Hasborn eine feste Calisthenics-Anlage zu errichten, wie es sie beispielsweise schon in Oberthal gibt.

 Christina Holz, die mit ihrem Ehemann Thomas „Parkour for Kids“ ins Leben rief, beim Training mit der Gruppe der Kindergartenkinder.
Christina Holz, die mit ihrem Ehemann Thomas „Parkour for Kids“ ins Leben rief, beim Training mit der Gruppe der Kindergartenkinder. Foto: Philipp Semmler
 Schaukeln und hangeln an „Slacklines“ – auch das gehört  zum Parkour-Training. Das Tor im Hasborner Stadion ist ideal dafür.
Schaukeln und hangeln an „Slacklines“ – auch das gehört  zum Parkour-Training. Das Tor im Hasborner Stadion ist ideal dafür. Foto: Philipp Semmler

Ein Calisthenic-Park besteht aus Stangen verschiedener Höhe und Position, welche Barren und Reck nachempfunden sind. Elemente des klassischen Gerätturnens werden mit akrobatischen Übungen erweitert. Zudem plant „Parkour for kids“ zu expandieren. Ab dem Frühjahr soll eine zusätzliche Trainingsgruppe für Jugendliche ab zwölf Jahren angeboten werden.