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So war die Kappensitzung der Theleyer Narrekäpp Helau Mildau

Kappensitzung der Theleyer Narrekäpp Helau Mildau : Ein romantischer Ausritt am Schaumberg

Die Theleyer Narrekäpp Helau-Mildau boten eine Kappensitzung der anderen Art auf dem Keltenplatz.

Eine Kappensitzung der besonderen Art gönnte sich und seinen Fans der Theleyer Karnevalsverein Narrekäpp Helau-Mildau am Samstag. Ab 15.11 Uhr wurde im Festzelt auf dem Keltenplatz bei der großen Gaudi-Kappensitzung ein humorvolles Feuerwerk abgebrannt. Schon beim Eintritt in das farbenfroh geschmückte Zelt, war klar: Hier wird heute locker und leger gefeiert. In der Narrhalla der Narrekäpp gab es keine Sitzplätze. Die Faasendboze hatten sich in bester Feierlaune an den Stehtischen verteilt, bereit für die Schunkel-Paraden. Von Kopf bis Fuß im Fußballdress stürmte Vereinsvorsitzender Peter Groß, in der ganzen Gemeinde als der „Piet“ bekannt, auf die Bühne. Kaum überhörbar pustete er in seine Trillerpfeife, der eindringliche Ton sollte der Startschuss für drei närrische Stunden sein.

Hier war alles etwas anders: Der karnevalistische Humor wurde in aller Konsequenz bis auf die Spitze getrieben. „Guten Morgen liebes närrisches Volk“, begrüßte Sitzungspräsident Piet seine Gäste. Da die Kappensitzung unter dem sportlichen Fußball-Motto „EM“ stand, forderte er alle zu einem sportlichen Eingangstest auf. Nach diesem Warm-Up-Programm wurde unter Piets Kommando auch gleich noch eine Sieben-Stufen-Rakete einstudiert: Klatschen, Trampeln, Grölen, ein Trompeten-Zwischenspiel und ein Fußball-typischer Fan-Gesang, zu dem der Sitzungspräsident eine Nationalfahne schwenkend über die Bühne fegte. Dann rief er lauthals ins Publikum: „Wer wird Europameister?“. Unisono erwiderte das Publikum: „Deutschland“. Piet: „Und wer nicht?“. „Kroatien“, die einstimmige Antwort der Narren. Dieses Raketenritual zog sich wie ein roter Faden durch das Programm.

Nach den Bühnenbeiträgen wurde eine Rakete nach der anderen gezündet, und so hatten auch die Narren auf dem Parkett vor der Bühne ihren aktiven Part. Die Kindergarde der KG Lach mit Theley musste gar nach ihrem Auftritt erneut einmarschieren, da die Rakete vergessen wurde. Dennoch durfte auch auf der Gaudi-Kappensitzung der klassische Elferrat nicht fehlen. Nur trat dieser hier als Nonnengarde und Sexxerrat auf, auch sie einheitlich gekleidet in leuchtend-gelbem Fußballtrikot. Mit ihrem tongebenden Trainer Piet als elfter Mann stand hier eine Mixed-Fußball-Elf auf der Bühne. „Zum 28. Mol sinn ma do mit Büttenrednern, Dummschwätzern und Garden. Ein dreifaches Theler Alleh Hopp“, verkündete der Sitzungspräsident und begrüßte das Prinzenpaar Prinz Andy I. und Prinzessin Diana I. Dem Anlass gemäß stellten sich beide mit einer Prise Humor vor. Während der Prinz sich freute, jetzt wie der Piet auch einmal von der Bühne auf die Narrenschar herabschauen zu können, verriet seine Auserwählte, sie habe noch nie die Faasend verpennt.

Was dann folgte, war ein Programm mit Büttenreden, Sketchen und Tänzen, die an Klamauk und Witz kaum zu überbieten waren. Den Anfang machte Claudia Ohlmann. „Thele ist ein vertratschtes Dorf. Wolle ma das größte Tratschweib vom Dorf, das Bertha, rinnlasse?“, kündigte der Sitzungspräsident die erste Büttenrede an. Beinahe ohne Luft zu holen, posaunte Bertha in tiefster Mundart und mit schrillem Tonfall eine närrische Pointe nach der anderen heraus: „Wie heischt die klänschde Brauerei im Saarland? Ei, rot-weiß Hasborn mit elf Flaschen.“ Der Knüller des Abends dürfte der Sketch „Speeddating“ oder besser gesagt „SPietdating“ gewesen sein, den Piet mit Gardetänzerin Tamara Rausch mimte. Zur Auswahl standen ein Macho-Piet, ein sportlicher und ein romantischer Piet. Urkomisch, wie der Romantiker mit der Gardetänzerin zuerst auf einem hölzernen Pferd einen Ausritt mimte, zur bekannten Melodie von Winnetou. Das romantische Date endete mit einem Picknick auf der Bühne, bei dem keiner von beiden um einen flotten Spruch verlegen und das Publikum höchst amüsiert war.

Nach seinem Auftritt schlüpfte Peter Groß wieder in die Rolle des Moderators, um die Teenie-Garde der KG Lach mit Theley anzukündigen. Kaum hatte er das närrische Volk gefragt „wolle ma es rinnlasse?“, antwortete dieses schon voller Begeisterung mit Applaus. Mit ihrer anspruchsvollen und heiter vorgetragenen Choreografie „Die Schöne und das Biest“ lösten die Tänzerinnen mit ihren Kostümen wahre Jubelstürme aus. „Das hier war ganz großes Kino und absolute Weltklasse“, lobte Peter Groß den Auftritt.

Nach der Pause ging es munter weiter und die Bühne beherrschten besonders die Balletteusen der Männerballett-Gruppen der KG Lach mit Theley und der Narrekäpp Hellau-Mildau. Mit viel Charme und Witz fegten beide Gruppen über die Bühne und lieferten originelle Choreografien. Im letzten Büttenvortrag des Tages plauderte Tobias Reisdorf als Renate Granate aus dem dörflichen Nähkästchen. Nach der Bühnen-Gaudi herrschte im Festzelt am Keltenplatz noch bis in den frühen Morgen ein fröhliches Faasend-Treiben mit etwa 400 Besuchern.