So sieht es künftig im Gemeinderat in Tholey aus

Wahlanlayse : Hermann Josef Schmidt geht in die Verlängerung

Für Tholeys Bürgermeister wird es eine dritte Amtszeit geben. In Sachen Gemeinderat freuen sich die Grünen über den höchsten Stimmen-Zuwachs.

Nur der Whiskey in den 1100 Fässern in Eckerts Brennerei hatte mit 84 Prozent mehr zu bieten als Hermann Josef Schmidt (CDU). Der heimste nämlich bei der Bürgermeistermeisterwahl in Tholey 76,9 Prozent der Stimmen ein und bleibt für die nächsten fünf Jahre im Amt. Dann erreicht der 62-Jährige die Altersgrenze für Bürgermeister und geht in Rente. Am Sonntagabend lag das in weiter Ferne. In der Probierstube der Brennerei feierte Schmidt bis 2 Uhr nachts seinen eigenen Erfolg und den seiner Mitstreiter. Denn die Christdemokraten behalten die Zweidrittel-Mehrheit im Gemeinderat und stellen in allen neun Ortsteilen den Ortsvorsteher. „Das liegt an der tollen Arbeit, die die Leute vor Ort geleistet haben“, lobt Schmidt. Auch mit seinem Abschneiden bei einer Wahl ohne Gegenkandidat ist er sehr zufrieden. Wobei Andreas Türk, Spitzenkandidat der SPD für den Gemeinderat, nach eigener Aussage sogar mit 80 bis 90 Prozent gerechnet habe. Was die absoluten Stimmen betrifft, hat Schmidt um 550 gegenüber der Bürgermeisterwahl 2010 zugelegt. Die Prozentzahl sei hingegen niedriger, was laut Schmidt auch an der hohen Wahlbeteiligung von 74,9 Prozent liege.

Vier Parteien waren in Tholey zur Gemeinderatswahl angetreten: CDU, SPD, Linke und die Grünen. Es ging um die Wählergunst und die 33 zu vergebenen Sitze im Gremium. Die beiden großen Parteien haben jeweils einen Sitz verloren, die sich die beiden kleineren gesichert haben. Die CDU stellt 21 Mandatsträger im Rat, die SPD künftig acht, die Linke und die Grünen jeweils zwei. Theoretisch. Denn so ganz geht diese Rechnung nicht auf. Denn der Rat wird künftig nur noch 32 Sitze haben, da die Linke lediglich mit einer Kandidatin auf der Liste ins Rennen gegangen war. „Es ist ein tolles Ergebnis. Das habe ich so nicht erwartet“, sagt Katharina Bard (Linke) glücklich. Ihre Partei hatte 5,8 Prozent der Stimmen erzielt. Sie freue sich auf ihr Mandat und wolle bei der Werbung neuer Mitglieder mithelfen.

Grund zur Freude gab es auch bei den Grünen. Bislang war  Ewald Müller für seine Partei als Einzelkämpfer im Rat. Jetzt kriegt er Verstärkung. „Meine Tochter übernimmt den zweiten Sitz im Rat“, sagt er. Bei der Abstimmung untereinander hätten sie somit kurze Wege. 8,5 Prozent der Stimmen gingen an die Grünen. Das ist ein Plus von 4,6 Prozent. Somit sind die Grünen ein bisschen so etwas wie die heimlichen Gewinner. „Das Ergebnis in Tholey ist gut“, sagt Ewald Müller bescheiden. Die CDU habe eine starke Mehrheit, die über Jahre gewachsen ist. Daran sei nicht zu rütteln. Auf 61,7 Prozent kamen die Christdemokraten, ein Verlust von 2,8 Prozent. Aber Mehrheit hin oder her, für Müller zähle die Zusammenarbeit.  „Wir haben einen guten Bürgermeister, mit dem man reden kann“, sagt der Grünen-Politiker. Er freue sich, dass er weitermachen darf im Gemeinderat und würde sich wünschen, in Ausschüssen vertreten zu sein.

Mit gemischten Gefühlen blickt Andreas Türk im SZ-Gespräch auf die Wahlen. „Zum Teil bin ich zufrieden“, sagt er. Im Bohnental habe die SPD in allen Ortsräten dazu gewonnen. Besonders knapp sei das Ergebnis in Überroth-Niederhofen und Scheuern gewesen. Im Theleyer Ortsrat konnten die Sozialdemokraten ihre Sitze von zwei auf vier verdoppeln. Keinen Zugewinn gab es in Sachen Gemeinderat. „Schade, dass wir da einen Sitz verloren haben“, bedauert Türk. Insgesamt konnte die SPD rund 24 Prozent der Stimmen ergattern, das ist ein Minus von zwei Prozentpunkten. Für die Sozialdemokraten gelte, nach der Wahl ist vor der Wahl. Türk richtet seinen Blick fünf Jahre in die Zukunft. „Es war ein langer Prozess, ob wir dieses Mal bei der Bürgermeisterwahl einen Gegenkandidat stellen.“ Letztendlich entscheid man sich dageben. „Jetzt konzentrieren wir uns auf die nächste Wahl in fünf Jahren.“ Dann will die SPD einen Kandidaten stellen. Die Suche kann beginnen. Übrigens auch bei der CDU.