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So liefen die Bohnentaler Theatertage in Neipel

Theater im Bohnental : Für die Erbtante wird Familienidyll aufgetischt

Der Theaterverein Laetitia 1959 Dorf-Neipel hat an sechs Abenden das Lustspiel „Frecher die Erben nie schlichen“ auf die Bühne gebracht.

Für viele Freunde des Mundarttheaters sind sie schon lange ein Pflichttermin, die Bohnentaler Theatertage im Haus am Mühlenpfad in Neipel. In diesem Jahr brachte der Theaterverein Laetitia 1959 Dorf-Neipel das Lustspiel „Frecher die Erben nie schlichen“ auf die Bühne. Im Mittelpunkt des Drei-Akters aus der Feder von Jürgen Schuster stehen die amüsanten Irrungen und Wirrungen um die Frage, wie man sich das Vermögen der wohlhabenden Tante aus Amerika sichern kann. Der Haken an der Sache: Neffe Peter hat der als konservativ angenommenen Tante Mary all die Jahre seine geänderten Familienverhältnisse und die Trennung von seiner ersten Frau Inge verschwiegen. Nun kündigt die vermögende Tante ihren Besuch an, und Peter und seiner Lebensgefährtin Anni stehen schon die Dollarzeichen in den Augen. Damit nimmt die Erbschleicherei ihren turbulenten und amüsanten Lauf. Tante Mary soll das alte Familienidyll vorgespielt werden.

Vor Beginn der Vorstellung betritt Susanne Scherer die Bühne und begrüßt das Publikum: „Geizt nicht mit Applaus, das ist unser Ansporn.“ Die Zuschauer erweisen sich als spendabel und klatschen fleißig während des knapp dreistündigen Theaterabends.

Als der rote Bühnenvorhang sich zur Seite schiebt, wird eine gut bürgerlich eingerichteten Stube sichtbar. In der Mitte ein gediegener Esstisch, an dem gerade Inge und ihr zweiter Gatte Hans ihr Frühstück genießen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Neipeler Theatertage sind bekannt dafür, dass auf der Bühne alles echt ist. Darauf legt Spielleiterin Susanne Scherer immer großen Wert.

„Uns ist es wichtig, dass alles authentisch ist. Die Brötchen wurden an jedem Aufführungstag frisch gekauft und die Wurst und der Schinken jeden Samstag. Die Marmelade hat unsere Souffleuse spendiert. Die Suppe haben wir in unserem Schminkraum auf einer Kochplatte vor der Aufführung gekocht.“ So kommt es dann vor, dass in den Pausen auch mal gespült werden muss.

Vom Kulissenbau bis zum Beisteuern von Requisiten, bei den Bohnentaler Theatertagen packt jeder aus dem Verein mit an. „Die Requisiten haben wir in diesem Jahr aus privatem Mobiliar unserer Spieler zusammengestellt. Den Teppich haben wir bei Ebay Kleinanzeigen gekauft“, verrät Susanne Scherer. Auch beim Kartenvorverkauf waren die Akteure im Einsatz. „Unsere Spieler mussten den Vorverkauf unserer Tickets selbst übernehmen, weil unsere langjährige treue Frau Hesedenz von einem Schreibwarengeschäft aus Limbach das aus Zeitgründen nicht mehr machen konnte“, verrät Scherer. Sie ist seit 2016 Spielleiterin im Theaterverein.

Schon in der Eingangszene zeigt sich, dass sie die Rollen wieder mit viel Fingerspitzengefühl verteilt hat. Sie selbst spielt die wohlhabende Tante Mary. Die doppelte Aufgabe als Spielleiterin und als Schauspielerin hat sie mit Bravour und viel Begeisterung gemeistert: „Ich habe ja extra schon eine kleine Rolle übernommen. Aber mein Herz hängt so an der Schauspielerei, dass ich die Doppelbelastung gerne auf mich nehme.“ Wenn die Spielleiterin bei den Proben auf der Bühne stand, habe ihre Stellvertreterin Claudia Weinsberg die Regieleitung übernommen.

Mit Wortwitz, gekonnt platzierter Mimik und Gestik hat das achtköpfige Ensemble das Lustspiel auf die Bühne gebracht und an sechs Theaterabenden insgesamt etwa 900 Zuschauer angesprochen. „Die Aufführung war sehr unterhaltsam und witzig. Ich gehe schon seit mehr als 20 Jahren jedes Jahr hin“, sagte Elisabeth Biwer aus Lindscheid. Und nach den Theatertagen ist vor den Theatertagen. Mitte August 2020 beginnen die Proben für die nächsten Vorstellungen. Und auch die Termine stehen schon: Die Bohnentaler Theatertage finden an den drei letzten Novemberwochenenden samstags und sonntags statt.