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Serie Per Anhalter um die Welt: Daniel Klesen reist durch Indien

Serie Per Anhalter um die Welt : Ein Land voller Überraschungen

Elefanten, Hochzeiten und Zugfahrten der anderen Art — der Weltenbummler unterwegs in Indien.

Im Chaos lauern die schönsten Überraschungen. Diese Erfahrung hat Daniel Klesen in den vergangenen zwei Monaten gemacht. Ende November kehrte er Usbekistan den Rücken zu und flog nach Indien. „Delhi war erstmal ein riesiger Schock für mich“, erzählt er am Telefon. Überall Menschen, Temperaturen über 30 Grad, jede Menge Smog und absolut wahnsinniger Verkehr. „Am zweiten Tag ist mir fast der Kopf geplatzt“, sagt der Weltenbummler.

Um dem Trubel zu entfliehen, macht er sich auf den Weg Richtung Norden. Wie gewohnt per Anhalter. Doch voran kommt er kaum. „Es ist echt super anstrengend, in Indien zu trampen. Die Einheimischen kennen diese Form des Reisens gar nicht“, erklärt der 28-Jährige. Außerdem muss er ständig für Fotos posieren. Immer wieder starren ihn junge Inder an und möchten Selfies mit ihm machen. „Das ist nicht böse gemeint, aber mir ist es teilweise schon sehr unangenehm gewesen“, gibt Daniel zu. Mittlerweile habe er herausgefunden, dass es für die Jugendlichen cool ist, auf ihrer Facebookseite Bilder mit Europäern zu posten. Ein weißhäutiger Mann aus Deutschland mit langen Haaren und unzähligen Tattoos – in Indien sei das eine Attraktion.

Unmöglich ist es für den Abenteurer daher auch, zu campen. Die Einheimischen seien einfach zu vorwitzig. „Sobald ich mein Zelt aufgeschlagen habe, haben sie mich belagert“, erzählt er. Seit knapp zwei Jahren trampt der junge Mann aus Bergweiler schon um die Welt. Zum ersten Mal weicht er nun von dieser Art des Reisens ab. „Ich hatte ja nur zwei Monate in dem Land und wollte gerne ein bisschen was davon sehen“, sagt er. Also habe er beschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und öfter mal in Hostels zu übernachten.

Doch auch das Zugsystem hält für den Reisenden eine Überraschung parat: die General Class. In Indien gebe es vier Sitzklassen und die General Class sei die günstigste. „Normalerweise bekommen Touristen dafür gar keine Tickets. Aber mich haben sie reingelassen, weil ich mit Einheimischen unterwegs war“, berichtet Daniel. Was folgt, ist eine Fahrt, die der Weltenbummler wohl so schnell nicht vergessen wird. Die ersten acht Stunden seien noch „relativ angenehm“ gewesen. Doch dann habe der Zug in einer größeren Stadt angehalten. Dort seien die Menschen wie Zombies in den Waggon geströmt. Die Passagiere hätten aufeinander gesessen und geschlafen. Einige hätten angefangen, sich zu prügeln, weil ein Taschendieb an Bord war.

Und mittendrin, als einziger Ausländer, sitzt Daniel mit seinem riesigen Rucksack. „Es war so eng, ich konnte nicht mal ein Foto machen“, erzählt er und fügt hinzu: „Wer auf die Toilette musste, hatte verloren. Man konnte sich ja kaum bewegen.“ Doch immerhin habe er für die 16-stündige Zugfahrt nur 1,60 Euro bezahlt. „Es war eine lustige Erfahrung. Aber es war das erste und letzte Mal, dass ich in der indischen General Class gereist bin“, sagt der 28-Jährige und lacht.

Trotz allem schwärmt er mittlerweile von Indien. Als er sich an das Chaos gewöhnt und darauf eingelassen hat, fängt er an, die Schönheit des Landes zu erkennen. Das Himalaya-Gebirge im Norden, die Thar-Wüste im Nordwesten, die Teeplantagen im Süden, der Dschungel im Landesinneren und die Traumstrände entlang der Küste. Indien sei unglaublich vielfältig, nicht nur die Landschaft, sondern auch die Tierwelt betreffend.

Tiger, Leoparden und wilde Elefanten – letzteren ist Daniel eher zufällig begegnet. Während einer Wanderung kreuzen drei Dickhäuter seinen Weg. Am Abend zuvor wollte der Bergweiler noch in dem Gebiet zelten. Allerdings machten ihn einige Inder darauf aufmerksam, dass dies wegen der wilden Tiere zu gefährlich sei. „Sie haben mich daraufhin spontan in der Schule übernachten lassen“, erzählt Daniel. Er beschreibt die Inder als gastfreundliche und offene Menschen.

In Amritsar beispielsweise, einer Millionenstadt im Bundesstaat Punjab, darf der Weltenbummler sogar an einer traditionellen Panjabi-Hochzeit teilnehmen. Daniel lernt den Bräutigam namens Nuta auf der Straße kennen. „Er hat mich gefragt, ob wir ein Foto zusammen machen können“, berichtet Daniel von der Begegnung. Einem kurzen Gespräch folgt auch schon die Einladung. Die Feier habe insgesamt drei Tage gedauert. „Der erste ähnelt ein bisschen dem Junggesellenabschied.“ Braut und Bräutigam seien an verschiedenen Orten und feierten mit ihren Angehörigen und Freunden. Am zweiten Tag stehe die eigentliche Hochzeit auf dem Programm. „Um 20 Uhr ging’s los. Die Gäste haben getanzt, gegessen und gefeiert. Und die Braut und der Bräutigam waren die ganze Zeit über mit irgendwelchen Zeremonien beschäftigt“, erzählt Daniel. Am dritten Tag hätten sich noch einmal alle zur finalen Party versammelt.

Die lässt der Weltenbummler jedoch ausfallen. Er muss weiter, schließlich steht der nächste Abflug schon bevor. Ursprünglich hatte er geplant, in den Nahen Osten zu reisen. Doch eine Freundin, die er dort treffen wollte, habe aus beruflichen Gründen abgesagt. Via Facebook erfährt Daniel allerdings, dass eine weitere Bekannte gerade auf dem Weg nach Südostasien ist. Eine Überraschung, die ihn dazu veranlasst, seine Pläne wieder einmal umzuwerfen. Statt nach Oman geht’s für ihn nun nach Malaysien.