Sanierung der Abteikirche in Tholey

Sanierung der Abteikirche in Tholey : Streit um Steine am ältesten deutschen Kloster

Am Nordportal der Tholeyer Abteikirche ohne Genehminung abgebaute Steine haben reichlich Staub aufgewirbelt. Jetzt stehen noch einige Gespräche zwischen den Benediktiner-Mönchen und dem Landesdenkmalamt an.

Es ist wahrlich ein Großprojekt, das aktuell an und in der Kirche der Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey umgesetzt wird. Eines, das in seiner Komplexität außergewöhnlich ist, attestiert  Georg Breitner, Leiter des saarländischen Landesdenkmalamts. Seit Herbst 2017 trägt das Gotteshaus ein Kleid aus Gerüsten. „Was anderswo in mehreren Bauabschnitten geschieht, machen wir nun in einem“, sagt Bruder Wendelinus. Das verdanke das Kloster unter anderem der Unternehmerfamilie Meiser, die das Vorhaben unterstützt. Außen und Innen soll der frühgotischen, drei­schiffigen Basilika neuer Glanz verliehen werden. Dazu wurde bereits die Sandsteinfassade gereinigt, der Schiefer am barocken Turmdach erneuert, der stählerne Glockenstuhl gegen einen aus Holz ersetzt. Spezialisten waren für diese Arbeiten gefragt.

Damit eine solche Großbaustelle funktioniert, braucht es Pläne, Austausch, starke Partner. Müssen alle an einem Strang ziehen. Dass dieser im Eifer des Gefechts auch mal überdehnt werden kann, hat sich kürzlich gezeigt. Am Nordportal, Sinnbild frühgotischer Steinmetz- und Steinbildhauerkunst, hat die Abtei als Bauherr Steine von einer Fachfirma entfernen lassen. Ein Gutachten riet aus Sicherheitsgründen dazu.

In der Folge machten Begriffe wie „Zerstörung“ die Runde. Dafür wurde der Mäzen des Klosters verantwortlich gemacht. „Das hat die Familie Meiser sehr getroffen“, weiß Bruder Wendelinus. „Die Steine wurden lediglich abgenommen, das Portal kann in den Ursprungszustand zurückgeführt werden“, betont noch einmal Ulrich Meiser.

Doch nicht nur der Vorwurf der Zerstörung hat rund um das Großprojekt die Gemüter erregt. „Dass die Steine abgebaut wurden, war nicht abgesprochen“, kritisiert Breitner. Bei einer solchen Maßnahme hätte beantragt und entsprechend genehmigt werden müssen. Beides sei nicht geschehen. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Breitner, der erst seit dem vergangenen Jahr mit Übernahme des Chefpostens im Landesdenkmalamt in die Arbeiten an der Abteikirche involviert ist.

Und nun? Funkstille zwischen Bauherr und den Experten vom Landesdenkmalamt? Mitnichten. Bei strahlendem Sonnenschein sitzen die Beteiligten am Montag auf der Terrasse des Abtei-Gästehauses St. Lioba mit Blick auf den Klostergarten. Das Wasser im Brunnen plätschert sanft, strahlt eine gewisse Ruhe aus. Diese legen auch Bruder Wendelinus, Abt Mauritius Choriol, Ulrich Meiser, Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) und Georg Breitner an den Tag.

Das Kind sei in den Brunnen gefallen, sagt Breitner salopp.  Er sei nicht der Typ, der lange diskutiere wieso, sondern ihm ginge es darum, „wie kriegen wir es wieder raus“. Vor Bruder Wendelinus liegt eine Mappe mit Unterlagen. Ein Gutachten, das die Verkehrssicherheit am Portal als gefährdet einstuft, und  ein Dokument, das den Abbau der Steine detailliert beschreibt. Demnach sind diese nicht – wie das Wort Zerstörung nahe legt – verloren, sondern wurden fachgerecht eingelagert. „Es geht den Steinen gut, aber es muss noch was daran gemacht werden“, sagt Breitner.

Das Landesdenkmalamt will das alte Portal bewahren, die Abtei wünscht sich ein neues. Zwei klare  Standpunkte. Kann es vielleicht dennoch einen Kompromiss geben? Das wird die Zeit zeigen, noch gibt es keine konkrete Entscheidung. Die verschiedenen Interessen sollen fachlich diskutiert werden. Kommt es dann zu keiner Einigung geht es an die jeweils höhere  Instanz – zum einen an das Ministerium für Bildung und Kultur sowie an den Apostolischen Nuntius.

Denkmalschutz habe gemeinhin den Ruf zu blockieren, weiß Breitner. „Doch wir wollen unterstützen. Die moderne Denkmalpflege kann effizient mitarbeiten.“ So herrscht beispielsweise Einigkeit bei den maroden Glasfenstern. Diese wurden ausgebaut und eingelagert – zur Bestandsbewahrung und Dokumentation. Einen Weg zurück ins Gotteshaus gibt es für sie nicht. Das bekommt neue Fenster. Darunter auch drei im Altarraum. Diese werden von Künstler Gerhard Richter gestaltet (wir berichteten).

Finanziell wird das Großprojekt von mehreren Schultern getragen, unter anderen gibt es Unterstützung von der Stiftung Denkmalschutz, dem Bistum Trier und privater Hand. Breitner spricht von einem positiven Zusammenwirken. Und das soll auch auf der Baustelle vorherrschen. Der Ärger um das Nordportal ist bei allen Beteiligten noch nicht ganz verflogen, aber – und das ist deutlich spürbar – es geht allen um das große Ganze. Denn die Bauarbeiten, so Breitner, böten die Chance, auch kunsthistorisch neue Erkenntnisse zur Abteikirche zu gewinnen.

Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) glaubt nach Abschluss der Sanierungen, ein „herausragendes Ergebnis“ sehen zu können.

abtei-tholey.de/

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